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"Tanzmariechen": Die Narren sind böse

Wahrheit oder Spielverderber? Zur Faschingssaison kommt diesmal ein "Tatort", der die fünfte Jahreszeit gnadenlos auseinandernimmt.
Annika Lobinger (Natalia Rudziewicz, r.) hat entdeckt, dass ihre Konkurrentin Saskia Unger (Sinja Dieks, l.) Medikamente nimmt. Foto: WDR/Thomas Kost Annika Lobinger (Natalia Rudziewicz, r.) hat entdeckt, dass ihre Konkurrentin Saskia Unger (Sinja Dieks, l.) Medikamente nimmt.
 http://www.ardmediathek.de/tv/Tatort/Tanzmariechen/Das-Erste/Video?bcastId=602916&documentId=40788064
 
 Wer mit Helau und Alaaf nichts anfangen kann, bekommt neuerdings ja Vollbedienung in der ARD. Erst die quotentechnisch kolossal abgeschmierten "Karnevalskracher", jetzt dieser "Tatort". Aber hat man es nicht schon immer geahnt? Witz und Humor ist eine todernste Sache. Und auch Clowns haben ja oft was Tragisches. Oder ein Kommissar wie Freddy Schenk (Dietmar Bär), der seiner Enkelin mit einem Prinzessin-Kleid eine Freude machen will.  Und nicht ahnt, dass die lieber ein Zombie sein will.
 
 
Zu Beginn springt Evelyn Pösel (Stella Holzapfel) von einer Brücke. Die leidenschaftliche Tänzerin war dem erbarmungslosen Konkurrenzdruck in ihrem Karnevalsverein nicht mehr gewachsen. Ihr Vater Rainer Pösel (Tristan Seith), ein Karnevalsfanatiker durch und durch, macht den Verein für den Tod seiner Tochter verantwortlich. Und drillt seinen Sohn Paul (Luke Piepelies) als Büttenredner, obwohl der arme Junge erkennbar keinerlei Talent dafür besitzt. Aber schnell gibt es noch eine zweite Tote, die strenge Tanztrainerin Elke Schetter (Katja Heinrich).
 
 

Vereinspräsident mit Geheimnis

 
 
Schetter wurde erschlagen. Hat ihr Ende etwas mit dem Selbstmord von Evelyn Pösel zu tun? Schenk und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) stoßen hinter den bunten Kulissen auf ein wahres Wespennest aus Intrigen, Konkurrenzneid und Hass. Die beiden Tänzerinnen Saskia Unger (Sinja Dieks) und Annika Lobinger (Natalia Rudziewicz) hassen sich bis aufs Blut. Der von Ehrgeiz zerfressene Vereinspräsident Günther Kowatsch (Herbert Knaup) hat auch eine Leiche im Keller, und Elke Schetter, mit der er kurz vor ihrem Tod noch einen handfesten Krach hatte, wusste davon.
 
 
Nein, da kann man es Max Ballauf wahrlich nicht verübeln, dass er mit dem ganzen "Pappnasengenöns" nichts zu tun haben will. Wobei: Man sollte schon wenigstens ein bisschen für Karneval übrig haben, um die Motivation der Figuren wirklich nachvollziehen zu können. Wenn es um Geld oder Sex geht, kann man so was schon eher verstehen als bei einem Streit darum, wer das Tanzmariechen sein darf. Abgesehen davon funktioniert der „Tatort“ aber ganz ordentlich.
 
 

Faszinierende Trainingssequenz

 
 
Die Verdächtigen bleiben überschaubar, so dass die Geschichte sie auch mit einer gewissen Doppelbödigkeit ausstatten kann. Besonders Saskia Unger und ihre Darstellerin Sinja Dieks profitieren davon, wenn man sie mit schmerzverzerrtem Gesicht in der Umkleidekabine sieht und ihr später beim schweißtreibenden Training mit kunstvollen Sprüngen, Spagat und Überschlag zuschauen darf.  
 
 
An dieser Stelle beginnt das Thema Karneval sogar trotz der überaus kritischen Haltung des Films plötzlich eine gewisse Faszination auszustrahlen. Atmosphärische Szenen von den Straßen und Vierteln Kölns bleiben diesmal weitgehend außen vor. Schade drum, der Cadillac, an dessen Steuer Schenk diesmal sitzt, hätte hier für reizvolle Bilder gesorgt. Herbert Knaup macht sich dafür gut als intriganter und dabei fürsorglicher Ehrgeizling, obwohl seine Rolle im Vergleich zu seinem letzten "Tatort"-Auftritt in "Freigang" diesmal nicht so ergiebig ausfällt.
 
 

Toller Spannungskniff am Ende

 
 
Das Drehbuch mischt die Ermittlungsarbeit gekonnt mit einer traurigen Familiengeschichte und dreht am Ende die Spannungsschraube noch einmal kräftig an. Und wer beim Krimi gerne selbst den Täter herausfinden will, sollte eine alte TV-Weisheit berücksichtigen: Es ist nämlich wieder mal jemand, auf den die Polizei bis kurz vor dem Ende überhaupt nicht geachtet hat.
 
Der "Tatort" in der Mediathek

 
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