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TV-Kritik "Wendehammer": Zum Abgewöhnen - So schwach war der neue "Tatort" aus Frankfurt

Brix und Janneke? Das war schon mal besser als in "Wendehammer" , schreibt unser Autor über den neuen Tatort-Krimi aus Frankfurt.
Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich) untersuchen das Verschwinden eines Mannes, der ermordet worden sein könnte. Foto: (HR/Pressestelle) Paul Brix (Wolfram Koch) und Anna Janneke (Margarita Broich) untersuchen das Verschwinden eines Mannes, der ermordet worden sein könnte.
Frankfurt. 
 
So bitte nicht: Vollgestopft mit halbfertigen Ideen erweist sich diese krause Science-Fiction-Geschichte als echter Langweiler.
 
Cyberworld zum Dritten: Nach "HAL" aus Stuttgart und dem Bremer Beitrag „Echolot“ versucht sich nun auch der Frankfurter „Tatort“ an einem digitalen Thema. Die Handlung dreht sich im Wesentlichen um den IT-Spezialisten Nils Engels (Jan Krauter). Die Krimi-Autorin Betti Graf (Cornelia Froboess) verdächtigt ihn, ihren Nachbarn Abendroth (Joachim Bißmeier) ermordet zu haben. Engels ist in der Nachbarschaft - alles Einfamilienhäuser in einem Wendehammer - durch sein paranoid-tyrannisches Verhalten verhasst: So hat er die Schildkröte eines Nachbarsjungen totgetreten.
 
Die Kommissare Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) untersuchen den Fall. Es fehlt ein Teppich und es gibt Blutspuren im Haus von Abendroth. Sehr bald jedoch zieht der Fall immer weitere Kreise. Spuren von Abendroth führen zu Engels, der in einem Haus wohnt, das er von seiner Großmutter geerbt hat. Er hat das Haus zu einer elektronischen Festung ausgebaut, hortet tiefgekühlte Katzen in seiner Gefriertruhe und lässt einen Baum von Abendroth absägen. Doch dann taucht Abendroth, den jeder für tot gehalten hat, auf einmal wieder auf.

"Echolot" war haushoch besser

 Von den beiden Cyberworld-Krimis funktionierte bislang nur "Echolot". Wenn es um Big Data geht, kommen gezwungenermaßen jede Menge Bilder von hämmernden Fingern auf Tastaturen und flimmernden Daten auf Bildschirmen ins Spiel. Für den Durchschnittzuschauer sind die entsprechenden Zusammenhänge oft nur schwer nachzuvollziehen und das Interesse erlahmt. "Echolot" umging dieses Problem zum einen durch eine in sich schlüssige Geschichte.
 
Dazu kam aber noch Adina Vetter, die der digitalen Welt etwas Greifbares und durch ihre androgyne Attraktivität und ihr doppelbödiges Spiel etwas Verführerisches und damit Spannendes verlieh. Im Frankfurter Tatort ist davon nichts zu merken. Es piept und flimmert wie schon in "HAL" und wie in Stuttgart darf auch hier jemand mit einem Baseball-Schläger jede Menge Bildschirme kaputtschlagen. Die Zusammenhänge bleiben nebulös, die Geschichte zeigt sich als nur ansatzweise entwickelt.

Satire ohne Witz

Dazu will dieser „Tatort“ auch noch eine Satire auf die kleine Hölle eines schwierigen Genies unter spießigen Nachbarn sein. Doch das geht erst recht daneben, weil das Drehbuch außer ins Karikaturistische verzerrten Standarttypen nicht viel zu bieten hat. Die Geschichte verzichtet anders als viele "Tatort"-Filme auf düstere Großstadt-Szenarien. Viele Szenen spielen in einer aufgeräumten Siedlung des Mittelstands. Man könnte fast meinen, man wäre am Anfang von David Lynchs Klassiker "Blue Velvet".
 
Doch von der Hinterhältigkeit dieses Films, hinter dessen gepflegten Fassaden sich ebenso perverse wie verführerische Abgründe auftun,  trennen diesen "Tatort" leider Welten. Die anfängliche Spannung durch Abendroths Verschwinden fällt mit seinem Wiederauftauchen sofort in sich zusammen. Erst mit dem Unfall des Nachbarsjungen am Zaun kommt wieder ein Hauch von Spannung auf, aber das Resultat ist dennoch hart an Langweile pur.
 
Aufgesetzte Zitate
 
Wenn Wolfram Koch einen Rekorder repariert oder auf Fliegenjagd geht, macht sich schon in den ersten Szenen eine gewisse Dösigkeit breit, die im Lauf der Handlung immer mehr zunimmt. Filmzitate aus "Die Vögel" und "Pulp Fiction" wirken aufgesetzt.  Und warum Janneke und Brix samt ihrem Chef Henning Riefenstahl (Roeland Wiesnekker) allein im Riesenbüro hocken und alle Stühle hochgestellt sind, kommt auch nicht schlüssig rüber.
 
Oder hat das Budget nicht mehr für ein paar Statisten gereicht? Nein, dieser Film war nichts, auch der eine oder andere Witz wie das Ausbremsen eines aktuellen Porsche 991 mit einem alten Porsche 924 oder die an sich schöne Schlusspointe kann da kaum noch was retten.

Von Ulrich Feld
 
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