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TV-Kritik: "Zum Teufel mit den anderen": Volltreffer!

Zwei Paare treffen sich zum gemütlichen Beisammensein. Was als entspannter Plausch beginnt, schlägt immer mehr in versteckte und offene Aggression um.
Am Grill taxieren sich Steffen (Felix Knoop) und Erik (Holger Stockhaus). Und stellen fest, dass sie wenig gemeinsam haben und der Nachmittag anstrengend werden könnte. Foto: SWR/Jochen Klenk Am Grill taxieren sich Steffen (Felix Knoop) und Erik (Holger Stockhaus). Und stellen fest, dass sie wenig gemeinsam haben und der Nachmittag anstrengend werden könnte.

Der Titel des Films verrät es schon: "Die Hölle, das sind die anderen" lautet das Motto des berühmten Stücks "Geschlossene Gesellschaft" von Jean-Paul Sartre. Um das darzustellen, braucht es bei Sartre drei Personen. Dieser Film hat vier davon: Katrin (Britta Hammerstein)und deren beste Freundin Sandra (Mira Martuschek) sowie deren Ehemänner Steffen (Felix Knopp) und Erik (Holger Stockhaus. Zwei Männer, zwei Frauen, zwei Paare.

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Und jede Menge Konfliktpotential, das sich aber dadurch zeigt, dass es sich immer wieder auflädt und entlädt. Katrin gibt die erfolgreiche Kulturmanagerin, während Sandra, einst eine brillante Studentin, sich auf die Rolle der Hausfrau und Mutter beschränkt. Eine Rolle, die sie allerdings mit Passion und der Neigung zur Perfektion ausfällt. Und das reicht ihr auch – oder doch nicht? Eine scheinbar harmlose Bemerkung ihrer Freundin über Aufgabe und die Vermeidung geistigen Stillstands kann sie jedenfalls nicht so einfach wegstecken.  

Die Figuren auf Gegensatz gebürstet

Ähnlich brodelt es aber auch schnell zwischen den Männern. Erik leitet ein Unternehmen und zeigt stolz sein Haus vor, während Steffen den engagierten Umweltfreund gibt. Schnell kommt es zu kleinen Reibereien: Die Männer sind so unterschiedlich wie die Paare insgesamt. Der eine zelebriert seine Grillkünste am liebsten an wahren Bergen von Fleisch, kann den anderen aber nicht beeindrucken damit, denn der wiederum ernährt sich rein vegetarisch.

Aber auch innerhalb der Paarbeziehungen liegt einiges im Argen. Hier kann sich die Ehefrau ebenfalls nicht für die Grill-Leidenschaft ihres Mannes begeistern, dort stichelt der Ehemann aus allerlei Gründen gegen seine Frau. Allianzen werden gesucht, geschlossen und umgehend wieder gebrochen. Die Männer entspannen sich beim Fußball oder beim Duell mit Wasserspritzen. Aber auch der dadurch hergestellte und zelebrierte Burgfriede hält nicht lange. Alkohol und Erschöpfung tragen auch nicht dazu bei, die Situation wirklich entspannen.

Von Conan bis Sartre

Am Ende fallen sämtliche Fassaden, immer mehr triumphiert die insgeheim lodernde Aggression gegen jede erlernte Vernunft. Wut richtet sich gegen den Partner wie auch gegen die Umwelt insgesamt. Und man fühlt sich im Handlungsverlauf nicht nur an Sartre erinnert, sondern auch an jene berühmt-berüchtigte Bemerkung des Conan-Erfinders Robert E. Howard, nach welcher Zivilisation die Ausnahme, Barbarei aber der Normalzustand wäre.

Was Nicole Armbruster mit ihrem Drehbuch zu diesem Film aber ausgedacht hat, zeigt sich dennoch keineswegs als Thesenfilm. Ihre Geschichte wägt ab, zeichnet die Personen ungemein alltagsnah, setzt dabei auf realistische Dialoge und lädt dadurch auch in hohem Maß zur Identifikation ein. Armbruster lässt ein regelrechtes Feuerwerk aus Pointen, Sticheleien, Gehässigkeiten und verletzten Eitelkeiten auf den Zuschauer los. "Wer ist hier der Boss, hm?" Auch ein Hund muss gegen Ende dazu herhalten, noch einen kleinen Rest an Selbstachtung aufrecht zu erhalten.

Aber die Erheiterung, die sie damit beim Zuschauer auslöst, beinhaltet auch jede Menge Selbsterkenntnis. Stefan Krohmer hast die Geschichte mit passender Besetzung und viel Feingefühl weniger inszeniert, sondern mehr beobachtet. Seine Regie bleibt bewundernswert unauffällig, so dass man kaum je den Eindruck bekommt, einen Film zu sehen. Nicht nur unter den Mittwochsfilmen der ARD ist das deswegen ein Höhepunkt.

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