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TV-Kritik: "Von Vätern und Söhnen": Auszug und Heimkehr

Von Die Folge aus der Serie "Herzensbrecher - Vater von vier Söhnen" bietet gekonnt gemachte Vorabend-Unterhaltung.
Als Konfirmand Ole Hölting (Marvin Jones) mit der Segnung durch Pfarrer Andreas Tabarius (Simon Böer, M.) dran ist, entdeckt er seinen Vater. Foto: ZDF/Kai Schulz Als Konfirmand Ole Hölting (Marvin Jones) mit der Segnung durch Pfarrer Andreas Tabarius (Simon Böer, M.) dran ist, entdeckt er seinen Vater.
Seit drei Jahren ist Pfarrer Andreas Tabarius (Simon Böer) nun auf dem Bildschirm schon als Pfarrer aktiv. Seine vier Söhne sind dabei nicht die Einzigen, die ihm bisweilen Kopfzerbrechen bereiten: vor allem der  Älteste, Lukas (Gerrit Klein), der mitten in seinem Medizinstudium für die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ in den Libanon gehen will. Lukas hat einen gemeinsamen Sohn mit Friseuse Lea Mommsen (Katrin Heß).

Lea muss ihren Salon schließen und hat noch dazu eine Allergie entwickelt: Sie kann nicht mehr in ihrem alten Beruf arbeiten und bittet Andreas Tabarius dringend um Hilfe. Da trifft es sich gut, dass der Pfarrer eine neue Sekretärin sucht: Als er Leas routinierte Fingerfertigkeit bemerkt, bietet er ihr kurzerhand die Stelle an. Ähnlich einfach geht es mit Ole Hölting (Marvin W. Jones), einem Konfirmanden. Der leidet unter den Problemen seiner Eltern.

Eisige Stimmung am Anfang

Sein Vater Rüdiger (Ole Eisfeld) war als Soldat in Afghanistan und hat aus dieser Zeit ein heftiges Kriegstrauma mit nach Hause gebracht. Er attackiert den Pfarrer, den er beschuldigt, seinen Sohn gegen ihn aufzuhetzen. Auch hier klärt sich die Situation recht schnell. Interessant sind dabei vor allem die Über-Kreuz-Beziehungen zwischen Vater und Sohn. Einmal geht es um Abnabelung, dann wieder um Heimkehr: Während in der Pfarrer-Familie der Vater seinen Sohn in die Fremde ziehen lässt, muss sich andererseits in der Soldaten-Familie der Sohn mit dem Trauma auseinandersetzen, das der Vater aus der Fremde mitgebracht hat.

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Zu Beginn weckt die Episode aber vor allem durch die fühlbare Spannung der Charaktere untereinander ein starkes Interesse. So ist besonders die eisige Stimmung zwischen Lea und Lukas‘ Brüdern mit Händen zu greifen, was der Geschichte eine hohe Dichte verleiht. Allzu intensiv baut der Handlungsverlauf die Spannung aber nicht aus. Pfarrer Tabarius hadert etwa nicht mit seinem Beruf und scheint auch keine Glaubenszweifel zu kennen.

Tabarius tritt als fast ideale Identifikationsfigur auf: Er erscheint überwiegend als souveräner Problemlöser, geduldiger Zuhörer und zudem als Frauentyp. Er erlebt keine Situation, in der er sich ohnmächtig fühlt. Ein richtiges Sozialdrama will die Vorabendserie nicht sein. Jan Fedders Rolle als "Hafenpastor" (nächsten Freitag das dritte Mal in der ARD) wirkt da deutlich härter und proletarischer als Tabarius.

Richterin mit Doppelleben

Nicht einmal, dass Tabarius wegen Trunkenheit am Steuer in der Vergangenheit schon seinen Führerschein abgeben musste, ändert daran etwas Wesentliches. Auch die dafür zuständige Richterin Marie Büchner (Cordelia Wege) kann nämlich dem lässigen Charme des verwitweten Pfarrers nicht wiederstehen. Das hat Folgen: Eine Romanze scheint sich anzubahnen. Allerdings macht Tabarius am Ende eine wenig schöne Entdeckung: Offenbar hat ihm die Richterin verschwiegen, dass sie verheiratet ist und zudem einen Sohn hat.

Dieses Ende verhindert recht wirkungsvoll eine allzu locker-gelöste Stimmung am Ende und macht wiederum neugierig auf die nächste Episode. Es wird schnell ersichtlich, weswegen sich diese Vorabendserie großer Beliebtheit erfreut: Was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist einfach gutes Handwerk, auch von den Schauspielern. „Von Vätern und Söhnen“ erzählt ihre Geschichte zügig und schnörkellos und die Handlungsstränge und ihre Figuren bleiben übersichtlich angeordnet, so dass auch ein Neueinsteiger sehr schnell versteht, worum es geht.

Allerdings wirkt Simon Böer als Pfarrer noch eine Spur zu routiniert. Etwas mehr Nervosität und Unsicherheit würden Tabarius realistischer und menschlicher wirken lassen. Katrin Saß als Lea und Kathrin Kühnel als Oles Mutter hinterlassen schauspielerisch den stärkeren Eindruck, auch durch ihre Rollen: Beide verkörpern Frauen in einer höchst schwierigen Situation. Und interessante Aspekte wie Toms Homosexualität thematisiert diese Folge nur am Rande. Es wäre zu wünschen, dass künftige Folgen weiter darauf eingehen.
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