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TV-Kritik: „Zwei Leben“: Gut, dass es wenigstens den Psycho gibt

Von Eigentlich ist die Geschichte nicht schlecht. Nur hatten Drehbuch und Regie erkennbar keine Lust, was Gescheites draus zu machen.
Eveline Gasser (Brigitte Beyeler) und Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) haben Grund zu feiern: romantisches Picknick am See zum ersten Jahrestag. Foto: (ARD Degeto/Programmplanung und P) Eveline Gasser (Brigitte Beyeler) und Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) haben Grund zu feiern: romantisches Picknick am See zum ersten Jahrestag.
Wenn "Tatort"-Kommissare am Futtern sind, ist das meistens ein schlechtes Zeichen. Hier lässt mittendrin einmal Kommissarin Liz Ritschard (Delia Mayer) mit ihrer Freundin etwas Exotisches schmecken. Dabei sollte man meinen, sie hätte zusammen mit ihrem Kollegen Reto Flückiger (Stefan Gubser) genug anderes zu tun. Immerhin gibt es zu Anfang einen ganz guten Knalleffekt, als auf der Windschutzscheibe von Fernbusfahrer Beni Gisler (Michael Neuenschwander) von einer Brücke ein angeblicher Selbstmörder landet.
 
Für Gisler ist das ein besonders grausamer Schock: Früher fuhr er Bahn und überfuhr dabei bereits zwei Selbstmörder. Er ist extra deswegen auf Busfahrt umgestiegen, um alldem zu entkommen. Flückiger erkennt in Gisler einen alten Bekannten aus der Militärzeit. Er will ihn deshaln dazu bewegen, sich daran zu erinnern, was er vor dem Aufprall des scheinbaren Selbstmörders – der eine lähmende Dosis Beruhigungsmittel im Blut hatte – auf der Brücke gesehen haben könnte.
 

Gute Ansätze nicht entwickelt

 
Die Polizisten stehen noch vor einem weiteren Rätsel: Der Tote könnte mit dem Bauunternehmer Jakob Conti (Markus Graf) identisch sein. Der aber ist angeblich schon bald 13 Jahre tot – ums Leben gekommen beim großen Tsunami von Ende 2004. Sollte das aber stimmen, gibt es viele, die einen Grund hatten, sich an ihm rächen zu wollen: Conti wird mit Geldunterschlagungen in Verbindung gebracht und hat durch die Pleite seines Unternehmens viele weitere Firmen mit in den Abgrund gerissen.
 
Als der schwer traumatisierte Kisler auch noch seinen Job verliert, geht er selbst auf Tätersuche und wird hochgefährlich. Klingt doch eigentlich nach einer ganz ordentlichen Geschichte. Warum nur entwickelt der Krimi dann ein derart einschläferndes Phlegma, obwohl er sogar eine überraschende Auflösung zu bieten hat? Die guten Ideen – so das schillernde Verhältnis Contis zu seiner Familie und speziell zu seinem Sohn - stehen in der Story herum wie bestellt und dann nicht abgeholt.
 

Überflüssig: der dümmliche Chef

 
Nur selten haben Drehbuch und Regie ein paar spannende Situationen aus dem Plot herausgeholt. Reichlich mühsam schleppt sich das Ganze vorwärts, und einige Szenen, bei denen sich echte Kripo-Beamte an den Kopf greifen, hätten auch nicht sein müssen. Ein Polizist auf Bereitschaft wird niemals Alkohol anrühren (siehe Bild)! Und warum eigentlich muss Jean-Pierre Cornu in seiner Rolle als Regierungsrat Eugen Mattmann immer so arrogant und dümmlich rüberkommen?
 
Die schnarchige Geschichte bleibt weit unter ihren Möglichkeiten. Dabei können die Schweizer Krimi: Friedrich Glauser hat es in der Literatur bewiesen und im Fernsehen der Schweizer "Tatort" mit „Ihr werdet gerichtet“ zur Bestätigung noch einen echten Höhepunkt der Reihe abgeliefert. Aber hier retten über weite Strecken nur die von Michael Neuenschwander eindringlich gespielten psychotischen Anfälle Gislers den Zuschauer vor dem Einschlafen.
 
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