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TV-Kritik: Tatort: "Zahltag" - So was von öde!

Oh weh, das war diesmal wirklich gar nichts: Warum im Dortmunder "Tatort" ein Rockerkrimi zum Rohrkrepierer wird.
Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, re.) trifft auf Luan Berisha (Oliver Masucci) im berüchtigten Dortmunder Motorradclub "Miners". Foto: WDR/Thomas Kost Kommissar Peter Faber (Jörg Hartmann, re.) trifft auf Luan Berisha (Oliver Masucci) im berüchtigten Dortmunder Motorradclub "Miners".

 
Daran muss man sich als Krimi-Fan natürlich erst mal gewöhnen, an dieses merkwürdige Team aus vier Ermittlern, für die Jagd auf Verbrecher eigentlich Nebensache sind. Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Schudt), Nora Dalay (Aylin Tezel) und Daniel Kossik (Stefan Konarske) sind nämlich vor allem damit beschäftigt, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen ("Hundstage") oder sich ein Dienstaufsichtsverfahren anzuhängen – so wie hier. Aber na schön, im Dortmunder "Tatort" ist das halt so.
 
Deswegen bekommt hier nicht nur die Polizei, sondern auch Milan Peschel als interner Ermittler zu tun. Und darf allen Beteiligten ausgiebig Fragen über die gegenseitige Zusammenarbeit stellen – und über Einzelheiten zum Fall "Kollaps", der vor knapp einem Jahr über die Mattscheiben flimmerte. Wer den nicht gesehen hat oder sich sich als Zuschauer nicht mehr so recht daran erinnern kann, hat schlechte Karten. Wer anhand des eigentlichen Falls, der im Rocker-Milieu stattfindet, einen rasanten Actionreißer mit einem Hauch von "Mad Max" erwartet, noch mehr.
 

Der Rockerboss frisch aus dem Knast

 
Im Hauptfall geht es diesmal um Biker-Boss Thomas Vollmer (Jürgen Maurer), der gerade frisch aus dem Knast kommt. Und von seinen engsten Freunden der "Miners" mit röhrenden Maschinen vor der JVA erwartet wird. Dabei rückt Luan Berisha (Oliver Masucci) in den Vordergrund, und man ahnt schon: Der wird Ärger machen. Kurz danach wird ein Rocker auf dem Motorrad angefahren und bekommt seinen Rucksack abgenommen. Dummerweise wehrt er sich mit der Pistole und löst damit eine Schießerei aus, die nicht nur ihn das Leben kostet.
 
Hintergrund sind interne Auseinandersetzungen in der Rockergang, die ein wenig so verlaufen wie auch die Querelen unter den Polizisten. Die Parallelen bestehen in einem alten Hasen – hier Faber, dort Vollmer - den die Jüngeren in der Gruppe wegbeißen wollen. Bei den Rockern geht es um Mafia-Kontakte, Scheinfirmen und Geldwäsche im großen Stil und einen älteren Herrn, der sich einnässt. Aber kaum um Spannung, die man bei dem Thema und dem noch ganz passablen Anfang eigentlich erwarten würde. Und auch optische Reize durch jede Menge heiße Öfen sucht der Zuschauer überwiegend vergebens.
 

Wieder reichlich Bier und Schnaps

 
Ständig rankt sich die Handlung nämlich um das Stochern in der Vergangenheit und immer wieder um Faber und sein Verhältnis zu seinen Kollegen. Und wie spielt sich Letzteres ab? Nach altbekanntem Muster. Genauer gesagt, es darf mal wieder kräftig gebechert werden. Merke: In einem „Tatort“-Krimi kann sich ein Polizist offenbar schon lange nicht mehr einfach mal so nach Dienstschluss ein Bierchen oder einen Schnaps genehmigen.
 
Deutsche TV-Kommissare müssen komischerweise meistens ein Alkoholproblem haben, wenn sie mal ein Glas in der Hand halten. Wohl um sich den Film schön zu saufen – hier ist das allerdings verständlich: Durch seine verschachtelte Erzählstruktur mit mehreren Handlungssträngen, die wenig pointierten Dialoge, den schwach erzählten Hauptteil, die überwiegend verbal vermittelten Hintergründe und das öde Kollegen-Gezerre entwickelt sich der Film nämlich zu einem veritablen Langweiler.
 
Sehr bald nach der Schießerei – und das zeigt die Mängel dieses Krimis besonders deutlich – interessiert auch die Rockergruppe und ihre Auseinandersetzungen nicht mehr.  Von einem guten „Tatort“ erwartet man ja doch auch eine gehörige Portion Nervenkitzel. „Zahltag“ nervt aber bloß, und das kräftig. Hier hilft wirklich nur noch eine gemeinsame Zusammenarbeit mit einem anderen „Tatort“-Team. Nick Tschiller, komm doch mal auf einen Sprung nach Dortmund und zeig deinen Kollegen dort, wie man einen starken Krimi macht!
 
Der Film in der Mediathek

 

 
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