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Prognose der Helaba-Chefvolkswirtin Traud: 2017 wird für Sparer schmerzhaft

Von Der Konjunktur- und Kapitalmarktausblick der Helaba-Volkswirte läuft in diesem Jahr unter dem Motto „Jahrmarkt“. Dabei spielen Autoscooter ebenso eine Rolle wie die Geisterbahn.
Das nächste Jahr könnte ein wenig von einer Geisterbahn-Fahrt haben, meinen die Volkswirte der Helaba. Foto: Holger Hollemann (dpa) Das nächste Jahr könnte ein wenig von einer Geisterbahn-Fahrt haben, meinen die Volkswirte der Helaba.
Frankfurt. 
Gertrud Traud ist Chefökonomin der Helaba: „Die Zinswende ist da.“ Bild-Zoom Foto: Dirk Beichert
Gertrud Traud ist Chefökonomin der Helaba: „Die Zinswende ist da.“

Gertrud Traud ist für ihre bildhaften Prognosen und Analysen bekannt. Diesmal hat sie den Jahrmarkt als „eine Miniaturausgabe der Welt, in der wir leben“ ausgewählt, um ihre Szenarien für 2017 zu verdeutlichen. Ihr Hauptszenario steht unter dem Motto „Die Welt fährt Autoscooter“. Demnach fährt die Weltwirtschaft im Vorwärtsgang aber mit überschaubarer Geschwindigkeit voran. Die USA nehmen nach kurzem Stocken wieder mehr Fahrt auf, die Eurozone und Deutschland gleiten weiter dahin, wachsen aber stetig. So weit, so gut.

Den richtigen Nervenkitzel erfahren Jahrmarktbesucher bei einer Fahrt in der Geisterbahn. Und Schreckgespenster dürften nach Trauds Einschätzung im nächsten Jahr den Sparern Angst machen. Denn für alle, die fürs Alter vorsorgen, ein Sicherheitspolster schaffen oder für eine Großanschaffung ansparen wollen, werden die Bedingungen noch viel schwieriger als sie heute bereits sind. Eine sichere Geldanlage auf dem Tagesgeldkonto wirft nur noch zwischen 0,01 und 0,5 Prozent ab. Daran dürfte sich auch im kommenden Jahr nicht viel ändern.

Teuerungsrate 1,4 Prozent

Eine Gänsehaut werde den Privatanlegern der Anstieg der Teuerungsrate verursachen. Wegen wieder steigender Ölpreise rechnet die Helaba-Chefvolkswirtin in Deutschland mit einer Jahresinflationsrate von 1,4 Prozent nach 0,4 in diesem Jahr. Das heißt unterm Strich, dass Sparer mit risikofreien Anlageprodukten den Wert ihrer Ersparnisse nicht erhalten können. Das Vermögen schrumpft. 2017 werde für Sparer ein schmerzhaftes Jahr. Traud: „Inflation ist die grausamste Steuer, die es gibt – vor allem für die, die wenig haben.“

Wer sich auf dem Renten- oder Aktienmarkt positioniert, hat größere Chancen auf bessere Renditen. Zehnjährige Bundesanleihen sind bereits aus der Minuszone aufgetaucht und rentieren wieder mit etwa 0,4 Prozent. Die deutsche Benchmark-Anleihe werde sich „nachhaltig aus dem Negativbereich verabschieden und in einer Spanne zwischen 0 und 1,0 Prozent bewegen“, so Traud. „Ja, die Zinswende ist da.“

Unter den Anlageklassikern sind Aktien derzeit am attraktivsten bewertet, so die Ökonomin. Solange das Wachstum dynamisch bleibe, „erhalten Dividendentitel genug Strom.“ Dem deutschen Leitindex Dax traut sie bis Ende 2017 einen Anstieg bis auf 12 000 Punkte zu. „Zusammen mit Immobilien sollten Aktien in einem ausgewogenen Portfolio überdurchschnittlich dotiert werden.“

Keine Angst vor Trump

Den frisch gewählten US-Präsidenten Donald Trump reiht Traud nicht in ein Gruselkabinett ein. Sie rechnet damit, dass das Amt den Menschen prägen wird, und nicht umgekehrt. Doch gänzlich ausschließen könne niemand, dass auch eine hässliche Fratze zum Vorschein kommen könne.

Die größten Risiken des Jahres macht sie in der Politik fest. Die anstehenden Präsidentenwahlen in Österreich und Frankreich, die Bundestagswahl in Deutschland sowie das Verfassungsreferendum in Italien bergen Sprengstoff und können eine angenehme Autoscooterfahrt in eine gefährliche Schleuderpartie verwandeln.

In Deutschland werde der Konsum der Wachstumstreiber sein – der private wie der öffentliche. Das Bruttoinlandsprodukt steigt laut Helaba-Prognose um 1,5 Prozent nach 1,8 Prozent in diesem Jahr. Privathaushalte werden dank einer weiter steigenden Beschäftigung und ordentlichen Lohnzuwächsen von rund drei Prozent mehr konsumieren als im Vorjahr. Der Staat werde seine Konsumleistungen noch deutlich ausbauen. Für soziale Sachleistungen, etwa für Arzt oder Krankenhaus, für Arzneien, Zahnersatz, Kuren und Pflegeleistungen stehe deutlich mehr Geld zur Verfügung. Das gelte auch für Ausgaben in Zusammenhang mit der Unterbringung und Integration von Flüchtlingen. Der Außenhandel wird in der 2017er Projektion keinen Wachstumsbeitrag leisten. Brexit und das deutlich schwächere britische Pfund dürften sich negativ auf die Exporte nach Großbritannien auswirken. Eine geänderte Außenhandelspolitik der neuen US-Administration könnte deutsche Ausfuhren mit Zöllen belegen und damit drosseln.

Schub für die Region

Für das Bundesland Hessen rechnet die Helaba mit einem Wachstum leicht unter dem Bundesdurchschnitt. Die großen Branchen Chemie/Pharma, Kraftfahrzeugbau und Ernährung hätten bereits 2016 ihre Umsätze nicht ausbauen können. Eine Trendwende sei auch 2017 nicht erkennbar. Auch die Entwicklung im Bankensektor werde eher bescheiden eingestuft. „Mittelfristig haben sich die Perspektiven für den Bankenstandort Frankfurt durch den Brexit aber verbessert“, heißt es in der Studie. Ein Zuzug von bis zu 8000 Brexit-Flüchtlingen aus London können in den kommenden Jahren den Stellenabbau bei Banken und Finanzdienstleistern in etwa ausgleichen. Der Zuzug könne einen Schub für Frankfurt und die Rhein-Main-Region bringen, erklärte Helaba-Volkswirtin Barbara Bahadori.

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