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TV-Kritik: "Wir lieben das Leben": Wie man Klischees gekonnt verarbeitet

Von Eine Schule als letzte Chance: Petra Schmidt-Schaller als gestresst-chaotische Lehrerin ist nicht der einzige Grund, diese ZDF-Dramödie zu empfehlen.
Maria Kowalke (Petra Schmidt-Schaller) wird von Rektor Günther Gerngross (Alexander Beyer) als Musiklehrerin eingesetzt, obwohl das gar nicht ihr Fach ist. Foto: ZDF und Julia von Vietinghoff Maria Kowalke (Petra Schmidt-Schaller) wird von Rektor Günther Gerngross (Alexander Beyer) als Musiklehrerin eingesetzt, obwohl das gar nicht ihr Fach ist.

 

Bei Maria Kowalke (Petra Schmidt-Schaller) ist das Chaos Programm: Ihre Arbeit als Lehrerin hat sie schon vor Jahren geschmissen, ist um die Welt gereist und als Galeristin und Ehefrau gescheitert. Jetzt will sie dringend in den Schuldienst zurück und erzählt Direktor Gerngross (Alexander Beyer) sogar die Wahrheit. Und bekommt tatsächlich den Job. Freilich nicht für ihr Fach Kunsterziehung,  sondern für Musik.

Ihre lustlosen und herumpubertierenden Schüler dort  sind aber nicht ihr einziges Problem. Nebenher muss sie sich nämlich noch mit ihrem Vater Max Schellinger (Günther Maria Halmer) herumärgern. Der soll sich in einer Berliner Seniorenresidenz einleben, ergreift dort aber regelmäßig die Flucht und steht dann vor der Tür seiner Tochter. Die außerdem mit ihrem Ex-Mann um ihr Auto streitet, einen alten Mercedes, der schon bessere Tage gesehen hat.

Der Vater vom alten Schlag

Unter diesen Umständen mit der Klasse für eine Benefizveranstaltung den Vicky-Leandros-Schlager "Ich liebe das Leben" einzustudieren, wird also zu einer harten Herausforderung. Und bereitet dem Zuschauer eine  echte Überraschung. Denn eigentlich verwurstet die Geschichte ziemlich viele Klischees. Max Schellinger etwa ist ein pensionierter Oberst, der den Mangel an Zucht und Ordnung wie auch die um sich greifende Verweichlichung beklagt und sich als besorgter Bürger versteht.

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Mitunter erscheint das forsch-saloppe Auftreten Marias vor ihrer Klasse auch schon ein wenig dick aufgetragen, wäre es nicht von Petra Schmidt-Schaller so überzeugend gespielt. Allerdings muss man Regisseur Sherry Hormann auch sonst bescheinigen, dass er einen guten Job abgeliefert hat:  Immer wieder hat er es geschafft, aus dem eigentlich oft etwas zusammengewürfelten und nicht immer glaubwürdigen Drehbuch etliche starke Szenen herauszuholen.

Starkes Vater-Tochter-Gespann

Das liegt natürlich auch an der Hauptdarstellerin: Petra Schmidt-Schaller gibt Maria oft etwas Gehetztes, Drängendes, was das Interesse hoch hält: Als Frau, deren Leben sich als große Baustelle zeigt und die dennoch ihre Frau stehen will und um ihre Reputation kämpft, ist Schmidt-Schaller eine Wucht. Dazu kommt, dass sie als Frau, deren Vater die Familie verließ und die den Tod ihrer Mutter verkraften musste, mit Günther Maria Halmer einen nicht minder überzeugenden Gegenpart zur Seite gestellt bekommen hat.

Zusammen spielen die beiden sehr schön die Gegensätze aus, die in der Handlung aufeinandertreffen: Einmal das Alte, das noch Wünsche ans Leben hat und sich noch als Teil der Gesellschaft erleben will. So Schellinger, als er sich um einen kleinen Jungen kümmert. Auf der anderen Seite steht das Junge, das darum kämpft, den richtigen Platz im Leben zu finden. Was für Maria ebenso gilt wie für viele ihrer Schüler.

Das verleiht auch einigen absonderlich anmutenden Szenen – etwa wenn Maria ihre Schüler Kniebeugen und Liegestützen zur Ertüchtigung vorschreibt – eine gewisse Glaubwürdigkeit. Und gibt zusammen mit der schwungvollen Inszenierung und einigen sarkastischen Kommentaren von Mechthild Singer in ihrer Rolle der illusionslosen Rollstuhlfahrerin Hildegard Schmal einen Nuancenreichtum, der das eine oder andere Klischee spielend umschifft. Und dadurch gut gemachte Unterhaltung liefert.

 

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