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TV-Kritik: "Zeit der Frösche": Dieser "Tatort" war eine echte Überraschung

Von Heike Makatsch zum zweiten Mal als Kommissarin Berlinger in Aktion: Warum das diesmal weit besser funktioniert als im Erstling.
Was hat Jonas (Luis Kurecki) mit Maries Tod zu tun? Kommissarin Ellen Berlinger versucht, die Wahrheit aus ihrem Neffen herauszubekommen. Bild: SWR/Julia Terjung Foto: (SWR-Presse/Bildkommunikation) Was hat Jonas (Luis Kurecki) mit Maries Tod zu tun? Kommissarin Ellen Berlinger versucht, die Wahrheit aus ihrem Neffen herauszubekommen. Bild: SWR/Julia Terjung

Die Erwartungen waren nicht hoch, wenn Heike Makatsch wieder als Kommissarin Ellen Berlinger auf Verbrecherjagd geht: Schließlich gehört ihr Debüt in "Fünf Minuten Himmel" in Freiburg zu den absoluten Tiefpunkten der "Tatort"-Geschichte. Eine stümperhaft zusammengeschusterte Geschichte plus eine Kommissarin mit gezückter Waffe und Babybauch. Und das nicht einmal als Parodie, sondern ernst gemeint.

Mittlerweile ist Ellen Berlinger Mutter geworden und hat während der Geschichte ihre liebe Mühe, ihre kleine Tochter stets gut und sicher unterzubringen. Ihre Cousine Maja Ginori (Jule Böwe) und deren Mann Enzo (Jan Messutat) verhalten sich hilfsbereit, stehen aber auch nicht immer zur Verfügung. Deswegen versucht sogar ein hartnäckiger Kita-Betreuer seinen Charme an der Kriminalistin.

Der verschwundene Neffe

Es reicht aber gerademal zu einem Besuch. Berlinger und ihr Kollege Martin Rascher (Sebastian Blomberg) müssen den Tod der 16-jährigen Marie aufklären. Die Schülerin verschwand nach einer Party. Was auf der Party außerdem noch passierte, versetzt die Kommissarin in helle Aufregung: Ihr Neffe Jonas (Luis Kurecki), der hochbegabte Sohn ihrer Cousine, hatte Marie angesprochen. Jetzt ist er spurlos verschwunden.

Ein blutverschmierter Kapuzenpullover aus der Altkleidersammlung entpuppt sich als ein Kleidungsstück von Jonas. Der mathematisch hochbegabte wie latent autistische Junge, der sogar dem drei Jahre älteren Schüler Max Linner (Paul Michael Stiehler) Nachhilfe gibt, wirkt anfangs etwas konstruiert. Aber wie die Geschichte am Ende die tragische Verstrickung zwischen Max, Marie und Jonas auflöst, macht diesen "Tatort" tatsächlich sehenswert.

Kleine Schwächen zwischendurch

Wie der Krimi dadurch am Ende die Spannungsschraube andreht, entpuppt sich als echte Überraschung. Zwischendrin hat der Plot etwas Mühe, den Zuschauer bei der Stange zu halten: Die Lösegeldforderung eines Trittbrettfahrers wurde ungelenk in die Geschichte hineinkonstruiert, und wenn bei einem mutmaßlichen Kindermörder nur zwei Polizisten vor der Tür stehen statt einer ganzen SEK-Truppe, leidet unnötig die Glaubwürdigkeit.

Dafür entschädigt allerdings Heike Makatsch, die sich diesmal deutlich besser in Szene setzen kann. Schon durch die veränderte Frisur, die weit besser zu ihrem Typ passt als die langen Haare in "Fünf Minuten Himmel", tritt sie viel mehr wie eine Frau mit Kompetenz und Autorität auf. In ihren Szenen mit dem Kita-Betreuer muss sie zwar ziemlich schnell zwischen lässiger Anziehung und Kratzbürstigkeit hin- und herschalten.

Eine solide Sache

Aber ihre Beziehung mit ihrem Neffen Jonas, zu dem sie ein fast schon ebenfalls mütterliches Verhältnis pflegt, gibt der Geschichte eine solide emotionale Grundlage. So solide, dass es nicht einmal wirklich stört, wenn Ellen Berlinger durch ihre Verwandtschaft mit Jonas persönlich in den Fall involviert ist. Hier steigert es sogar die Spannung, wenn das Drehbuch die Lösung bis kurz vor Schluss hinauszögert.

Der Umzug von Freiburg nach Mainz hat Ellen Berlinger also sichtlich gut getan. Und die Zusammenarbeit mit ihrem mitfühlenden Kollegen Rascher dürfte auch noch für manche Überraschung gut sein. "Zeit der Frösche" zeigt zwar noch Luft nach oben, überrascht aber als solider Sonntagskrimi.

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