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"Wacht am Rhein": Überraschend komplex

Der neue Beitrag aus Köln widmet sich der Flüchtlingskrise – und vermeidet geradezu peinlich allzu simple Gut und Böse-Muster.
Tobias Reisser (Patrick Abozen) sucht nach Leuten, die den Flüchtigen Khalid Hamidi (Samy Abdel Fattah) in letzter Zeit gesehen haben. Foto: WDR/Thomas Kost Tobias Reisser (Patrick Abozen) sucht nach Leuten, die den Flüchtigen Khalid Hamidi (Samy Abdel Fattah) in letzter Zeit gesehen haben.

 Zwei „Tatort“-Krimis mit Flüchtlingsthematik hintereinander – das fordert natürlich zum Vergleich heraus. "Land in dieser Zeit" erledigte sein Thema am letzten Sonntag bestenfalls passabel und mit einigen Anflügen von schrägem Humor. Damit punkten will auch der neue Beitrag aus Köln: Nämlich durch einen Gastauftritt von Klaus Doldinger, der auch die "Tatort"-Melodie kreierte, als Straßenmusiker. Ist das lustig? Nein, überflüssig! Ach Leute, ihr solltet Promis, wenn sie im "Tatort" auftreten, doch lieber gleich eine richtige Rolle spielen lassen.
 
 
Genau wie damals mit Bild-Chef Kai Diekmann als Leiche in "Spielverderber":  Insider-Gags sind doof. Humor gibt es ansonsten nur wenig, etwa in Form eines Döners statt der bewährten Currywurst. Die "Wacht am Rhein" des Titels ist eine selbsternannte Bürgerwehr unter Leitung von Dieter Gottschalk  (Sylvester Groth). Sie ist unterwegs und verfolgt eine vermummte Gestalt, die den Zoohändler  Peter Deisböck (Paul Herwig) überfällt. Nach einem Kurzschluss im Laden stirbt der Sohn Deisböcks durch eine Kugel. Der Räuber  ergreift die Flucht.
 
 

Der falsche Mann

 
 
Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) finden einen geschockten Vater vor. Kurz danach fällt dem Lebensmittelhändler Adil Faras (Asad Schwarz) ein Mann auf, der einen Kapuzenpullover trägt – ebenso wie derjenige, der Deisböcks Laden überfiel. Er hält ihn für den Täter und verschleppt ihn in seinen Keller. Es handelt sich jedoch um den Studenten Baz Barek (Omar El-Saeidi) – und während Ballauf und Schenk versuchen, den Fall zu klären, will Faras den falschen verdächtigen mit Gewalt zwingen, zu verraten, wo er die Tatwaffe versteckt hat.
 
 
Das Drehbuch zu diesem „Tatort“ stammt von Jürgen Werner, dessen Arbeit für den Sonntagabend-Krimi bisher durch erhebliche Formschwankungen auffiel. Vom Total-Ausfall "Freddy tanzt" bis zum Volltreffer "Kartenhaus" waren alle Qualitätsstufen vertreten. "Die Wacht am Rhein" bewegt sich gemessen an diesen Extremen allerdings schon deutlich im oberen Drittel. Werner hat hier peinlich simple Schwarz-Weiß-Denkmuster vermieden: In der Bürgerwehr ist auch Adil Farras aktiv, der sich als Händler für orientalische Lebensmittel einen guten Ruf erarbeitete.
 
 

Auch Polizisten leben diesmal gefährlich

 
 
Ansonsten tritt eine buntgemischte Truppe hier vor die Kamera: Ein Scharfmacher wie Gottschalk findet sich dabei ebenso wie die allzu naive Tabea Fromm (Karoline Bär), die den wahren Täter ahnt, aber ihm dennoch helfen will. Tobias Reisser (Patrick Abozen), Schenks und Ballaufs Assistent, gerät wegen seiner dunklen Haut in Gefahr, aber auch Ballauf kommt in eine gefährliche Situation und wird zusammengetreten.
 
 
Als Schwäche zeigt sich hingegen der Handlungsstrang um Farras und Barek: Dass Faras einen falschen Verdächtigen nur wegen eines so gebräuchlichen Kleidungsstücks wie einem Kapuzenpulli festsetzt und foltert, kann logisch kaum überzeugen. Andererseits gibt Werner dieser Geschichte eine überaus tragische Auflösung und gestaltet das dann wiederum zu einem Pluspunkt. Der Räuber Khalid Hamidi (Samy Abdel Fattah) tritt gewalttätig und unverschämt auf.
 
 

Einige Szenen befremden

 
 
Dass er aber nicht zugleich der Mörder ist, ahnt man schnell. An der Regie könnte man einiges bemängeln. Die locker-lässige Art, mit der die Eltern des kurz zuvor erschossenen Sohnes die Polizisten begrüßen, erscheint etwa schon sehr befremdlich. Insgesamt ist den Kölnern aber ein Beitrag zur Flüchtlingsthematik gelungen, den man so komplex bisher noch kaum zu sehen bekommen hat.
 
Der Film in der Mediathek

 

 
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