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TV-Kritik: "Über Wasser halten": Mit Ohrfeige fürs Schwulsein

Von Inszeniert von einem echten Oscar-Preisträger: Ein Ermittlerduo legt sich im neuen Barcelona-Krimi mit einem mächtigen Mafia-Boss an.
Kommissarin Fina Valent (Anne Schäfer) und Xavi Bonet (Clemens Schick) nehmen den Gangster Gerard (Luka Peros, re.) fest. Bild: ARD Degeto/Lucia Faraig Foto: (WDR Presse und Information/Redak) Kommissarin Fina Valent (Anne Schäfer) und Xavi Bonet (Clemens Schick) nehmen den Gangster Gerard (Luka Peros, re.) fest. Bild: ARD Degeto/Lucia Faraig
In Barcelona operiert das neue Krimi-Duo der ARD: Xavi Bonet (Clemens Schick) und Fina Valent (Anne Schäfer). Ersterer schwuler Sohn eines ehrgeizigen Regionalpolitikers, von dem er sich schon kurz nach dem Vorspann eine Backpfeife holt. Der Vater befürchtet, dass die Homosexualität seines Sohnes sich negativ auf seine Wahlchancen auswirken könnte. Sein Sohn, so der Alte gebieterisch, sollte unbedingt eine Therapie antreten.

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Ist sowas heute noch realistisch? Vermutlich ja. In der Öffentlichkeit ist Homosexualität weitgehend akzeptiert. Aber in der heimischen Familie sieht es schon anders aus. Und Clemens Schick macht sich in der Rolle schon mal gut, zumal sich der bemerkenswert drahtige Schauspieler auch selbst schon vor drei Jahren in einem Männer-Interview als schwul geoutet hat. Auch gegen Anne Schäfer als Fina Valent lässt sich eigentlich nichts einwenden.
 
Tot vor der Moschee
 
Höchstens, dass echte Spanier  in den Rollen authentischer gewirkt hätten als deutsche Schauspieler – aber dieses Problem ist man in den ARD-Donnerstagskrimis ja schon gewohnt. Fina Valent trudelt mitsamt Tochter Maria (Tara Fischer) in Barcelona ein, wo schon der erste Fall auf sie wartet: Miguel Soler (Christian Stamm) wurde mit klaffender Kopfwunde von Kommissar Bonet am Strand gefunden. Und bald darauf liegt Arsalam Kureshi, ein Pakistani, mit durchschnittener Kehle vor einer Moschee.
 
Die Spuren entwickeln sich zu einem halbwegs passablen Plot um Flüchtlinge, Menschenhandel und Drogenschmuggel. So recht warm werden will man mit der Geschichte allerdings nicht. Zu viel Nebenhandlung und zu viele Nebenfiguren stehen hier einem stringenten Erzählfluss im Weg. Und die Schurkenfiguren bleiben nicht wirklich im Gedächtnis hängen, dafür tauchen sie zu spät in der Handlung auf und verfügen nicht über genügend Szenen.

Die Regie funktioniert besser als das Buch

 Regisseur Jochen Alexander Freydank, für seinen Kurzfilm "Spielzeugland" mit einem Oscar ausgezeichnet, saß auch für verschiedene andere TV-Krimis auf dem Regiestuhl, darunter dem Usedom-Beitrag "Trugspur". Freydanks routinierte Inszenierung rettet den Film. In vielen Szenen schafft er durch ausgeklügelte Kamera in Verbindung mit der stimmungsvollen Musik von Ingo Ludwig Frenzel eine ganz ordentliche Spannung.  Und gegen Ende macht der Film sogar noch einmal kräftig Appetit auf die Fortsetzung "Tod aus der Tiefe" am nächsten Donnerstag.
 
Aber vor allem ist es Barcelona, das mit seinen engen Gassen wie mit seiner Häuserpracht und dem weiträumigen Hafen hier eigentlich die Hauptrolle spielt. Freydank rückt die Stadt auch immer wieder in den Mittelpunkt, schenkt einem Mafiaboss einen herrlichen Ausblick über den Hafen, jagt die Kamera durch die Straßen und schiebt auch dazwischen immer wieder mal ein paar Stadtaufnahmen ein. Krimi als Tourismus-Werbung – erinnert das nicht auch ein wenig an Agent 007?
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