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TV-Kritik: „Wo Armut Alltag ist“: Das ist Deutschlands ärmster Stadtteil

Hier leben die ärmsten Deutschen: Fast vierzig Prozent können ihre Schulden nicht bezahlen, es gibt eine hohe Arbeitslosigkeit.
Frank engagiert sich bei der Tafel in Lehe. Hier gibt es Lebensmittel fast umsonst. Foto: Christiane Schmidt Frank engagiert sich bei der Tafel in Lehe. Hier gibt es Lebensmittel fast umsonst.
Beim ersten Anblick strahlt Bremerhaven-Lehe eine gewisse Behaglichkeit aus, vor allem durch seine reichliche Altbausubstanz aus der Gründerzeit. Wer aber genauer hinsieht, entdeckt, dass viele Wohnungen leer stehen, viele Häuser einen ungepflegten Eindruck hinterlassen und auch die Menschen hier nicht nach der neuesten Mode gekleidet sind. Das hat einen traurigen Hintergrund: Bremerhaven-Lehe ist laut dem Schuldneratlas der ärmste Stadtteil Deutschlands.

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Rund 37.500 Menschen leben hier, von denen an die vierzig Prozent ihre Schulden nicht bezahlen können. Ebenfalls an die vierzig Prozent liegt die Arbeitslosenquote. Viele Anwohner leben von Hartz IV. In diesem Szenario der Armut erstaunt jedoch der robuste Selbstbehauptungswille und die Leistungsbereitschaft vieler Menschen hier. Die 37°-Sendung stellt drei von ihnen näher vor: Heidi, eine Rentnerin von 76 Jahren, Frank, 51, und Andrea, 44 Jahre alt.

Die besseren Zeiten sind vorbei

Sie haben oft schon bessere Zeiten erlebt. Heidi war mit einem Kapitän verheiratet, der ihr ein komfortables Leben bieten konnte. Sie spricht von Reisen, flotten Autos, ihren Kindern. Doch dann kam die Scheidung. Heidi führte einen Imbiss, wollte finanziell von ihrem Mann unabhängig sein. Nach acht Jahren war das Geschäft pleite und ihr Geld aufgebraucht. Heidi arbeitete anschließend als Reinigungskraft.
 
Armut heißt oft auch, am gesellschaftlichen Leben nicht mehr teilnehmen zu können. Das macht die Sendung in vielen Szenen schmerzhaft deutlich. Wenn etwa Heidi erzählt, wie sich nach der Scheidung viele Bekannte von ihr abgewandt haben. Wenn eine alte Freundin sie traf, als sie einen Parkplatz an einem Supermarkt saubermachte und sie entsetzt fragte, ob sie denn das nötig habe. Die Scham, die Demütigung in solchen Situationen wird körperlich spürbar.

Was von der Ehe übrig blieb

Aber auch der Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen. Dieser Wille ist unverzichtbar, um noch weitermachen zu können. Andrea, eine gelernte Einzelhandelskauffrau, nahm auf ihren Namen einen Kredit auf, um die Geschäfte ihres Mannes noch am Laufen zu halten. Er selbst bekam keinen Kredit mehr. Doch dann wandte sich der Mann einer anderen Frau zu. Andrea blieb auf ihren Schulden und mit zwei kleinen Kindern sitzen.
 
Es folgten schwere gesundheitliche und psychische Probleme. Die Schulden blieben ihr, ebenso ein Eintrag bei der Auskunftsdatei Schufa. Dieser Eintrag erschwert ihr die Wohnungssuche nachhaltig. Dass es keine Mietschulden sind, kümmert ihre potentiellen Vermieter nicht. Sie lebt in einer WG. Eine frustrierende Situation für die Frau, die immer ihre eigene Wohnung hatte.

Hauptsache, noch gebraucht zu werden

Um überhaupt noch Kontakte nach draußen zu haben und nicht ständig zuhause die Wände anstarren zu müssen, engagieren sich viele Arme neben ihren Mini-Jobs noch bei der Tafel. Dort gibt es Lebensmittel fast umsonst, dort können sie sich das Gefühl erarbeiten, noch gebraucht zu werden.
 
Es gibt Hoffnung, aber wenn noch Familie da ist, entstehen auch Sorgen um die Zukunft der Kinder, die besonders bei Frank und seiner Frau Davina deutlich wird. Die 37°-Sendung zeigt das Leben auf der Schattenseite der Gesellschaft so hautnah wie einst TV-Klassiker wie „Ein Unding der Liebe“. Es sollte mehr solche Beiträge geben.
Mit freundlichen Grüßen
 
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