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TV-Kritik: "Tief im Wald": Weit besser als der Vorgänger

Von Der zweite "Wolfsland"-Krimi profitiert nicht nur von der Jagd nach einem Serienmörder, sondern auch von Kommissarin Delbrücks Vergangenheit.
Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) begegnet vor dem Polizeirevier ihrem psychopathischen Ex-Mann Björn Delbrück (Johannes Zirner). Foto: MDR/HA Kommunikation Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) begegnet vor dem Polizeirevier ihrem psychopathischen Ex-Mann Björn Delbrück (Johannes Zirner).

Zum "Wolfsland" kommt jetzt also auch noch "Tief im Wald". Wer denkt da nicht ans Rotkäppchen, diese vielschichtige Märchenfigur zwischen unschuldiger Kindheit, dem Bewusstwerden der eigenen Sexualität und dem Anspruch Dritter? Der Wolf wäre hier in diesem Film ein Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Ein etwas verwirrt erscheinender Mann, der sich bei der Polizei meldet, hat ihn offensichtlich fotografiert, aber die Polizisten haben ihn ahnungslos wieder weggeschickt. Und jetzt ist es zu spät.

 

Ein Monat ist seit den Geschehnissen in "Ewig dein" vergangen, und die Kommissare Burkhard Schulz (Götz Schubert), genannt Butsch, und Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld) haben sich immer noch nicht aneinander gewöhnt. Aber nicht nur die Jagd nach dem Serienmörder hält die beiden in Atem, sondern auch Violas Noch-Ehemann Björn Delbrück (Johannes Zirner). Der taucht in Görlitz auf und schindet bei Kommissariatsleiter Ebertin (Andreas Schmidt) mächtig Eindruck mit seinem Fachwissen über Serientäter.

 

Sehr schön: Ein Helfer wird zur Bedrohung

 

Aber vor allem will sich der extrem eifersüchtige Psychopath wieder in das Leben seiner Frau drängen. Diese spannende Dreierbeziehung allein hebt schon "Tief im Wald" erheblich über das Niveau des Erstlings hinaus. Durch Björn Delbrücks Anwesenheit darf Butsch ganz neue Züge offenbaren und auch einmal eifersüchtig reagieren. Dass er sich daneben noch mit seiner pubertierenden Tochter auseinandersetzen muss, teilt er sich mit vielen TV-Kommissaren. Aber hier haben die Macher das nicht zuletzt durch gut pointierte Dialoge sehr ordentlich in die Handlung integriert.

 

Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn im Krimi-Genre eine Fortsetzung deutlich besser ausfällt als der Auftakt. Sind die Hauptfiguren samt sperriger Eigenheiten  erst einmal eingeführt, können die Macher sie ein Stück weit zurücknehmen und dafür mehr Gewicht legen auf den eigentlichen Fall. Und der hat es hier besonders deswegen in sich, weil sich das Psychopathen-Motiv in der Figur von Viola Delbrücks Ehemann in gewisser Weise gedoppelt hat. Viola fürchtet ihren Ehemann, aber seine fachliche Kompetenz kann sie nicht bestreiten.

 
Film verpasst? Hier geht´s zu "Tief im Wald" in der ARD-Mediathek

 

Handlungselemente im Gleichgewicht

 

Die Geschichte treibt diesen Aspekt neben der Mördersuche im Handlungsverlauf geschickt auf die Spitze. Einzelne Anflüge von Humor, die besonders die Kommunikation zwischen Butsch und Viola betreffen, zünden zwar, lockern den Fall aber nicht zu sehr auf. Drehbuch und Regie haben die schwierige Balance zwischen Witz und Krimi-Spannung sehr gut gehalten. Aus der Figur des Killers hätten sie aber schon ein wenig mehr herausholen können. Was dessen Motivation betrifft, wäre es möglicherweise sogar besser, sie im Dunkeln zu lassen.

 

Selbst Hitchcocks "Psycho", die Mutter aller Serienkiller-Filme, sackt am Ende erheblich ab, als Norman Bates‘ Vorgeschichte noch einmal ausgiebig zur Sprache kommt. Die sehr guten Schauspieler versöhnen aber mit dieser kleinen Schwäche. Yvonne Catterfeld verleiht ihrer Rolle etwas Undurchschaubares, und Götz Schubert blüht richtig auf, wenn er Butsch hin- und hergerissen zwischen Verachtung und erotischen Fantasien für seine Kollegin spielen darf.

 

Im Ergebnis ist "Tief im Wald" deswegen ein clever konzipierter Krimi geworden, der nicht nur seinen Vorgänger, sondern auch viele andere Donnerstagskrimis in der ARD locker schlägt. Eine Fortsetzung wäre wünschenswert.

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