Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

TV-Kritik: "Wie gerecht ist Deutschland?": Der steigende Anteil der Oberschicht

Vom Milliardär bis zum Fernfahrer: Die Sendung "ZDFzeit" beleuchtet näher, wie es um die Vermögensverteilung in Deutschland steht.
Milliardär Klaus-Michael Kühne (li.) ist ein Unternehmer der alten Schule. Foto: Christian Bock Milliardär Klaus-Michael Kühne (li.) ist ein Unternehmer der alten Schule.
Keine leichte Sache, so ein Vermögenscheck im Fernsehen. Wo fängt man an? "Deutschland ist eines der reichsten Länder der Welt" eröffnet eine Sprecherin die Sendung und präsentiert dazu eine Szenerie mit Schloss und in Weiß gekleideten Debütantinnen. Auch später geht es öfters um Bälle, und Veranstaltungen der High Society. Gesellschaftsfotografen erzählen dazu so über ihre Erfahrungen mit denen, die dazugehören.    
 
Was dabei eher außen vor bleibt: Was nach entspanntem Freizeitvergnügen aussieht, ist eigentlich harte Arbeit. Wie man sich nach außen hin verkauft, spielt keine geringe Rolle. Alexander Prinz zu Schaumburg-Lippe hätte zu dem Thema auch noch mehr sagen können. Er erzählt aber lieber von der Vergangenheit, als seine Familie die fünftreichste in Deutschland war. 16 Milliarden betrug das Familienvermögen noch in der Kaiserzeit.
 

Seit zehn Jahren kein Urlaub mehr

 
Mittlerweile ging ein Teil des Vermögens im Casino von Monte Carlo verloren.  Weitaus interessanter und für Normalbürger nachvollziehbarer geht es bei denen zu, die weder richtig reich noch im eigentlichen Sinne arm sind. Wie Fernfahrer Matthias Heuer, der um die 1800 Euro im Monat nach Hause bringt. Seine Frau arbeitet nebenher noch in einem Zeitungsvertrieb für Mindestlohn von 8,84 Euro/Stunde. Das ergibt nochmals knapp 500 Euro im Monat. Dazu kommen weitere 600 Euro Kindergeld.
 
Zum Vergleich: Bis zu einem Netto-Monatseinkommen von 969 Euro im Monat gilt ein Single als arm. Bei Familien mit zwei Kindern liegt die Armutsgrenze bei 2035 Euro im Monat. Große Sprünge kann Familie Heuer nicht machen. Seit zehn Jahren ist kein Urlaub mehr möglich. Der sinkende Anteil großer Bevölkerungsteile am Konsum ist Gegenstand heftiger Debatten. Denn durch die massive Ausweitung von Leiharbeit haben große Einkommensschichten überhaupt nicht vom Wirtschaftswachstum mitprofitiert.
 

Eigenes Haus bleibt für viele ein Traum

 
Im Gegenteil: Die steigenden Preise machen es zunehmend unmöglich, den klassischen Weg zum Vermögensaufbau zu beschreiten. Dazu gehört regelmäßig die Anschaffung eines eigenen Hauses. Das Geld dafür ist zwar zu mittlerweile sehr günstigen Konditionen zu haben. Die niedrigen Zinsen haben aber im Gegenzug die Preise explodieren lassen. Sparer haben dabei das Nachsehen, was längst bekannt ist.
 
Die wichtigsten Daten und Fakten gehen in der Sendung eher unter. Den reichsten zehn Prozent gehörten in Deutschland im Jahr 1970 etwa 40 Prozent des Gesamtvermögens. Mittlerweile ist der Anteil der Gruppe am Gesamtvermögen auf gewaltige 70 Prozent gestiegen. Auch wenn es sich dabei nur um Schätzungen handelt: Es ist eine Entwicklung, die hellhörig machen muss.
 
Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse