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TV-Kritik: "Zielfahnder": Das Beste kommt am Schluss

Von Trotz prominenter Besetzung reißt der neue ARD-Krimi nicht wirklich vom Hocker. Es fehlt unter anderem an Tempo.
Die Zielfahnderin Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) und ihr Kollege Sven Schröder (Ronald Zehrfeld) jagen einen Ausbrecher. Foto: ARD Degeto / WDR / Wiedemann & Berg / Thomas Kost Die Zielfahnderin Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) und ihr Kollege Sven Schröder (Ronald Zehrfeld) jagen einen Ausbrecher.
Liviu Caramitru (Dragos Bucur), ein Krimineller aus Rumänien, bricht aus einer Haftanstalt aus und flüchtet Richtung Osten. Die Zielfahnder Hanna Landauer (Ulrike C. Tscharre) und Sven Schröder (Ronald Zehrfeld) vom LKA Nordrhein-Westfahlen sind ihm dicht auf den Fersen. Doch an der polnischen Grenze schafft es Caramitru, seinen Verfolgern zu entwischen. Hanna Landauer hat mit Caramitru noch eine persönliche Rechnung offen, seit der bei einem Einsatz auch durch ihr persönliches Versagen ihren Partner Paul Lindner (Florian Lange) angeschossen hat.
 
Auch Sven Schröder hat privat Probleme. Die Jagd nach dem flüchtigen Verbrecher führt ihn und Hanna Landauer zunächst nach Bukarest, wo sie ausgiebig Gelegenheit haben, die örtliche Polizei kennenzulernen. Anschließend kommen sie ins ländliche Rumänien, wo Caramitru bestens verwurzelt und vernetzt ist. Aber das ist nicht alles, was ihnen Probleme bereitet. Es gibt auch eine undichte Stelle zuhause, womit keiner gerechnet hat. In der Wildnis kommt es schließlich zum milieugerechten Showdown.

Gute Ideen nicht ausgearbeitet

Und dieser Showdown ist tatsächlich der Höhepunkt des Films, der formal wie inhaltlich dem Krimi-Genre neue Impulse verleihen will. Tatsächlich liest sich das auf den ersten Blick ja auch verheißungsvoll: Eine waghalsige Flucht aus dem Gefängnis, eine Menschenjagd durch halb Europa und schließlich ein Showdown in der Felsenlandschaft der Karpaten. Was ja schon der Zusatztitel "Flucht in die Karpaten" verheißt. Indessen:  Auch mehrere gute Ideen bedeuten noch lange nicht automatisch einen guten Film. Wie schon das 1000. "Tatort"-Jubiläum "Taxi nach Leipzig" sehr anschaulich zeigte.

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Für "Flucht in die Karpaten" gerät es im Handlungsverlauf immer stärker zum Problem, dass er mit Gewalt gängige Krimi-Konventionen aufbrechen will. Die Regie versucht, mit einer Überfülle an schnellen Schnitten und Zooms dem Geschehen eine Dynamik zu verleihen, die das Drehbuch einfach nicht hergibt. Deswegen kommt meist Hektik dabei heraus. Wenn es dann wirklich mal dramatischer sein soll, reißt die Szene aber nur schwach mit, weil das ziemlich willkürlich geschnitten und aneinander geklatscht ist.

Im "Tatort" ist die Action besser

Besonders gut feststellen kann man das anhand der Verfolgungsjagd an der deutsch-polnischen Grenze. Wer wirklich gute TV-Action sehen will, sollte sich zum Vergleich einmal die "Tatort"“-Krimis "Fegefeuer" oder "Brüder" anschauen. Die wenig stringente Geschichte hier ermüdet eher, als zu fesseln. Wenn es um die privaten Probleme der Ermittler geht oder auch in dem Dorf in Rumänien tritt die Geschichte eine überaus gemächliche Gangart an.
 
Die rumänischen Polizisten und örtliche Hochzeitsfolklore kommt ausgiebig zur Geltung, aber wenn dann plötzlich eine undichte Stelle zuhause auftaucht, geht es um Leute, die schon lange nicht mehr präsent waren. Hier gerät die Geschichte chaotisch und unübersichtlich. Erst gegen Ende nimmt sie endlich wieder an Fahrt auf, und der Showdown am Felsenhang zeigt deutlich, welches Potential in der Handlung gesteckt hat. Das Problem ist aber das Vorher.
 
Der Funke will über weite Strecken einfach nicht überspringen. Auch der Versuch, mit sehr freizügigen Szenen etwas Erotik ins Geschehen zu bringen, kann daran nicht wesentlich etwas ändern. Es gibt zwar immer wieder gute Ideen wie eine sehr schöne Unterhaltung der Zielfahnder mit einem rumänischen Polizisten bei mehreren Gläsern Schnaps, aber die reichen einfach nicht aus, um den ganzen Film zu tragen. Erst der wirklich gute Showdown an der Felsenwand reißt es halbwegs wieder raus.
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