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TV-Kritik: "Tatort - Land in dieser Zeit": Rechtsradikal ohne Riefenstahl

Von Der neue Frankfurter "Tatort" bietet zwar intensives Lokalkolorit, der Rest fällt aber zwiespältig aus. Was das Beste daran ist:
Hauptkommissar Paul Brix (Wolfram Koch, links), Hauptkommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) und Fosco Cariddi (Bruno Cathomas). Foto: Bild: HR/Degeto/Bettina Müller Hauptkommissar Paul Brix (Wolfram Koch, links), Hauptkommissarin Anna Janneke (Margarita Broich) und Fosco Cariddi (Bruno Cathomas).
Riefenstahl ist weg. Ja, genau der Henning Riefenstahl, der in bisher vier Tatorten von Schauspieler Roeland Wiesnekker verkörpert wurde. Wohin es den alten Chef von Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) verschlagen hat, bleibt unklar, wie auch am Ende die Lösung dieses Falles. Eine Vermutung: Ein Polizeichef mit dem Familiennamen einer Filmemacherin, die im Dritten Reich eine bedeutende Rolle für die NS-Propaganda spielte, war ja von Anfang an etwas schräg – milde gesagt. Sowas passte aber erst Recht nicht mehr in eine Geschichte, die sich um Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit dreht.
 
Hat Wiesnekker was verpasst? In den bisherigen Episoden aus Frankfurt wirkte er mit Ausnahme von "Die Geschichte vom bösen Friederich", bisher die mit Abstand beste, immer total unterfordert. Der fünfte Fall dreht sich um eine Leiche in einem ausgebrannten Friseursalon. Durch das hingeschmierte "Kill all Nazis" ergibt sich ein Hinweis für Janneke und Brix: Zwischen der Toten, einer Auszubildenden, ihrer Kollegin Vera Rüttger (Jasna Fritzi Bauer) und einigen Afrikanern scheint es eine Auseinandersetzung gegeben zu haben.
 

Fan von Ernst Jandl als Chef

 
Warum hat sich die Tote noch so spät im Laden aufgehalten? Was haben die Leute vom Kiosk gegenüber beobachtet? Vera Rüttger hat Verbindungen in die rechtsextreme Szene und vertritt die Ansicht, verschiedene Ethnien sollten sich nicht mischen. Statt Riefenstahl tritt ein neuer Chef auf, kurz nach der Mitternachtsstunde: Fosco Cariddi  (Bruno Cathomas), der sich vor allem von dem Dadaisten Ernst Jandl begeistert zeigt. Eine reichlich skurrile Figur, da er dessen Verse bei jeder unpassenden Gelegenheit vorträgt. Und Brix‘ Freundin Fanny (Zazie de Paris) hat Flüchtlinge bei sich einquartiert.

Tatort verpasst? Hier geht es zur Mediathek

Es gibt also einiges zu bewältigen für die Frankfurter Fahnder, und schon die reichlichen Musikeinlagen wecken ungute Erinnerungen: Die gab es nämlich auch in "Auf einen Schlag", jenem schauderhaften Dresden-"Tatort". Ganz so grausam ist "Land in dieser Zeit" allerdings nicht geworden. Die Geschichte wackelt allerdings oft unentschlossen zwischen Musikeinlagen, verquaster Komik, Nazi-Klischees - es darf auch einmal geheilhitlert werden – und nicht immer nachvollziehbaren Ermittlungsschritten hin und her. Warum soll denn ein Drogendealer keinen Kakao trinken?!
 

Das Beste: Margarita Broich

 
Zu den Stärken gehört der im Vergleich zum extrem lahmen Vorgänger "Wendehammer" knalligere Anfang und jede Menge Lokalkolorit aus der Main-Metropole. Es ist aber vor allem Margarita Broich, die der Geschichte trotz ihrer Schwächen eine gewisse Tiefe verleiht. Ihre sanfte und einfühlsame Ausstrahlung, verbunden mit leisem Vorwurf und einer oft beschwörenden Art zu reden, gibt der Geschichte einfach einen gewissen Sog. Dass der Tatort auf eine Lösung des Falles verzichtet, ist kein Nachteil. Das offene Ende hat er mit dem vorletzten Münchner Fall "Die Wahrheit" gemeinsam.
 
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