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TV-Kritik: Tatort "Familien": Weitschweifig und dennoch gut

Im neuen "Tatort" aus Köln gibt es für Freddy mal ein neues Beförderungsmittel. Und für die Geschichte am Ende eine überraschende Auflösung.
Freddy Schenk (Dietmar Bär, l.) und ein Kollege müssen eingreifen: Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig, 2. v.r.), Charlottes Großvater und Vater von Ines Ritter (Nicole Marischka, hinten), rastet aus. Bild: WDR/Thomas Kost Foto: (WDR Presse und Information/Redak) Freddy Schenk (Dietmar Bär, l.) und ein Kollege müssen eingreifen: Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig, 2. v.r.), Charlottes Großvater und Vater von Ines Ritter (Nicole Marischka, hinten), rastet aus. Bild: WDR/Thomas Kost
Frankfurt. 

Muss sich der Zuschauer um Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) Sorgen machen? Sonst lenkt Freddy doch immer dicke US-Wagen durch Köln, aber jetzt hat ihn das Drehbuch in ein vergleichsweise mickriges VW Golf-Cabrio gesetzt. Und das, wo er doch im vorletzten Fall "Bausünden" Anfang dieses Jahres schon mal ein deutsches Auto – damals eine Mercedes S-Klasse - fahren musste.

Den "Tatort" verpasst? Hier ist der Link zur Mediathek

Ein schöner Gag ist das schon. Oder sind mittlerweile nicht mehr viele Ami-Schlitten übrig, die Freddy noch fahren könnte? Das könnte man pessimistisch als schlechtes Zeichen für den Fortbestand der Reihe interpretieren. Dass Freddy sich neben dem eigentlichen Fall immer wieder darum sorgen muss, wie er sich mit seiner frustrierten Ehefrau wieder versöhnt, ist nämlich auch nicht so der Brüller. Zum Glück kann aber wenigstens der Fall überzeugend.

Junggesellenabschied als letztes Vergnügen

Zumindest halbwegs. Erst wird ein Mann totgefahren, der gerade mit Kumpels seinen Junggesellenabschied ausgiebig gefeiert hat. Er hatte eine Tasche mit viel Geld bei sich: Wie er an den Schatz kam, finden Ballauf und Schenk bemerkenswert schnell heraus. Wie auch den Mann, der das Geld in dem Mülleimer platzierte und warum er das tat: Rainer Bertram (Hansjürgen Hürrig), ein erfolgreicher Anwalt, wird erpresst.

 

Wie es aussieht, wurde seine Enkelin Charlotte entführt. Nervlich geht die Familie seitdem auf dem Zahnfleisch, und auch Charlottes Freund Kasper Fröhlich (Anton von Lucke) gibt Anlass zur Sorge. Seine Mutter pichelt weit heftiger, als ihr guttut. Und als die Polizisten herausfinden, warum, rückt das den ganzen Fall in ein komplett neues Licht. Zumal in der Familie Charlottes auch sonst viel unter der Decke gehalten wird.

Die Auflösung und andere Stärken

Besonders zwischen ihren Eltern Ines (Nicole Marischka) und Ludwig Ritter (Harald Schrott). Was der Geschichte am Ende eine sehr spezielle Auflösung gibt. Und die fällt sogar genügend überraschend aus, dass sie über einige Schwächen des Plots hinweghilft. So richtig durchgehend überzeugen will der Sonntagskrimi nämlich nicht. Arg weitschweifig und nicht immer glaubwürdig erscheinen die Hintergründe der verschwundenen Charlotte und ihres Freundes Kasper angelegt.

Das bremst das Erzähltempo mitunter merklich. Immerhin passen die einzelnen Geschichten der Figuren aber ganz ordentlich zusammen.  Auch machen Anton von Lucke und Hansjürgen Hürrig wie auch die anderen Gastschauspieler ihre Sache ziemlich gut.  Am Dialogwitz mit dem bemerkenswert gefräßig gezeichneten neuen Assistenten Norbert Jütte (Roland Riebeling) gibt es ebenfalls nichts zu meckern.

Und das intensive Kölner Lokalkolorit verleiht der Handlung gegen Ende sogar noch einmal eine gewisse Authentizität und richtig Schwung. Eine kompaktere und näher an den Hauptfiguren orientierte Story hätte deswegen "Familien" sogar zu einem richtig starken "Tatort"-Beitrag aus Köln gestalten können. So ist es immerhin ein ganz ordentlicher Sonntagskrimi geworden.

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