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TV-Kritik: "Vom Mörder zum Helfer": Der Weg zurück

Von Als "Briefmarken-Mörder" geriet er in die Schlagzeilen und die Mühlen der Justiz. Heute arbeitet er mit Jugendlichen.
Ein Knacki und Mörder klärt auf: Henry-Oliver Jakobs nutzt seine kriminellen Erfahrungen heute für seine Präventionsarbeit mit Jugendlichen. Foto: Birthe Jessen Ein Knacki und Mörder klärt auf: Henry-Oliver Jakobs nutzt seine kriminellen Erfahrungen heute für seine Präventionsarbeit mit Jugendlichen.
Es ist ein Milieu, das Krimi-Fans aus dem "Großstadtrevier" oder aus "Der Hafenpastor" kennen. Dort sparen die Drehbuch-Autoren aber richtig harte Fälle eher aus. Fälle wie Henry-Oliver Jakobs: eine Kriminellen-Karriere wie aus dem Klischee-Bilderbuch. Vierzehn und fünfzehn Jahre waren seine Eltern alt, als Jakobs mitten im Hamburger Kiez im Jahr 1970 geboren wurde. Er wuchs mit mehreren Geschwistern auf, sein Großvater betrieb fünf Geschäfte gleichzeitig. Henry-Oliver Jakobs fängt früh an zu stehlen.
 
Er arbeitet als Briefmarkenhändler und lockt im Jahr 1995 zwei Kollegen nach Hamburg. Es geht um Briefmarken im Wert von 100.000 Mark, die e ihnen rauben will. Henry-Oliver Jakobs sitzt hinter den beiden, als er ihnen in den Kopf schießt und den einen ermordet, den anderen in den Rollstuhl befördert. Für diese Tat fährt er ein in die Justizvollzugsanstalt Hamburg Fuhlsbüttel, im Volksmund Santa Fu genannt.  Der gilt als Deutschlands härtester Knast. Jakobs bekommt lebenslänglich, mit besonderer Schwere der Schuld.
 

Das Gefängnis hautnah

 
Im Gefängnis begann seine Wandlung. Seit 2014 ist er wieder draußen. Heute zeigt er Jugendlichen den Ort, in dem er 19 Jahre lang saß. Er bringt ihnen hautnah bei, was es heißt, in engen, spartanisch ausgestatteten Zellen zu sitzen, eingeschlossen und fremdbestimmt - für Stunden, Tage, Monate, Jahre. Jakobs arbeitet als Präventionshelfer und führt mit Jugendlichen in Schulen Anti-Gewalt-Training durch. Schon vor zehn Jahren im Gefängnis räumte er im Gespräch mit jungen Menschen mit falschen Vorstellungen von Ehre auf.
 
Was ist mit der Ehre einer Mutter, die ihr Kind im Gefängnis besuchen und sich dabei von Bediensteten durchsuchen lassen muss? Er zeigt Heranwachsenden bei, wie sie Gewalt und Ärger aus dem Weg gehen. Sein Lebenslauf ist das beste und zugleich schlimmste Beispiel für die möglichen Folgen. Was er getan hat, kann er nicht mehr ungeschehen machen. An dieser Stelle seiner Biographie stellt die ZDF-Reportage von Birthe Jessen aus der 37 Grad-Reihe eine wichtige Frage: Hat er auch versucht, mit dem Mann Kontakt aufzunehmen, den er ermorden wollte?
 

Umgang mit eigener Schuld

 
Jakobs zögert mit der Antwort, sucht nach den richtigen Worten, scheint ausweichen zu wollen. Man ahnt in diesem Moment auch ohne explizite Nachfragen, wie grausam es sich anfühlen muss, ein Mörder zu sein und mit einer solchen Schuld leben zu müssen. Man kommt um den Eindruck nicht herum, dass man mit einer solchen Tat nur leben kann, wenn man sie so weit wie möglich verdrängt. Er war damals nicht der Mensch, der er heute ist. Nein, den Mann, den er zu ermorden versucht hat, traf er bisher nicht.
 
Aber er kann und will verhindern, dass andere Menschen auf die gleiche schiefe Bahn geraten. Der Film zeigt, wie er zwei junge Männer trifft, die er Jahre zuvor als Jugendliche kennengelernt hat. Sie sind sauber, arbeiten in normalen Berufen. Ein Erfolgserlebnis für Jakobs? Sicherlich auch. Eine große Hilfe war ihm Rainer Wagner, ein Polizist, der ebenfalls auf dem Kiez groß geworden ist. Wagner kennt die Verlockungen, das Bunte, das Schillernde des Milieus. Aber er entschied sich für die andere Seite und wurde für Jakobs zur Bezugsperson.
 
Heute wohnt Jakobs bei ihm, gilt schon fast als Familienmitglied. Gerne würde er Sozialpädagogik studieren. Die Reportage zeigt kein Monster, sondern einen Mann, der zum Verbrecher wurde und nun auf dem Weg zurück ist in ein normales bürgerliches Leben. Der Beitrag würde sich auch als Lehrfilm an Schulen eignen.
 
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