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TV-Kritik: "Tödliche Raserei": Die gefährliche Idiotie

Von Die Sendung wirft einen genaueren Blick auf die Raser-Szene und zeigt die schrecklichen Folgen illegaler Straßenrennen.
Hier können Geschwindigkeitsfanatiker und PS-Junkies ihren Rausch legal ausleben. Das Beschleunigungsrennen auf der Viertelmeile in Brilon. Foto: (ZDF) Hier können Geschwindigkeitsfanatiker und PS-Junkies ihren Rausch legal ausleben. Das Beschleunigungsrennen auf der Viertelmeile in Brilon.

Sie treffen sich bevorzugt abends oder nachts an einsamen Straßen großer Städte. Am liebsten an langen, geraden Straßen, gut ausgebaut und mit wenig Verkehr. Und dann treten die Raser gegeneinander an – und mit Wucht aufs Gaspedal. Illegale Beschleunigungsrennen gibt es überall in Deutschland, und längst ist die Polizei auf die Raser aufmerksam geworden. In vielen Städten haben die Beamten eigene Ermittlungsgruppen gegründet, um die Geschwindigkeitsberauschten in den Griff zu bekommen.

Arte hat einigen Beamten über die Schulter geschaut, aber  auch Raser selbst vor die Kamera geholt. Männer wie Nico Klassen etwa, der früher selbst illegale Straßenrennen fuhr. Er vergleicht die Lust an der hohen Geschwindigkeit sogar mit der Sucht nach Heroin. Der bärenhafte 37-jährige organisiert heute legale Rennen auf Flugplätzen oder der Filmautobahn in Aldenhoven, wo auch das "Alarm für Cobra 11"-Filmteam seine Crashszenen entstehen lässt.

Erst der Knall, dann das Blut

Es war der schrecklich Unfalle eines Freundes, der Klassen zur Besinnung brachte. Der Freund fuhr mit seinem Motorrad ein Wettrennen, verlor dabei die Herrschaft über seine Maschine und prallte mit voller Wucht gegen ein Verkehrsschild. Klassen war vor Ort, er sah das Blut seines Freundes auf der Straße fließen. Das Geräusch des Einschlags beschreibt er überaus detailliert: Ganz losgelassen hat ihn das Erlebnis nicht. Der Freund starb wenige Tage danach im Krankenhaus.

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Die legalen Rennen erleben ungeheuren Zulauf, während einer Veranstaltung reicht der Platz für die Besucher bald nicht mehr aus. Es sind hochmotorisierte Sportwagen dabei, aber auch bis an die Grenze umgebaute Alltagswagen mit über 1000 PS. Bei solchen Rennen steht jedoch professionelles Verhalten im Vordergrund – ganz im Gegenteil zu dem, was bei illegalen Rennen abgeht. Man hätte sich indessen Nachfragen gewünscht, wenn Klassen erklärt, er wolle mit legalen Rennen etwas gegen illegale Rennen unternehmen.

Die Mörder des Arztes

Ist nicht auch gerade das Verbotene der Reiz solcher Aktionen? Mit normaler Begeisterung für PS-starke Wagen haben illegale Rennen jedenfalls nichts zu tun: Normale Autofans riskieren weder ihre Autos noch die Leben anderer, und es hätte nichts geschadet, dieses Fakt in der Sendung auch deutlich auszusprechen. Oft mieten Raser PS-starke Wagen extra für illegale Rennen, weil sie sich solche Fahrzeuge nicht leisten können.

Positiv fällt auf, dass die Sendung auch hautnah die Folgen solcher Aktionen vor Augen führt. So beim Sohn des Rentners Michael Warshitzky, dessen 69-jähriger Vater bei einem illegalen Straßenrennen von einem der beiden Fahrzeuge erfasst wurde. Der pensionierte Arzt starb noch am Unfallort. Noch immer kann Sohn Michael die Katastrophe nicht fassen, obwohl die Täter – ein Novum in der deutschen Rechtsgeschichte – wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurden.

Härtere Strafen wünschen sich auch die Beamten der Ermittlungsgruppen. Oft haben sie es mit rüpelhaften und aggressiven Fahrern zu tun. Und manchmal fehlen ihnen einfach die Worte. Ein bei erheblicher Geschwindigkeitsübertretung erwischter Fahrer zeigt sich deutlich nervös, weil er den Führerschein beruflich benötigt. Er arbeitet als Busfahrer.

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