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TV-Kritik: "Wunschkinder": Spannender als viele Krimis

Von Als der Wunsch nach einem eigenen Kind qualvoll scheitert, will ein Paar ein Mädchen aus Russland adoptieren. Dieser Film geht unter die Haut!
Marie (Victoria Mayer) hofft beim Arztbesuch bei  Dr.Tastan (Ercan Durmaz) auf gute Neuigkeiten. Foto: WDR Presse und Information/Bildk Marie (Victoria Mayer) hofft beim Arztbesuch bei Dr.Tastan (Ercan Durmaz) auf gute Neuigkeiten.
Gesichter sagen oft mehr als Worte. So die von Marie (Victoria Meyer) und Peter Meisner (Godehard Giese). Wenn es im gemeinsamen Leben eigentlich gut läuft, aber der sehnsüchtigste Wunsch unerfüllt bleibt – der nach einem gemeinsamen Kind. Wenn die Fruchtblase leer bleibt. Oder das Herz des Kindes in Maries Bauch nicht mehr schlägt. Erstaunlich, wie emotional dieser Film wirkt, obwohl die beiden Hauptdarsteller so zurückhaltend agieren.
 
Um ein Kind hat die ARD im vergangenen Jahr schon einmal einen der berührendsten und emotionalsten Filme überhaupt gedreht: "Nur eine Handvoll Leben" handelte von einem durch Trisomie 18 totgeweihten Baby. Babys spielen auch hier eine wichtige Rolle. Nach dem Tod von Maries ungeborenem Kind entscheidet sich das Paar, ein kleines Mädchen aus einem russischen Kinderheim zu adoptieren.

Emotion mit leisen Tönen

Es sieht nicht gut aus in dem Land, das Marie und Peter besuchen. Jahrzehnte Kommunismus haben ihre Spuren hinterlassen, bis heute. Aber die Russen, die Dolmetscherin und ihr Sohn, die Pflegerinnen im Kinderheim beweisen Anteilnahme, Wärme. Selbst die knallharte Amtsrichterin, die wegen Formfehler den Adoptionswunsch abschmettert, zeigt eine Spur von Emotion, am Gerichtsprotokoll vorbei.

Hier geht es zum Film
 
Der Film verzichtet auf dramatische Szenen. Ein Ausbruch von Victoria, als sie den Tod ihres Kindes erkennen muss, ist da bis zum Schluss schon fast alles. Ein Film der leisen Töne, von entsprechender Musik (Christoph M. Kaiser und Julian Maas) untermalt, der sich einerseits fast dokumentarisch gibt, aber die Emotionen der handelnden Charaktere bis ins Letzte auslotet. Marie und Peter schweißt der gemeinsame Kinderwunsch zusammen. Bei Sandra (Silke Bodenbender) und Martin Heim (Arnd Klawitter), einem mit Marie und Peter befreundeten Ehepaar, wird es anders laufen: Ein Kind war mehr Sandras als Martins Wunsch.

Spannung durch Warten

Und Sandra konnte sich zuvor auch nicht mit Victoria über ihre Schwangerschaft freuen. Ein unerfüllter Kinderwunsch kann auch peinlich eifersüchtig machen. Aber wie weit geht die Loyalität zu einem Kind? Die beiden haben nur wenige Chancen, vor einem Amtsgericht in Moskau gegen die Ablehnung von Nina, dem kleinen russischen Mädchen, erfolgreich Widerspruch einzulegen. Es gäbe andere Möglichkeiten, andere Kinder. Mit Geld kann man da viel erreichen, und gegen Korruption haben Ausländer in Russland nichts, solange sie davon profitieren.
 
 Aber das wollen Marie und Peter nicht. Sie wollen den legalen Weg gehen, aber das kostet ungeheure Kraft. Und immer wieder das Warten, diese nervenzehrende Untätigkeit, die Hilflosigkeit. Das leere Kinderzimmer, die Erschöpfung, die Frustration. Die harte Reaktion Peters auf gut gemeinte Ratschläge seines Chefs (Ernst Störtzner). Und diese Hochspannung, die der Film, der nach einer wahren Geschichte entstand, bis ganz am Ende aus diesen Szenen zieht – da können viele Krimis schon längst nicht mehr mithalten.


 
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