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TV-Kritik: Tatort "Dunkle Zeit": Hochpolitisch

Von Ein Attentat auf ein Aushängeschild einer rechten Partei bringt die Polizei in Misskredit. Bei Ermittlungen stößt Thorsten Falke auf ein hochexplosives Gemisch aus Politik, Sex und Ehrgeiz.
Julia Grosz (Franziska Weisz) und Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) schwant nichts Gutes. Foto: (NDR Presse und Information) Julia Grosz (Franziska Weisz) und Torsten Falke (Wotan Wilke Möhring) schwant nichts Gutes.

Es geht in Wirklichkeit natürlich um die AFD und den zunehmenden Rechtspopulismus,  wenn Nina Schramm (Anja Kling), Parteivorsitzende der rechtspopulistischen DNP, und ihr Ehemann Richard (Udo Schenk) in diesem "Tatort" von linken Aktivisten bedroht werden. Regisseur und Autor Niki Stein macht die politische Dimension sein Thema schon in den ersten Sekunden deutlich, wenn Donald Trump, Idol vieler AFD-Wähler, in einem Video der Linksaktivisten im Fadenkreuz erscheint. 

Hauptkommissar Thorsten Falke  (Wotan Wilke Möhring) macht aus seiner Abneigung gegen die Partei keinen Hehl, als er sich um den persönlichen Schutz der Schramms kümmern soll. Nach einem Mordanschlag auf Nina Schramms Ehemann Richard (Udo Schenk) ermitteln und sticht dabei in ein Wespennest. In rechten Netzwerken wird der Polizei vorgeworfen, nicht genügend für den Schutz der Rechtspopulisten getan zu haben.

Eine Frau mit Wirkung

Aber Falke und seine Kollegin, Oberkommissarin Julia Grosz (Franziska Weisz), stoßen bald auf Ungereimtheiten: Nina Schramm ist sich ihrer Wirkung schon sehr bewusst und alles andere als die selbstlose Kämpferin, als die sie sich darstellt. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die militante Paula (Sophie Pfennigstorf) und Vincent Mark (Jordan Dwyer) und der Blogger Peter Roman (Wilfried Hochholdinger).

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Niki Stein blendet in seinen "Tatort"-Krimis die sozialkritischen Dimensionen seiner Stoffe niemals aus, und nicht immer gelingt ihm das mit befriedigendem Ergebnis. Während "Der Inder" den Streit um Stuttgart 21 zwar unnötig verwirrend, aber mit einigen sehr schönen Knalleffekten in der Handlung thematisierte, scheiterte "HAL" an der allzu futuristischen Dimension der Geschichte: Ein Computerprogramm mit wechselnden Gesichtern kann nun einmal einen menschlichen Gegenspieler der Polizei nicht ersetzen.

Deutlich besser als "HAL"

Da hilft auch keine noch so ausgeklügelte Optik in Anlehnung an Stanley Kubricks "2001". Hier gelingt Stein die Umsetzung aber schon besser. Er bezieht zwar Stellung, bleibt aber in der Auseinandersetzung mit den Parolen der DNP aber rein sachlich. Der Gefahr, einen Thesenfilm zu machen, war sich Stein zum Glück bewusst: Er hat auch den Krimi-Aspekt der Geschichte nicht vernachlässigt und speziell mit der sehr facettenreich spielenden Anja Kling einen echten Glücksgriff getan.

Eher in Richtung "Der Inder" als an "HAL" hat sich Stein auch in Sachen überraschende Wendungen und Tempo orientiert. Wobei schon durch das spröde Verhältnis zwischen Falke und Grosz eine gewisse Grundspannung gewahrt bleibt. Das Waffenfinale auf der Fähre zeigt sich schnörkellos wie der ganze Krimi. Die Zeiten, in denen sich dabei ausgerechnet ein cooler "Tatort"-Kommissar wie Thorsten Falke mit Zigarette präsentieren muss, sollten allerdings längst vorbei sein. Auch wenn in diesem Film ganz andere Dinge wichtig sind.


 

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