E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 21°C

TV-Kritik: Tatort „Die robuste Roswita“: Weimar wieder toll in Form!

Schwarzer Humor vom Feinsten, viel Lokalbezug und so überzeugende wie treffend besetzte Figuren: Diese Krimi-Komödie ist ein Muss.
Foto: ARD Foto: (WDR Presse und Information/Redak) Foto: ARD
Frankfurt. 

So kulinarisch war ein TV-Krimi schon lange nicht mehr. Da geht es nicht nur in der Geschichte selbst um Knödel, „Soßkloß“, Kartoffelmafia,  um Menschen, die zusammengehören wie Kloß und Soß. Da wird auch schon im Vorspann gezeigt, wie Kartoffeln in der Fabrik geschält und bearbeitet werden. Das Ergebnis der Arbeit landet dann in einer gigantischen Maschine zum Zerkleinern und Schockfrosten. Und von da aus auf einem Teller oder in einem Hundemagen.

Bei Letzterem handelt es sich um die zerkleinerten Überreste von Christoph Hassenzahl, Chef der gleichnamigen Kloßmanufaktur. Die Überreste Hassenzahls stammen aus verunfallten Transporter mit der Aufschrift der Firma, was das Ermittler-Ehepaar Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) in die Werkshallen führt. Dort begegnen sie auch der gestrengen Vorarbeiterin Cordula Remda-Teichel (Christina Große).

Die Klofrau mit Vergangenheit

Die Vorarbeiterin ist der Polizei keine Unbekannte: Jahre zuvor verschwand Hassenzahls Ehefrau Roswita (Milena Dreißig) spurlos, und Kommissariatsleiter Kurt Stich (Torsten Merten) verdächtigte die Frau, in Roswitas Verschwinden verwickelt gewesen zu sein. Doch plötzlich steht die Verschwundene in der Tür. Sie will jahrelang ihr Gedächtnis verloren und als Klofrau gearbeitet haben. Einen anderen Mann hat sie mittlerweile auch. Jetzt erinnert sie sich plötzlich wieder an Vieles.

Kann das stimmen? Nach einem bemerkenswerten formalen Experiment und einigen Politkrimis in Folge offeriert „Die robuste Roswita“ als Sonntagskrimi das totale Kontrastprogramm: Eine kunstvoll verschachtelte Krimi-Komödie mit sehr viel Lokalkolorit, Wortwitz und wunderbar schwarzem Humor. Nach den Durchhängern „Der wüste Gobi“ und „Der kalte Fritte“ zeigt sich der Weimarer „Tatort“ wieder richtig stark.

Ein mörderisches Paar

Und das kommt nicht nur von den durchweg gelungenen Pointen und den mit Christina Große – die nach „Waldlust“ und „Sonnenwende“ hier ihren dritten „Tatort“-Auftritt in diesem Jahr absolviert – und Nicki von Tempelhoff so treffend besetzten Nebenrollen. Von einem ernsthaften Krimi kann zwar keine Rede sein. Es gibt viele schräge Szenen und sogar herrliche Reminiszenzen an den parodistischen Ritterfilm „Der Hofnarr“ und zugleich an „Die Ehre der Prizzis“, als sich ein böses Paar gegenseitig ins Jenseits meuchelt.

Wie in den bisher besten Weimarer Krimis „Der treue Roy“ und „Der scheidende Schupo“ lässt das Drehbuch aber auch Raum für einen Hauch von Tragik in den Figuren. Es geht auch um Vereinsamung und die Angst, einen geliebten Menschen nicht behalten zu können. Die Geschichte hält die Balance zwischen Witz und dem – angedeuteten – Drama ziemlich gut. Und  liefert damit richtig gute Unterhaltung.

"Die robuste Roswita" ist in der ARD-Mediathek zu sehen.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen