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TV-Kritik: "Was ich kann, will keiner wissen": Über 50 und ohne Job

Von Wie fühlt es sich an, die Lebensmitte überschritten zu haben und nicht mehr gefragt zu sein? "37°" stellt zwei unterschiedliche Menschen mit diesem Schicksal vor.
Wie die Balance neu finden? - Hans-Christoph B. macht sich Gedanken. Er hat es noch nicht geschafft, wieder in Lohn und Brot zu kommen Foto: Manuel Fenn Wie die Balance neu finden? - Hans-Christoph B. macht sich Gedanken. Er hat es noch nicht geschafft, wieder in Lohn und Brot zu kommen
Die Situation ist für viele Menschen ein Schreckgespenst, ein Albtraum: über 50 Jahre alt zu sein und arbeitslos zu werden. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden und zum alten Eisen zu gehören, geht an die Substanz. Dazu kommt in den meisten Fällen auch noch der Verlust an materieller Sicherheit. Wie die Kredite bezahlen, die Miete, den Strom, wie das Auto am Laufen halten? Es fällt schwer, auf gewohnten Komfort zu verzichten und sich einschränken zu müssen.
 
Die ZDF-Sendung  "37°" stellt eine Frau und einen Mann vor, die sich mit dieser Situation konfrontiert sehen. Corinna H. bekleidete eine Stellung in leitender Situation in einem Münchner Verlag. Ihr Arbeitsvertrag wurde nicht verlängert. Sie gibt sich jedoch selbstbewusst und spricht von neuen Herausforderungen, dem Wunsch nach Verantwortung, von Selbstverwirklichung in allen Aspekten. Eine Weiterbildung beim Arbeitsamt hat sie mit sehr guten Resultaten absolviert.
 

Der letzte Tag als Arbeitnehmer

 
Hans-Christoph B. aus dem bayrischen Voralpenland arbeitete erst über viele Jahre hinweg als Theologe. Er war bei der Kirche fest angestellt, ließ sich dann aber zum IT-Experten umschulen. Die Firma, bei der er zuletzt fest angestellt war, muss einen erheblichen Auftragseinbruch verkraften. Folge: die betriebsbedingte Kündigung für Hans-Christoph B. "37°" zeigt ihn, wie er den letzten Tag in seiner alten Arbeitsstelle erlebt. Seine Freundin ist ebenfalls arbeitslos und lebt von Hartz IV.
 
Wenn er Schlüssel und Karten zurücklässt, spürt der Zuschauer geradezu körperlich, was es bedeutet, mit solchen Utensilien auch einen Teil der alten Identität zu verlieren: Er gehört nicht mehr dazu, nicht mehr zum Team, er ist draußen. Im Vergleich zu Corinna H. erscheint Hans-Christoph B. in seinem Selbstbewusstsein deutlich angeschlagener. Wobei natürlich auch seine berufliche Vergangenheit eine Rolle spielt. Er weiß: Dass er zuerst als Theologe, dann als IT-Experte arbeitete, war ein so massiver Wechsel, dass es sich kaum vermitteln lässt.
 

Nur bei Corinna H. hat es geklappt

 
Wie soll man einem neuen Arbeitgeber diesen Bruch im Lebenslauf vermitteln? Aber auch Corinna H. hat monatelang zu kämpfen, bis sich endlich eine neue Chance ergibt. Sie erscheint durch ihre Stimme und ihre Körpersprache zwar deutlich kämpferischer. Dennoch, als sie endlich eine neue Chance bekommt, ist ihr die Erleichterung deutlich anzumerken. Ihre neue Chefin sieht es sogar als Vorteil, dass sie älter ist als der durchschnittliche Arbeitnehmer in ihrem Betrieb.
 
Anders Hans-Christoph B. Er wollte sich als Mediator selbständig machen. Passende Räumlichkeiten hat er ausfindig gemacht. Bei einer Testsitzung mit Freunden fielen die Kommentare über seine Fähigkeiten als Mittler sehr positiv aus. Aber die Bank hat ihm den dafür nötigen Kredit nicht genehmigt. Er schlägt sich deswegen in München als Touristenführer durch. Erlebt er diese Situation als Demütigung?

Am Ende eher ratlos

 
 Zwar spricht er davon, dass er sein Selbstbewusstsein nicht nur von seiner Arbeitsstelle abhängig machen und sich breiter aufstellen wolle. Es klingt jedoch nicht danach, als würde er wirklich an das glauben, was er sagt. Und es ist der Sendung hoch anzurechnen, dass sie auch für das Gefühl von Hilflosigkeit und Ratlosigkeit genügend Raum lässt – Hans-Christoph B. ist schließlich kein Einzelfall.

Die ganze Dokumentation gibt es hier
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