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"Tod einer Legende": Bedenkliche Klischees

Von Nicht übel gemacht. Warum aber hier eine Familientragödie nicht nur schematisch, sondern fast schon ärgerlich verläuft.
Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian) ermittelt diesmal den scheinbaren Mord an einem ehemaligen Fußballer. Foto: ARD Degeto/Erika Hauri Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian) ermittelt diesmal den scheinbaren Mord an einem ehemaligen Fußballer.
Vor den Augen seiner entsetzten Frau Jasna (Nadeshda Brennicke) setzt sich der einstige Star-Fußballer Goran Trevic (Janko Rakos) schwer angetrunken die Pistole an den Kopf und drückt ab. Der Polizei, die bald darauf am Tatort eintrifft, bietet sich indessen ein völlig anderes Bild: Es sieht aus wie Mord. Auch Gorans Vater Dragan Trevic (Miroslav Nemec) scheint einen Verdacht zu haben, wer seinen Sohn getötet haben könnte. Allerdings hält sich seine Trauer über den Tod seines Sohnes sichtlich in Grenzen.
 
Kommissarin Branka Maric (Neda Rahmanian), die den toten Fußballer als Teenager verehrte, stößt bald auf Merkwürdiges. Was sich noch intensiv verdichtet, als Dragan Trevic in seinem Auto erschossen aufgefunden wird. Gab es tatsächlich eine Familientragödie zwischen Vater und Sohn und hat Dragan, nachdem er den tödlichen Schuss auf seinen Sohn abfeuerte, tatsächlich Selbstmord begangen? Dafür spricht zumindest die Aussage des Journalisten Stipe Rif (Stipe Erceg), der Zeuge einer dramatischen Szene zwischen Vater und Sohn geworden sein will.
 
Als Krimi im Prinzip nicht schlecht
 
Aber sagt Rif, der eine Affäre mit Jasna hat, die Wahrheit? Branka Maric sticht bei weiteren Nachforschungen in ein Wespennest, als sie sich über die Anweisungen von Polizeichef Bilic (Juraj Kukura), der Trevic sehr gut kannte, hinwegsetzt. Sie muss binnen kürzester Zeit nachweisen, was wirklich passiert ist - oder sie verliert ihren Job. Eine einfallsreich konzipierte Handlung bietet der zweite Kroatien-Krimi auf, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Zwar ist der historische Zusammenhang mit der Region schwächer als im Erstling, aber dafür funktioniert „Tod einer Legende“ als Kriminalfilm erheblich besser.
 
Schon der Anfang setzt hier Maßstäbe. Zeigt „Der Teufel von Split“ zum Einstimmen noch schöne Landschaften und verplempert anschließend viel Zeit mit der Einführung von Branka Maric als Leitender Ermittlerin, geht es hier gleich mit einem harten Schockeffekt los. Erst wird ein Selbstmord als Mord inszeniert und anschließend ein Mord als Selbstmord: Nur langsam kommt Branka Maric der Wahrheit auf die Spur und stößt dabei auf eine Jahrzehnte alte Familientragödie.
 
Grobe Schwächen im Detail
 
Diese Tragödie zeigt aber trotz ihrer geschickt angelegten Rätselhaftigkeit in der Auflösung massive Schwachstellen. Dass ein schwuler Fußball-Profi sich aus Respekt vor seinem Macho-Übervater über Jahre hinweg durch hormonelle Medikamente mit massiven Nebenwirkungen auf seine Männlichkeit chemisch kastrieren lässt, ist kaum eine glaubhafte Geschichte. Außerdem mangelt es Dragan Trevic an charakterlichem Feinschliff. Das ist kein neues Problem, wenn es in einem TV-Film um schwule Protagonisten geht.
 
Aber es zeigt einen sehr bedenklichen Ansatz: Egal nämlich ob in dem Polizeifilm „Freier Fall“, dem Jugenddrama „Aus der Haut“ oder hier in „Tod einer Legende“: Homosexuelle sind, wenn sie sich aus ihrer Deckung herauswagen, immer die gejagten Opfer, die auf geballten Hass und granitharte Intoleranz ihrer Umgebung stoßen und beinahe daran zugrunde gehen. Derart schicksalsschwere Geschichten verlaufen nicht nur reichlich schematisch, sondern sind für Schwule auch schädlich, weil sie ihnen eher noch mehr Angst einjagen, sich zu bekennen.

 
Das Beste im Film: Nadeshda Brennicke samt Rolle

 
Solche Filme machen Schwulen gewiss keinen Mut, mit ihrer Veranlagung auch einmal lockerer und unverkrampfter umzugehen. Wie es auch anders geht, beweist ein Film wie „Sommersturm“ von Marco Kreuzpaintner. Dass in „Tod einer Legende“ der Hintergrund aber trotz massiver Schwächen noch halbwegs funktioniert, liegt an der furios aufspielenden Nadeshda Brennicke, die der zwischen unerfüllter Liebe, eiskaltem Kalkül und ehrlicher Reue hin- und hergerissenen Jasna Trevic große Glaubwürdigkeit verleiht.
 
Genau die Feinzeichnung ihrer Figur ist es, die auch Dragan Trevic benötigt hätte. Als Gegenspielerin zur Kommissarin macht sich Brennicke also sehr gut. Gemischte Gefühle hinterlässt dagegen die Nebenhandlung um Branca Marics verschwundenen Bruder: Wieder einmal hat ein Drehbuch eine noch ausbaufähige Geschichte einfach so nebenher verbraten. Das hätte einen eigenen Film ergeben – und bestimmt keinen schlechten.

Der Film in der ARD-Mediathek
 

 
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