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Tatort in Frankfurt: "Unter Kriegern": Zu böse, um wahr zu sein

Von Der neue Frankfurter „Tatort“ prangert skrupelloses Leistungsdenken an. Eine ehrenwehrte Absicht, wobei er aber nicht immer den passenden Ton trifft.
Foto: (HR/Pressestelle)

"Fürchte dich!" hieß der bisher letzte Frankfurter "Tatort"-Beitrag. Ein Titel, der bestens zur Familie Voss passt, um die sich hier alles dreht: Joachim "Jo", von Golo Euler als eiskalter Karrierist gespielt, triezt und demütigt seine Frau Meike (Lina Beckmann), wo er nur kann. Seinen Sohn Felix (Juri Winkler) hat er zu einem Spitzenschüler erzogen, der sich sogar erfolgreich mit einem Lehrer anlegt, als er in Mathematik nur eine Zwei bekommt.

Ein ausgekochter Kotzbrocken

So präsentiert sich der kleine Felix als ausgekochter Kotzbrocken, der ein Mädchen, das eine bessere Note geschrieben hat als er, brutal überfällt und schikaniert. Um seinem Vater zu gefallen, trainiert er auf dem Rudergerät daheim so hart, dass er sich übergeben muss. Ähnlich wie sein Vater – den er für seinen Stiefvater hält – behandelt er seine Mutter wie den letzten Dreck. Kein Wunder, dass die sich lieber an ein Pferd schmiegt und von Giftmord träumt.

Der Tod in der Heizungsanlage

 Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) bekommen mit der Familie zu tun, als sie den Tod des kleinen Malte Rahmani (Ilyes Raoul Moutaoukkil) aufklären wollen. Der Elfjährige wurde im Heizungskeller eines Sportleistungszentrums in einem Kessel eingeschlossen, wo er einen qualvollen Tod starb. Ziemlich schnell verdächtigen die beiden Kommissare Sven Brunner (Stefan Konarske), den Hausmeister des Vereins.

Abenteuerliche Begründungen

Der ehemalige Hooligan zeigte ein auffallendes Interesse an dem Jungen, mit dem er sich des Öfteren traf. Ist Brunner Päderast? In seiner Wohnung finden die Polizisten Kleinigkeiten, die er offensichtlich den Sportlern gestohlen hat. Wofür sein von Rainer Reiners gespielter Anwalt Maurice Zefarelli – soll dieser Nachname eigentlich an Regie-Legende Franco Zeffirelli erinnern? – eine geradezu abenteuerliche Begründung liefert.

Überbetonte Sozialkritik

 Eine Begründung, die zugleich verdeutlicht, woran es dem neuen "Tatort" mitunter mangelt: an Glaubwürdigkeit nämlich. "Unter Kriegern" will den gnadenlosen Wettbewerb neoliberaler Prägung auf Kosten Schwächerer anprangern, zweifellos ein höchst ehrenwertes Ziel. Er trägt dabei aber in vieler Hinsicht einfach zu dick auf. So bei Sven Brunner, den Stefan Konarske deutlich zu aggressionsbetont spielen muss.

Gute Besetzung

Und noch mehr bei Felix, der sich etwa gegenüber seinem Lehrer in einer Weise ausdrückt ("Das ist pädagogisch kontraproduktiv"), das nur schwer zu einem selbst altklugen Jungen seines Alters passen will. Überhaupt hätte Felix mehr überzeugt, wenn Drehbuch und Regie ihn etwas vielschichtiger angelegt hätten. Dann wäre auch Juri Winkler nicht nur typgerecht besetzt, sondern auch schauspielerisch mehr gefordert gewesen.

Das Drehbuch bügelt diese Schwäche aber trotz einiger weiterer unglaubwürdiger Szenen mit Joachim Voss und Ehefrau Meike wieder aus. Lina Beckmann gibt die unterdrückte und dauergedemütigte Ehefrau samt Mordphantasien mit Hingabe, und Golo Euler ist als skrupelloser Ehrgeizling nicht minder gut besetzt. Zumal er neben Kälte am Ende nicht nur einen wunderbaren Gefühlsausbruch spielen, sondern später auch noch für ein überraschendes Ende sorgen darf. 

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