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TV-Kritik: "Versichert und verloren": Erschütternde Reportage

Wie ein mafiöses Kartell aus Versicherungen, Justiz und Politik Geschädigte um Zahlungen prellt: der "Fall Daniel".
Familie Bernert kämpft seit 30 Jahren um ihr Recht. Foto: (SWR-Pressestelle/Fotoredaktion) Familie Bernert kämpft seit 30 Jahren um ihr Recht.

Wie viel Schutz bieten Versicherungen? Oft nur sehr wenig. Eine bittere Erkenntnis, die auch Claudia Bernert nicht erspart blieb. Seit über 30 Jahren schon kämpft sie um ihr Recht: Im Jahr 1984 kam Sohn ihr Daniel schwerstbehindert zur Welt. Sie ist überzeugt, dass ein Behandlungsfehler von Arzt, Hebamme und Krankenhaus dafür die Ursache war. Seitdem versucht sie von den Versicherungen des Arztes und der Hebamme Schadenersatz zu bekommen. Der "Fall Daniel" ging zweifach durch alle Instanzen, doch entschieden wurde bis heute nichts.

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Und das nach dreißig Jahren. Die Versicherer können sich auf eine mafiöse Struktur verlassen: so auf Sachverständige, die zweifelhafte Gutachten liefern. Noch skandalöser sind indessen Richter, die gegen Bezahlung vor Versicherern Vorträge halten oder Politiker, die nach ihrer Karriere in die Vorstandsetagen großer Versicherungskonzerne wechseln. Den Schaden haben die Verbraucher.

Gutachter mit eindeutigem Ruf

"Im Zweifel nicht zahlen" scheint das Motto der Versicherungsbranche zu sein. Es gibt sogar Gutachter, da weiß man, wie das Verfahren ausgehen wird, wenn sie vom Richter beauftragt werden. Eine mafiöse Struktur, gegen die Claudia Bernert nun mit einem neuen Anwalt ankämpfen will. Ihr Sohn weiß, dass er schwerstbehindert ist. Er kam im Oktober 1984 in einem Krankenhaus zur Welt, in dem es zu wenig Ärzte und Hebammen gab. Obwohl schon grünes Fruchtwasser austrat, verließen Arzt und Hebamme die Klinik über Nacht. Daniel wurde erst am nächsten Tag geholt - viel zu spät.
 
Im Jahr 1991 reicht Claudia Bernert Klage gegen Krankenhaus, Arzt und Hebamme ein, doch erst Jahre später stellt ein Gutachter fest: Es war Sauerstoffmangel bei der Geburt, eine Hypoxie, welche Daniels Zustand herbeiführte. Wörtlich heißt es "...eine derartige Vielzahl von Fehlhandlungen und Unterlassungen, dass große Bedenken hinsichtlich einer adäquaten geburtshilflichen...Betreuung von Müttern und Neugeborenen an diesem Krankenhaus erwachsen".

Abstreiten der Verantwortung

Das Gericht folgt dem Gutachter und verurteilt die Gegner wegen grober Behandlungsfehler zum Schadenersatz. Die Versicherer legen jedoch Berufung ein. Der Fall geht vor das Oberlandesgericht München. Dort präsentiert die Versicherung ein eigenes Gutachten, nach welchem die Hirnschädigung Daniels schon während der Schwangerschaft entstanden sei. Privatgutachten dieser Art haben oft entscheidenden Einfluss auf den Prozessverlauf, so auch im Fall von Claudia Bernert.
 
Der Film von Stefan Maier erzählt eine erschütternde Geschichte. Gleichzeitig zeigt er beklemmende Strukturen zwischen Politik, einer doch angeblich unabhängigen Justiz und scheinbar ungehindert agierenden Großkonzernen auf. "Der Fall Daniel" ist kein Einzelfall, sowas kann jeden treffen. Und nicht jeder schafft es wie Claudia Bernert, durch solche Erfahrungen stärker zu werden. "Versichert und verloren - Die zweifelhaften Methoden der Versicherer" ist unbedingt empfehlenswert!
 

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