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TV-Kritik: "Sumpfgebiete": Wirkungsvoll paranoid

Von Trotz der schleppenden ersten Hälfte lohnt es sich, dranzubleiben: Die Verschwörungsgeschichte hat am Ende noch ein Ass im Ärmel.
Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) fühlt sich bei seinen Ermittlungen immer stärker  beobachtet. Könnte da was dran sein? Foto: (BR/Bildarchiv) Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) fühlt sich bei seinen Ermittlungen immer stärker beobachtet. Könnte da was dran sein?
Paranoia passt ja im Thriller immer gut. Diese lauernden Blicke, geheimnisvollen Bemerkungen, verborgene Zusammenhänge, die sich erst allmählich enthüllen. Und rings um den Helden noch die Pokergesichter wie das aalglatte von dem komischen LKA-Chef (Oliver Masucci). Oder das nicht minder undurchdringliche und offenbar von Gedanken an Schuld und Sühne zerfurchte von  Alexander Beck (Ulrich Noethen), dem Vorgesetzten von Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt). Was weiß der, was Meuffels nicht weiß?
 
Hanns von Meuffels gerät in seinem neuesten "Polizeiruf"-Krimi offenbar mitten in eine Verschwörung hinein. Wem kann er noch trauen? Es beginnt mit der Entlassung von Julia Wendt (Judith Engel) aus einer Nervenklinik. Daran, dass sie in die Psychiatrie eingewiesen wurde, war von Meuffels Jahre zuvor ebenfalls beteiligt. Nun will sie von Meuffels zur Rede stellen und rastet in seinem Büro aus. Später jedoch sucht sie ihn zuhause auf und bittet sie ihn um Schutz. Was der Kommissar ablehnt, da er sie immer noch für gestört hält. Doch dann wird die Frau vor seinen Augen überfahren und stirbt. Der Fahrer des Unfallwagens begeht Fahrerflucht.
 

Ermittler in der Nervenklinik

 
Hanns von Meuffels lässt die Geschichte keine Ruhe, er forscht nach, geht in die Klinik, in der Julia Wendt eingesperrt war, und schöpft allmählich gegen jeden Verdacht. Auch als sich in der Zwischenzeit ein Mann meldet, der sich als der Unfallfahrer zu erkennen gibt, lässt Meuffels nicht locker. Ironischerweise ist er sogar selbst gerade in eine Überwachungsaktion eingebunden. Bald wird es richtig böse, und das nicht nur wegen zwei gedungener Schläger. Und dann landet von Meuffels sogar selbst in der Nervenklinik, nachdem er im Büro randaliert hat.
 
Filme dieser Art sind auf eine befriedigende Auflösung angewiesen, und auch da macht der Film seine Sache gut: Am Ende gibt es noch eine recht schöne Überraschung. Gut gelungen zudem der Anfang: Zu Beginn des Films machen sich Meuffels und sein Team in der Wohnung eines Mannes zu schaffen, der ausgehorcht werden soll, und installieren Kameras und Mikrophone. Wobei sie fast vom Wohnungsinhaber  erwischt werden - eine ähnliche Situation gab es auch in "Das Apartment", der bisher letzten Folge aus "Ein Fall für zwei".
 

Zähe erste Hälfte

 
Nach dem dichten Einstieg schleppt sich der „Polizeiruf“ zwar erst mal über die erste Hälfte etwas mühsam dahin. Die vielen Dialoge gestalten das Geschehen doch ziemlich zäh. Als es einen ersten Hinweis gibt, dass von Meuffels Recht haben könnte, steigt die Spannung dafür aber merklich an. Es ist bei weitem nicht die erste Verschwörungsgeschichte im "Polizeiruf" mit Matthias Brandt. Mancher erinnert sich noch mit Grausen an das völlig in die Hose gegangene "Smoke on the water". Die Macher von "Sumpfgebiete" haben aber auf Experimente dieser Art zum Glück verzichtet und nicht versucht, das Genre neu zu erfinden.
 
Handwerklich macht der "Polizeiruf" einen guten Eindruck. Die dunklen Herbstfarben und die jazzige Filmmusik ­- die besonders bei der Flucht vom Meuffels aus der Klinik höchst wirkungsvoll klingt – geben dem Film eine gewisse 1970er Stimmung und etwas Trübes und Undurchschaubares, was sich in einem Krimi ohnehin gut macht. Und Matthias Brandt, als Hanns von Meuffelds sonst eher ein souveräner und leicht arroganter Ermittler, zeigte schauspielerisch eine bemerkenswerte Bandbreite. Schön doppelbödig sind besonders seine Szenen mit Ulrich Noethen, der von Meuffels‘ Vorgesetzten Alexander Beck verkörpert.


Den ganzen Krimi gibt es hier
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