E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 30°C

TV-Kritik: "Teufelsmoor" in der ARD: Unbedingt ansehen!

Von Für Fans des Genres "Gruselfime aus dem Moor" genau richtig: Unser Kritiker sagt, hinter dem verheißungsvollen Titel steckt schon jetzt einer der besten Filme dieses Fernseh-Jahres. Unbedingt ansehen.
Die Vergangenheit holt Inga (Silke Bodenbender) im Fernsehfilm Teufelsmoor ein. Foto: NDR/Degeto/Oliver Feist Die Vergangenheit holt Inga (Silke Bodenbender) im Fernsehfilm Teufelsmoor ein.

Wenn eine Geschichte im Moor spielt, wird es gruselig. Besonders, wenn das Moor schon im Titel auftaucht: etwa in "Die Tote im Moorwald", dem maßlos unterschätzten "Das Mädchen aus dem Totenmoor" oder eben hier, wo der Titel so schlicht wie nett reißerisch "Teufelsmoor" lautet.

Meist geht es dabei um lange Zurückliegendes und Verborgenes, denn gerade im Moor kann man praktischerweise vieles verstecken. Und wenn man Pech hat, selbst darin versinken.

Hier können Sie den Film in der ARD-Mediathek ansehen.

"Teufelsmoor" verbindet diese Motive mit einer Geschichte, die von einer Frau geschrieben (Corinna Vogelsang) und von einer Frau inszeniert wurde (Brigitte Maria Bertele). Und sich am Ende auch im Grund als reine Frauengeschichte entpuppt: Die beiden Hauptfiguren sind Inga Hauck (Silke Bodenbender)und Anna Kertesz (Bibiana Beglau), zwei auf sehr gegensätzliche Art attraktive Kontrahentinnen. Blass, verschlossen und verhärmt die eine, dunkel und unergründlich die andere.

Das unheimliche Wesen aus dem Moor

Nach dem Tod ihres Vaters trifft Inga in ihrem heruntergekommenen Elternhaus wieder auf Anna, ihre Ziehschwester. In Inga weckt die Begegnung alptraumhafte Erinnerungen, weil ihr jüngerer Bruder Magnus am gleichen Tag verschwand wie Annas Bruder Zoltan. Inga war damals nur wenig älter als Magnus.

Die schaurige Atmosphäre ist zum Schneiden dick: Traditionsumzüge in gruseligen Masken finden statt, es gibt Geschichten um ein unheimliches Moorwesen. Ingas alte und kranke Mutter, die im Heim lebt, hält ihren Enkel, Ingas Sohn, für den verschwundenen Magnus.

Am meisten leidet Inga aber unter der kalten Feindseligkeit, die sie im Dorf erlebt, besonders, als sie ihren verschwundenen Bruder für tot erklären lassen will, um das Erbe zu verkaufen. Dazu kommen Andeutungen, was ihr Vater erzählt haben könnte, wenn er betrunken war. Man sieht also: Corinna Vogelsang hat sich ordentlich was einfallen lassen, um den Zuschauer kräftig das Gruseln zu lehren. Und das ist ihr auch beachtlich gut gelungen.

Frauen und Gänsehaut

Dass sie die Motive ganz gut verbindet und dazu eine Geschichte von kindlichem Konkurrenzdenken und dem Kampf um Zuneigung erzählt, ist nur eine Stärke ihrer Geschichte. Als ebenso bemerkenswert zeigt sich, dass Vogelsang dabei ständig neue spannende Situationen aus dem Plot entwickelte und dass Brigitte Maria Bertele diese Ideen sehr schön umgesetzt hat.

Zusammen mit Sten Mendes Kamera und der Musik von Johannes Kobilke hat Bertele ihrem Film dadurch eine Atmosphäre lauernder Spannung verliehen, die auch bis zum Schluss nicht nachlässt. Dass ein Frauenfilm sich als ein so gut gemachter Cocktail aus Psychodrama und Gruselkrimi entpuppt – den man eher als ZDF-Montagsfilm denn als ARD-Mittwochsfilm erwartet hätte - blickt übrigens auf eine lange literarische Tradition zurück.

"Die Damen des Bösen" nannte der britische Anthologist Peter Haining seine antiquarisch noch erhältliche Sammlung victorianischer Schauergeschichten, die allesamt von Frauen geschrieben wurden. Die berühmteste Autorin in diesem Buch: "Frankenstein"-Schöpferin Mary Shelley.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen