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TV-Kritik: "Zwischen Himmel und Hölle": Fesselndes Porträt trotz Schwächen

Von Der monumentale Lutherfilm zeigt enormen Ehrgeiz, den Reformator möglichst umfangreich zu porträtieren. Und das gelingt trotz Schwächen erstaunlich gut.
Im Streit wirft Thomas Müntzer (Jan Krauter, r.) Martin Luther (Maximilian Brückner, l.) Verrat vor. Andreas Bodenstein (Johannes Klaußner, M.) versucht zu schlichten. Foto: ZDF/Hardy Brackmann Im Streit wirft Thomas Müntzer (Jan Krauter, r.) Martin Luther (Maximilian Brückner, l.) Verrat vor. Andreas Bodenstein (Johannes Klaußner, M.) versucht zu schlichten.
Regie-Legende David Lean  brachte es einst auf den Punkt, als er sich mit Vorwürfen konfrontiert sah, in seinem Kriegsfilm "Lawrence von Arabien" den Titelhelden unkritisch glorifiziert zu haben: Nur zu sagen, Lawrence sei ein komplexer Charakter gewesen, wäre viel zu milde ausgedrückt. In " Die sieben Säulen der Weisheit" – dem autobiographischen Buch von T.E. Lawrence, das den Film inspirierte – fände sich genug psychologisches und motivisches Material, um daraus ein Dutzend Filme mit einem Dutzend unterschiedlicher Versionen der Figur zu machen.

Eine Sicht, die sich uneingeschränkt auch auf Martin Luther übertragen lässt. Weswegen er in jüngster Zeit Filmemacher ja auch wiederholt angeregt hat, sich mit ihm unter verschiedenen Aspekten auseinanderzusetzen. Die ARD-Produktion "Katharina Luther" präsentiert ihn etwa in erster Linie mit inklusive feministisch-emanzipatorischer Note aus der Sicht seiner Ehefrau Katharina von Bora. Die ZDF-Produktion zeigt sich demgegenüber noch deutlich ehrgeiziger, nicht nur Luthers Persönlichkeit, sondern auch seine Epoche begreiflich zu machen.

Raum für eigene Interpretationen

Das beweist schon die monumentale Laufzeit von 165 Minuten. Mit historischen Details geht der Film dabei eher generös um, aber das ist muss kein Fehler sein. Es kann dem Portrait einer historischen Persönlichkeit sogar zum Vorteil gereichen, wenn er sich in dem, was er zeigt, nicht allzu streng an die überlieferten Fakten hält: Das lässt auf Seiten des Filmemachers mehr Freiheit für dramaturgisch notwendige Verdichtung und beim Zuschauer mehr Raum für individuelle Interpretation und entsprechende Diskussionen.

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Regisseur Uwe Janson gibt seinem Luther nach dem Drehbuch von Stefan Dähnert und Marianne Wendt denn auch viele Facetten mit. Luther, der körperbetonte Kraftprotz, der seine überschüssige Energie beim Ballspiel abreagiert - was sein Darsteller. Maximilian Brückner mit sichtlicher Freude absolviert. Luther, der einen individuellen Zugang zum Glauben sucht und dieses Recht auf eigene Interpretation der Bibel einerseits  wütend verteidigt, sich andererseits aber auch möglichen Zweifeln nicht verschließt.

Der Spielball der Fürsten

Dazu kommt ein Luther, der eine Lawine auslöst und dabei selbst Unsicherheiten zeigt, wenn er an die Folgen denkt. Natürlich fehlt auch der Luther nicht, der zum Spielball der Machtinteressen seiner Zeit wird und dabei zwischen die Fronten gerät: Wer würde am Ende das Sagen haben, die Fürsten oder die Kirche? Der – eher widerwillig - politische Luther nimmt hier schon durch das Auftreten von Thomas Müntzer (Jan Krauter)  und den Bauernkrieg großen Raum ein.

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Trotz seiner Länge ist Janson dabei ein oft fesselndes Portrait gelungen. Janson hat eben nicht den Fehler gemacht, sich nur zusammenhanglos an überlieferten Lebensstationen Luthers abzuarbeiten, sondern zeigt Luther vor allem als Kind seiner Zeit: Als Macher ebenso wie als Getriebenen. Freilich hätte man sich dabei für andere Rollen mehr Dreidimensionalität gewünscht. So gibt etwa Armin Rohde einen Ablasshändler als feisten durchtriebenen Betrüger und nicht als jemanden, der von dem, was er betreibt, auch selbst überzeugt ist.

Ähnlich agiert Joachim Król in seiner Rolle als Albrecht Kardinal von Brandenburg: Ein abgebrühter Zyniker und Schlemmer. Das Signal, das die Kirche durch den Bau des Petersdoms zu setzen beabsichtigte, gerät ins Hintertreffen. Vielschichtiger und eindrücklicher trotz nur weniger Szenen gelang dem Film das Portrait der Klosteräbtissin. Von dieser Art Ambivalenz hätte der Film noch deutlich mehr vertragen können. Abschließend bleibt freilich festzustellen: Den perfekten Luther-Film kann es nicht geben.

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