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TV-Kritik: "Wer bremst, verliert": Vernunft ist besser als Vollgas

Von "Der Alte" ist zurück: Der Auftakt führt Richard Voss und seine Mitarbeiter in die Raserszene. Allein schon das hervorragende Final macht den Krimi sehenswert.
Kevin (Julian Bayer, l.) und Göran (Bejean Jaye Banner) sind geschockt: Bens Auto ist nach dem illegalen Straßenrennen nur noch ein Schrotthaufen. Foto: ZDF/Hendrik Heiden Kevin (Julian Bayer, l.) und Göran (Bejean Jaye Banner) sind geschockt: Bens Auto ist nach dem illegalen Straßenrennen nur noch ein Schrotthaufen.

Illegale Autorennen fordern immer wieder Menschenleben. Erst kürzlich kippte der BGH ein Gerichtsurteil, das zwei Totraser als Mörder für schuldig befand. In zahlreichen hessischen Städten traf sich am "Car-Freitag" die Tuning-Szene, ein oft von krassen Tempoverstößen begleitetes Ereignis. Bei einem Kriminalfilm, der in der Welt der Raser spielt, sehen sich die Macher deswegen mit besonderen Herausforderungen konfrontiert.

Es ist problematisch, die Szene abzubilden, ohne dass eine gewisse schillernde Faszination junge Zuschauer zum Nachmachen animieren könnte. Der Auftakt zur neuen Staffel von "Der Alte" zeigt deswegen nicht nur einen Überschlag bei einem illegalen Rennen in allen Details, sondern auch die Folgen der tödlichen Raserei: eine Leiche, die keinen heilen Knochen mehr im Leib hat, trauernde Angehörige oder eine junge Frau, die einen Zusammenstoß mit einem Raser nicht überlebte.

Der manipulierte Reifen

Der Tote hieß Ben Welz und die Ursache für seinen tödlichen Unfall war ein angeritzter Reifen an seinem Auto. Kommissar Richard Voss (Jan Gregor Kemp) ermittelt deswegen mit seinem Team wegen Mordes. Welz‘ Vater Andreas (Michael von Au) setzte sich als verkehrspolitischer Sprecher der Landesregierung für Tempolimits und strengere Emissionswerte ein, worüber sich sein Sohn öffentlich im Netz lustig machte.

 
Bald stellt sich heraus,  dass Ben Welz einst als Beifahrer in einen Unfall verwickelt war, der eine junge Frau das Leben kostete.  Als Täter ging damals Amir Sheikk (Onur Akkilic), der ebenfalls in der Rasergang verkehrte. Sein Vater verstieß ihn deswegen. Aber war Amir damals wirklich nur Beifahrer? Ein Zeuge behauptete, gesehen zu haben, wie Amir und Ben Welz die Plätze tauschten. Hat das etwas mit seinem Tod zu tun?

Väter und Söhne

Der Plot enthält mit Amir und Ben gleich zwei verwickelte Beziehungen zwischen Söhnen und ihren Vätern mit unterschiedlichen Wertvorstellungen. Die Verstrickungen lösen sich erst gegen Ende wirklich auf, zeigen sich aber übersichtlich gestaltet. Als dubiose Randfigur im Geschehen gibt Harald Schrott eine gute Figur ab: Er spielt Frank Botero, einen Auto-Lobbyisten, gegen dessen McLaren-Sportwagen das tödliche Rennen stattfand.

Etwas Ironie hat dabei auch noch Platz. Das Milieu der Raser mit Sisha-Bar, Machismo, Aggressivität und viel Hohlheit und Angeberei spiegelt "Wer bremst, verliert" glaubwürdig wider. Das überraschende Finale ragt besonders heraus, aber zum Nachmachen verleitet der Krimi gewiss nicht. Drehbuch und Regie haben einen Film gemacht, der eher viele junge Fahrer dazu verleiten könnte, das Gehirn einzuschalten statt das Gaspedal durchzutreten.

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