Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

TV-Kritik: "Zu teuer, zu klein, schon weg": So schwierig ist die Wohnungssuche

Von Wenn die Situation in den heimischen vier Wänden zum Albtraum wird: Die Sendung "37°" begleitet Familien in drei deutschen Großstädten durch ihren zermürbenden Alltag.
Angelina (34) und Sven (29) aus München wohnen mit ihren beiden Söhnen auf 54 Quadratmetern. Foto: Almut Faass Angelina (34) und Sven (29) aus München wohnen mit ihren beiden Söhnen auf 54 Quadratmetern.

Die Zahl, die in der Reportage fällt, jagt Angst ein: Eine Million Wohnungen fehlen in Deutschland. Besonders Familien müssen hart darum kämpfen, und am schlimmsten sieht es dort aus, wo die Mieten ohnehin schon besonders hoch sind. Etwa in München oder Stuttgart, aber auch in Hamburg sieht es nicht wirklich besser aus. Die 37°-Sendung hat in den Metropolen drei Familien hautnah auf der Suche begleitet. Viele Eindrücke vermitteln Eindrücke, die Platzangst auslösen könnten.

Besonders bei Angelina (34) und Sven (29), die mit ihren beiden Söhnen Alessandro (9) und Lautaro (2) in einer kleinen Zweizimmerwohnung zusammengepfercht leben: 54 Quadratmeter für einen Vier-Personen-Haushalt. Die beiden Jungen müssen sich ein Zimmer teilen, ein Schlafzimmer für die Eltern gibt es nicht. Wenn Angelina und Sven ihr Schlafsofa aufklappen, ist das Wohnzimmer voll. Die beiden hätten gerne noch ein drittes Kind, aber daran ist in der drangvollen Enge nicht zu denken.

Für 1000 Euro gibt es in München nichts

Das Aufeinander-Kauern lässt Aggressionen entstehen, auch innerhalb der Ehe. Sven, von Beruf Spediteur, der in der Gegend aufgewachsen ist, macht einen ruhigen und besonnenen  Eindruck. Aber ein klein wenig Dampf lässt er dennoch ab, als er fragt, ob in München nur noch Manager oder Vorstände mit entsprechendem Gehalt wohnen sollen. Das Paar könnte es sich leisten, 1000 Euro im Monat für die Miete auszugeben. Aber zu diesen Konditionen ist in München für die vierköpfige Familie nichts zu haben.

Ivana (43), eine selbständige Kosmetikerin, wohnt mit ihren beiden Kindern in der Stuttgarter Innenstadt. Ihr Vermieter hat ihr gekündigt, seitdem ist sie verzweifelt auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Das ständige Suchen zerrt an den Nerven und bedroht ihre Existenz: Ihre Kunden wollen jemanden erleben, der Ruhe ausstrahlt und bei dem sie sich entspannen können. Wenn Ivana ihre Sorgen offen zeigt, riskiert sie, Kunden zu verlieren.

Gebaut wird schon – aber nur für Reiche

Michaela (41) lebt und arbeitet in Hamburg. Sie wohnt zusammen mit ihrer Mutter. Sie führt mit ihrem Vermieter einen zähen Kleinkrieg gegen dessen Versuche, die Miete zu erhöhen. Zwar beobachtet sie den Bau neuer Wohnungen in Hamburg, aber nicht für Normalverdiener: Es sind Eigentumswohnungen ausschließlich im Hochpreis-Segment. Die Eindrücke aus Hamburg, Stuttgart und München vermitteln durchweg das gleiche Bild.

Der Film konzentriert sich darauf, die Probleme der Mieter hautnah zu vermitteln. Viele Szenen wirken lange nach. Auf die Gründe geht die Reportage aber kaum ein. Das die Geldschwemme der EZB durch die Zinssenkung im Jahr 2009 vor allem in die Spekulation fließt und dadurch die Preise für alles, womit sich spekulieren lässt – darunter eben auch Immobilien – hat explodieren lassen, ist einer der Hauptursachen.

Seitdem steigen Häuser- und Wohnungspreise vor allem in Ballungsgebieten ins Astronomische. Bei Luxuswohnungen geht es für Käufer oft gar nicht mehr darum,  darin zu wohnen, sondern Geld zu parken. Eine perverse Entwicklung, deren Folgen der Mittelstand auszubaden hat. Eine Politik, deren Folgen sich zunehmend nur noch Topverdiener leisten können.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse