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TV-Kritik: "Tatort - Narben": Am Ende grotesk schwach

Von Der Schluss dieses Kölner Krimis funktioniert überhaupt nicht. Warum der Film aber dennoch das Anschauen lohnt.
Die Witwe Vivien Wangila (Anne Ratte-Polle) kann mit Waffen wie einem Bogen umgehen. Hat sie ihren Mann mit einem Messer erstochen? Foto: WDR/Uwe Stratmann Die Witwe Vivien Wangila (Anne Ratte-Polle) kann mit Waffen wie einem Bogen umgehen. Hat sie ihren Mann mit einem Messer erstochen?
Schon diverse Male hat sich auch der "Tatort" des Flüchtlingsthemas angenommen. Die Ergebnisse waren indessen oft, milde ausgedrückt, gewöhnungsbedürftig: Mal verhedderte sich die Handlung in einer endlosen Kette schwacher Szenen und grotesker Ungereimtheiten ("Die Feigheit des Löwen"), dann wieder durfte bei der Lösung eines Falles ein Migräne-Anfall des Kommissars eine wichtige Rolle spielen ("Schutzlos"). Beim bisher letzten Beitrag zum Thema agierte der Stuttgarter Fahnder Thorsten Lannert (Richy Müller) gar durchgehend wie ein kompletter Idiot ("Im gelobten Land").
 
Doch siehe da, es geht auch anders, wie der neueste Beitrag aus Köln beweist. Zu Beginn stirbt der aus dem Kongo stammende Arzt Dr. Patrick Wangila durch Messerstiche in einem Parkstück, nachdem er kurz zuvor seine Arbeitsstätte in einer Klinik verlassen hatte. Wangila war mit Vivien (Anne Ratte-Polle) verheiratet, hatte aber kurz vor seinem Tod noch Verkehr. War es eine Beziehungstat? Neonazis? Oder hatte eine übereifrige Polizeitruppe etwas mit der Tat zu tun? Kurz zuvor war eine Kongolesin bei einem Einsatz der Truppe im Asylheim zu Tode gekommen.
 

Ein Arzt als Schwerverbrecher

 
Doch die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) finden mit Hilfe ihres Assistenten Tobias Reisser (Patrick Abozen) heraus, dass Wangila und sein Bruder Théo (Jerry Kwarteng) keineswegs unschuldige Flüchtlinge, sondern Führer einer Rebellengruppe und Schwerverbrecher waren. Und dass es da eine Frau gibt, die alles bezeugen kann: Sie hat Wangila ebenso wie die tödlich abgestürzte Kongolesin auch in der fraglichen Nacht im Asylheim gesehen. Doch wo ist sie jetzt?

Tatort verpasst? Hier geht es zur Mediathek
 
Und wer wird sie zuerst finden, Théo Wangila oder Ballauf und Schenk? Bis etwa zwanzig Minuten vor dem Abspann entwickelt sich die Geschichte recht ordentlich. Das Drehbuch thematisiert den Bürgerkrieg im Kongo sehr ausführlich und geht umfangreich auf die Geschichten der beiden Frauen ein. Die Ermittler halten sich dafür mit ihren Privatgeschichten bis auf eine kleine Liebelei Ballaufs zurück, und die Anzahl der Verdächtigen bleibt samt ihren Verstrickungen stets schön überschaubar.

 
Der Schluss ist eine Enttäuschung

 
Freddys obligatorischer Oldtimer ist diesmal ein klassischer Jeep Wagoneer mit Holzbeplankung. So was bietet immer auch was fürs Auge. Leider geht der gute Eindruck gegen Ende dann aber den Bach runter. Eine trinkende Ärztin als weitere Verdächtige wäre nicht nötig gewesen. Dass eine Frau ihr Haus betritt und dabei trotz der Scherben auf dem Boden, in die zwingendermaßen hätte treten müssen, nicht den Einbruch bemerkt, erscheint extrem unglaubwürdig. Und der Showdown will gar nicht überzeugen.
 
Warum gibt Ballauf nicht erst einen Warnschuss ab? Der "Tatort" ist zwar nicht zuletzt auch deswegen gut, weil er den Blick auf einen im Rest der Welt nur wenig bekannten Konflikt in Afrika lenkt. Es sind jedoch die letzten zwanzig Minuten, welche die Spannung in dem bis dahin recht starken Fall empfindlich schmälern. Und das wäre nicht nötig gewesen. Gemessen an den eingangs erwähnten extrem schwachen Vorgängern stellt "Narben" aber tatsächlich so was wie einen echten Lichtblick dar.
 
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