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TV-Kritik: "Tatort: Sturm": Der große Schwachsinn

Von Wohl selten hat ein "Tatort" schon vorher so viel Staub aufgewirbelt. Aber nicht nur daran gemessen fällt das Ergebnis ziemlich bescheiden aus.
Nicht weit entfernt vom Tatort entdeckt Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) ein Büro, in dem spät in der Nacht gearbeitet wird. Foto: Bild: WDR/Frank Dicks Nicht weit entfernt vom Tatort entdeckt Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) ein Büro, in dem spät in der Nacht gearbeitet wird.

Das ist er also, der Terror-"Tatort". Ursprünglich für Neujahr 2017 angekündigt und wegen des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt verschoben. Eine solche Maßnahme weckt natürlich erhebliche Erwartungen. Auch und speziell in Sachen Hochspannung. Die der Film durchaus auch einlösen will. Die Streitereien zwischen den Fahndern Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) etwa sind diesmal nur wenig präsent.
 
Seine Geschichte erzählt der Film fast in Realzeit. Sie beginnt mit dem kaltblütigen Mord an zwei Polizisten in der Innenstadt. Eine Schachtel führt Kommissar Faber zu einer nahen Bank. Durch die Fensterscheiben beobachtet er einen Mann am Schreibtisch. Er informiert seine Kollegin Martina Bönisch. Nach einem Klopfen an die Scheibe schlägt Faber das Fenster ein und dringt in die Bank ein. Der geschockte Mann zeigt ihnen daraufhin, dass er eine Sprengstoffweste trägt. Er droht damit, sich und die Fahnder in die Luft zu sprengen.
 

Vermeintlicher Attentäter ist selbst ein Opfer

 
Faber legt seine Waffe weg und beginnt ein Gespräch mit Mohammad Hövermann (Felix Vörtler). Dabei gibt er immer wieder Informationen an seine Kollegen vom LKA und SEK weiter. Hövermann; der zum Islam konvertierte, tätigt Überweisungen und verschiebt erhebliche Geldbeträge an verschiedene Banken, möglicherweise zugunsten von terroristischen Gruppen. Fabers Kollegen teilen sich währenddessen draußen wegen der unklaren Lage die Arbeit untereinander auf.

Tatort verpasst? Hier geht es zur Mediathek
 
Sie suchen Muhammads Ehefrau Hanifah (Dorka Gryllus) und Bernhard Hövermann (Christian Ehrich) auf, die versuchen sollen, Hövermann von einer möglichen Tat abzubringen. Doch als Hövermann Kommissar Faber gegenüber offenbart, dass die Sprengweste per Fernzündung ausgelöst werden kann, ändert sich die Lage schlagartig. Gemacht ist das im Prinzip zwar nicht schlecht. Die Kamera geht meist sehr nah an die Protagonisten heran.
 

Die innere Logik fehlt

 
Auch sonst erhält der Zuschauer durch die optische Gestaltung mit anrasenden Autos, Sirenen und Blaulicht den Eindruck, selbst mitten im Geschehen zu stehen. Nur: Das Szenario mit dem Kommissar, der mit einem Mann, den er zu diesem Zeitpunkt noch für einen entschlossenen Selbstmordattentäter halten muss, in einem Raum bleibt und sehr bald anfängt, ihn mit ziemlich provokativen Sprüchen zu reizen, erscheint schon sehr bemüht. Der "Tatort"-Krimi "Fegefeuer" variierte "Stirb langsam" deutlich geschickter. Hier funktioniert es nicht. Und es ist nicht nur dieses abgenutzte Klischee vom Kommissar im Alleingang, das hier stört.

Faber verhält sich grundlos unprofessionell und behindert seine Kollegen, die mit dem Betäubungsgas nicht zum Zug kommen. Sein dauerndes Telefonieren und seine flapsige Art strapazieren die Glaubwürdigkeit noch mehr. Das Ganze zieht sich und nervt sehr bald, aber Nervenkitzel will nicht aufkommen. Der zweite Handlungsstrang mit Pascal "Jihad" Tauber macht es auch nicht besser, im Gegenteil. Weder die Konvertierung noch die Radikalisierung sind ansatzweise nachvollziehbar. Einige wilde Brüllszenen sollen dabei aber wohl psychotische Defekte verdeutlichen.

Das Beste: der große Knall am Schluss

 
Auch Hövermann darf zu Beginn mal ziemlich unmotivierte Laute von sich geben, was aber ebenfalls ziemlich grotesk rüberkommt. Ein wenig Zunder bekommt die Geschichte nur durch die sehr gut spielende Dorka Gryllus und die schwere Verletzung Kossiks, der durch die katastrophale Beziehung zu seiner Kollegin Nora Dalay ohnehin als potentielles Opfer erscheint. "Sturm" soll der letzte Auftritt Stefan Konarskes im Dortmunder "Tatort" sein. Der Schauspieler will sich künftig auf andere Rollen konzentrieren. Eine Entscheidung, die angesichts der Qualitäten dieses Films begreiflich wird.

Am Ende kommt es dann endlich zum großen Knall, den die Pyrotechniker in der Tat eindrucksvoll gestaltet haben. Vom Drehbuch lässt sich das leider nicht sagen: Der Täter darf zuvor nämlich noch aus einem mehrfach von Kugeln getroffenen Auto aussteigen und trotz mehrerer Polizisten, die mit der Waffe im Anschlag vor ihm stehen, ziemlich lange den Zünder in die Luft halten, fanatisch lächeln und "Allahu Akbar!" von sich geben, bevor er den Zünder betätigt. Himmel hilf!
 

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