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TV-Kritik: Tatort "Amour fou": Starker Neustart aus Berlin

Von Der "Tatort" mit Meret Becker und Mark Waschke mischt explosives Sozialdrama und klassischen Krimi zu einem gelungenen Ganzen.
Wen ruft Armin Berlow (Jens Harzer) regelmäßig aus der Hasenheide an und warum benutzt er ein Münztelefon? Foto: (rbb Presse & Information) Wen ruft Armin Berlow (Jens Harzer) regelmäßig aus der Hasenheide an und warum benutzt er ein Münztelefon?
So viel Frankreich-Liebe ist selten in Deutschlands beliebtestem Krimi-Format: Armin Berlow (Jens Harzer) liest Lyrik von Charles Baudelaire, hört französische Chansons und hat seinem Mann Enno Schopper einst einen offenen Peugeot geschenkt. Und wenn man hier sieht, wie die Nadel des Plattenspielers auf das Vinyl senkt und dann den Chanson hört, weiß man schon, dass der Krimi nur gut sein kann.
 
Das spricht nämlich für viele durchdachte und liebevolle Details, die der Geschichte eine hohe Dichte verleihen. Wobei der Krimi seine Geschichte überwiegend in ruhigen Bildern, aber doch mit ziemlich brutalen Details erzählt. Es ist nämlich schon reichlich derb, was die Krimi-Handlung hier ins Rollen bringt.
 

Lehrer mit unklarer Beziehung

 
Eine verbrannte Leiche in einer Kartenkolonie führt die Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) zu einer Schule im Neuköllner Rollbergkiez. Dort wurde der verschwundene Lehrer Enno Schopper kurz zuvor beurlaubt, weil er angeblich an einem Schüler homosexuelle Handlungen vollführte. Zugleich mit dem Lehrer ist aber auch der Schüler spurlos versschollen.

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Wobei: Es war schon eine seltsame Dreiecksbeziehung, die sich hier den Fahndern zeigt. Ein steinreicher Frankophiler, ein schon fast überidealistischer Pädagoge und ein Problemkind wie aus dem Bilderbuch mit kriminellem Vater und dem Suff verfallener Mutter. Dazu eine Schülerin, die offenbar ein Kind erwartet und mit dem verschwundenen Enno zu tun hatte. Genau der richtige Mix für einen Cocktail aus Krimi und Sozialdrama also.
 

Zutaten und Mixtur stimmen

 
Und der zeigt sich hier kräftig gemixt und gelungen zubereitet. Christoph Darnstädt als Drehbuchautor hat schon in den Tschiller-Krimis mit Til Schweiger bewiesen, dass er weiß, wie man es macht. Ein schwules Paar und ein Problemschüler als Quasi-Familie – da muss doch noch mehr gewesen sein, oder? Der Plot offenbart Stück für Stück die Vergangenheit und behält dabei immer noch genug zurück, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers bis zum Schluss zu fesseln.
 
Vanessa Jopp auf dem Regiestuhl inszenierte das Geschehen in ruhigen, aber fesselnden Bildern, wobei sie von Judith Kaufmann hinter der Kamera wirkungsvolle Unterstützung bekommt: Der Zuschauer hat stets das Gefühl, als Fliege an der Wand dabei zu sein. Und Jens Harzer beweist wie schon im Wiesbadener "Tatort"-Beitrag „Es lebe der Tod“, dass er schauspielerisch zur ersten Garde gehört. Der Neustart des Berliner "Tatort" macht sich nach den allzu verwickelten ersten vier Folgen deswegen besonders gut. 


 
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