Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Titelbild Mainova Marathon Laufsport - alles rund um den Mainova IRONMAN Frankfurt 2017 Frankfurt am Main 30°C
1 Kommentar

TV-Kritik: "Tatort – Wehrlos": Nur Neuhauser macht ihn sehenswert

Grotesk unglaubwürdige Details und stümperhaft agierende Ermittler: Die Schauspielerin hat hier ziemlich viel rauszureißen.
Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sucht Ausbilder Thomas Nowak (Simon Hatzl) und die Polizeianwärterin Katja Humbold (Julia Richter) auf. Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sucht Ausbilder Thomas Nowak (Simon Hatzl) und die Polizeianwärterin Katja Humbold (Julia Richter) auf.
Bis jetzt haben sich die zwei ja eigentlich ganz gut vertragen, die Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und der Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer). Doch hier fliegen schon bald die Fetzen: Ihr Kollege geht nicht ans Telefon, als Bibi Fellner versucht, ihn zu erreichen. Was daran liegt, dass er nun auch eine Freundin hat. Und das macht die Majorin ziemlich fuchtig: Weniger aus Eifersucht auf Eisners Freundin, sondern auf sein Glück. Und dass es bei Auseinandersetzungen auch immer mal wieder um ihre Vergangenheit als Alkoholikerin geht, macht die Sache natürlich auch nicht besser.

Film verpasst? Hier geht es zur Mediathek!

Dabei ist der Fall schon kompliziert genug: Der Leiter einer Polizeischule wird erschossen aufgefunden, seine Ehefrau liegt mit gebrochenem Genick im Haus. Erst sieht alles nach einem Ehedrama mit Mord und anschließenden Selbstmord aus, aber das der Tote sich nur mit einer Hand erschossen haben soll, passt ebenso wenig ins Muster solcher Verzweiflungstaten wie der Schuss durch die Kleidung. Und das Projektil im Körper des Toten stammte nicht aus dessen Waffe. Brisant dabei: Es handelte sich um eine Spezialmunition, die eigentlich nur innerhalb der Polizei verwendet wird.
 

Eine ganz schwache Drehbuch-Idee

 
Bibi Fellner lässt sich deswegen  nach einem erneuten und diesmal inszenierten Streit mit ihrem Kollegen Eisner als Leiterin an die Polizeischule versetzen, um dort heimlich zu ermitteln. Und autsch, nein, das ist ganz und gar keine gute Drehbuch-Idee. Eine Polizistin, die unter ihrem richtigen Namen als Chefin quasi Undercover ermitteln will, das ist so grotesk alogisch, dass es allein schon fast den ganzen Krimi zum Kippen bringt.  Erschwerend kommt hinzu, dass Bibi Fellner hier auch noch durchweg ziemlich schwachsinnig agiert.

So meldet sie sich zu Beginn unter ihrem richtigen Namen bei einem Dating-Portal an. Später setzt sie  sich unter Alkoholeinfluss ans Steuer. Und dann gibt sie sich auch noch eine massive Blöße, als der fiese Ausbilder Thomas Nowak (Simon Hatzl) ihre Online-Partnersuche ausdruckt und ans Schwarze Brett der Polizeischule hängt. Anstatt es einfach zu entfernen, macht sie ihm eine Szene – und gibt ihm Gelegenheit, sie erneut vor versammelter Mannschaft zu demütigen.
 

Reichlich blöde Ermittler

 
Kollege Manfred „Fredo“ Schimpf (Thomas Stipsits) macht es aber auch nicht besser: Schläft bei einer Observation ein und verursacht dadurch eine Katastrophe. Dieser "Tatort" macht echt Bauchweh. Lieber Himmel, wie strohdoof müssen Polizisten denn in der Krimi-Reihe noch agieren? Zumal sich der Wiener "Tatort" hier nicht in Hochform zeigt. Es knirscht in Sachen Plausibilität an allen Enden, der kriminalistische Teil kommt nur schwer in die Gänge.

Zu meckern gibt es auch sonst ziemlich viel: Die Polizeischüler bleiben blass, die Täterin ebenso. Und der sadistische Ausbilder zeigt sich ziemlich eindimensional angelegt: Man betrachte mal im Vergleich dazu den von Herbert Knaup gespielten Knastchef in "Freigang", wo es ebenfalls um einen allerdings weit glaubwürdiger angelegten Undercover-Einsatz in einem Gefängnis geht.
 

Einziger Lichtblick: Adele Neuhauser

 
Am Ende ging es dann um Videoszenen, die aussehen wie aus Pasolinis letztem Film "Die 120 Tage von Sodom". Es liegt also alles auf den Schultern von Adele Neuhauser, die allerdings eine beeindruckende schauspielerische Leistung hinlegt und ihre Bibi Fellner als intensive Studie in Sachen Verletzlichkeit gestaltet. Wegen ihr lohnt sich der Wiener "Tatort" am Ende auch gerade noch, trotz massiver Schwächen.
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse