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TV-Kritik: "Wir sind die Rosinskis": Prolls mit Dosenbier

Von Der Film kombiniert eine Milieustudie über die Unterschicht mit dem Fäkalhumor der 70er Jahre – mit plattem Resultat.
Von rechts: Oma Angelika (Katharina Thalbach), Schwiegersohn Torben (Milan Peschel), Enkelin Angelique (Nellie Thalbach) und ihr Freund Devid (Vincent Krüger). Foto: ARD Degeto/Daniela Incoronato Von rechts: Oma Angelika (Katharina Thalbach), Schwiegersohn Torben (Milan Peschel), Enkelin Angelique (Nellie Thalbach) und ihr Freund Devid (Vincent Krüger).
Au weh, was für eine Sippschaft: Peggy Rosinski (Anna Thalbach) aus Frankfurt an der Oder hat drei Kinder, einen arbeitslosen Nichtsnutz namens Torben (Milan Peschel) als Mann, einen Haufen unbezahlter Rechnungen und Herrn Frank (Daniel Krauss), einen Sachbearbeiter vom Amt, im Nacken. Dazu kommt noch ihre Mutter Angelika (Katharina Thalbach), die mit brummbärtiefer Raucherstimme spricht und selbst nachts noch ihre Sonnenbrille trägt. Kein Wunder, sie dreht mit Vorliebe krumme Dinger, in die sie auch Torben mit einspannen will.
 
Aber das lässt Peggy nicht zu. Allerdings hat mittlerweile das Haus keinen Strom mehr und sie selbst ihren Job verloren, weil sie als Geburtstagsgeschenk für ihren kleinen Sohn einen Bademantel von ihrer Arbeitsstelle hat mitgehen lassen. Tochter Angelique (Nellie Thalbach)will ein Kosmetikstudio eröffnen und die Mafia-Oma hat schon die nächste krumme Tour im Auge, während sie die Verwandtschaft  in ihrem Auto ausgerechnet in einem alten Polizei-Bus oder anderen dicken Autos herumkutschiert.

Kotzende Kinder dürfen nicht fehlen

Erinnert sich noch in die als enorm erfolgreiche Filmreihe "Lass jucken, Kumpel" aus den siebziger Jahren? So ähnlich, wenn auch natürlich nicht so explizit pornographisch geht es auch bei Rosinskis ab. Prollig, billig, schrottig, aber dennoch meist lustig und vergnügt. Da wird auch mal auf die Schnelle zwischendrin im Maisfeld eine heiße Nummer geschoben, ständig glühen Zigaretten – ok, das sieht man auch in anderen TV-Filmen – und Bier und andere Getränke fließt nur aus Dosen, das aber reichlich. Der 70er Jahre-Touch kommt dabei vor allem durch die Musik.

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Und wie sich das für eine richtige Prollkomödie gehört, kommen auch Körperflüssigkeiten dekorativ zum Einsatz, etwa durch ein kotzendes Kind auf einer Geburtstagsfeier. Witzig, oder? Na schön, aber funktioniert der Streifen wenigstens als halbwegs realistische Milieustudie? Einigermaßen schon, aber so lustig und knallbunt wie bei Rosinskis geht es in der Unterschicht garantiert nicht zu. Dass der Film ständig mit Gewalt auf Komödie machen will, wirkt sich nachteilig aus.

Überwiegend billige Kalauer

Er wirkt weit besser und eindringlicher, wenn er mal ruhige Töne anschlägt, etwa wenn Anna Thalbach mit frustrierter Miene im Arbeitsamt sitzt. Zwar eignet sich Armut und Hoffnungslosigkeit schon als Hintergrund für Witze – fast alle Filme von Charlie Chaplin funktionieren auf diese Art – aber was hier dabei rauskommt, sind oft nur ziemlich billige Gags. Auch in Sachen Tempo und Stringenz hat "Wir sind die Rosinskis" seine Probleme.

Über weite Strecken dümpelt die Geschichte ziemlich mühsam und von Kalauern durchzogen vor sich hin. Dass dabei drei Generationen der Schauspieler-Familie Thalbach als Oma, Mutter und Enkelin vor der Kamera stehen, hilft auch nicht viel. Katharina Thalbach kommt durch die Sonnenbrille ohnehin nicht richtig zur Geltung. Die anderen Schauspieler schaffen es zwar, als Prolls ziemlich realistisch rüberzukommen, aber den Ideenmangel in der Handlung können auch sie nur phasenweise kompensieren.
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