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Abschied aus der Weltliga?

Im Streit mit dem amerikanischen Justizministerium hat die Deutsche Bank wohl mehr zu befürchten, als eine Geldstrafe. Offenbar erwägt sie nun einen Teilrückzug in den USA.
Über die Brooklyn Bridge verlassen Autos Manhattan samt Wall Street. Foto: Gregor Fischer (dpa-Zentralbild) Über die Brooklyn Bridge verlassen Autos Manhattan samt Wall Street.
Frankfurt. 

Die Deutsche Bank erwägt Insidern zufolge, sich aus dem Investmentbanking in den USA stärker zurückzuziehen. Die größte deutsche Bank rechne gerade durch, ob sich das Geschäft dort – wie in anderen Auslandsmärkten – unter dem Strich noch lohne, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen am Samstag. Denkbar sei etwa, dass das Geldhaus deutsche Unternehmen weiter an den Kapitalmärkten in den USA begleite, nicht aber amerikanische Firmen, erklärte einer von ihnen. Darüber sei grundsätzlich auch im Aufsichtsrat schon gesprochen worden, entschieden sei aber nichts, sagte ein anderer. „Das ist inzwischen viel wahrscheinlicher als ein Verkauf etwa der Vermögensverwaltung.“

Radikale Abkehr von bisherigen Ambitionen

Wenn die Überlegungen in den USA konkreter würden, wäre das eine radikale Abkehr von den Ambitionen, die die Deutsche Bank einst mit dem Einstieg ins globale Kapitalmarktgeschäft mit der Übernahme von Bankers Trust verbunden hatte. Sie wollte stets im Konzert der großen US-Investmentbanken wie JP Morgan und Goldman Sachs mitspielen, die mehr denn je das Geschäft dominieren. Doch seit den Reformen nach der weltweiten Finanzkrise müssen Banken für riskante Geschäfte deutlich mehr Kapital zurücklegen, was das Geschäft weniger lukrativ macht. Zudem hatte sich die Deutsche Bank mit ihrem Ehrgeiz Rechtsrisiken eingehandelt, die einen großen Teil der Erträge nachträglich zunichte zu machen drohen.

Derzeit verhandelt sie etwa im Streit um den Verkauf fauler Hypothekenpapiere (RMBS) mit dem US-Justizministerium über eine milliardenschwere Geldstrafe. Die US-Behörden waren mit einer Forderung von 14 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) in die Verhandlungen gegangen. Die Bereitschaft zu einem Teilrückzug aus den USA könnte die Amerikaner besänftigen.

Die „Welt am Sonntag“ berichtete, eine Reduzierung des Geschäfts in den USA – vor allem im spekulativen Investmentbanking – könnte auch die Voraussetzung für eine Einigung mit dem US-Ministerium sein. „Änderungen beim Geschäftsmodell zum einen und eine Geldstrafe zum anderen sind häufig die Bedingung für einen Vergleich mit der US-Regierung“, zitierte die Zeitung einen Insider. Mögliche Änderungen – einschließlich eines Personalabbaus – dürften schon bald verkündet werden.

Die Deutsche Bank strebt Finanzkreisen zufolge eine Einigung mit den US-Behörden noch vor der Präsidentenwahl am 8. November an. Bisher hat sie laut Insiderschätzungen rund 3,5 Milliarden Euro für diese Strafzahlung zurückgestellt, insgesamt sind es 5,5 Milliarden Euro. Die deutlich höhere Forderung aus den USA hatte die Anleger alarmiert. Sie fürchteten, dass die Deutsche Bank frisches Kapital bräuchte, wenn die Strafe hoch ausfallen sollte.

Bundesregierung


will nicht helfen

Nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ könnte sie bei einer Kapitalerhöhung aber nicht auf die Unterstützung der Bundesregierung zählen. Ein Regierungsvertreter habe vergangene Woche gegenüber Abgeordneten erklärt, dass der Staat sich daran nicht beteiligen werde, berichtete die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf einen Teilnehmer des Treffens. „Die Regeln für die Bankenabwicklung haben sich seit 2009 geändert“, und daran müsse sich auch Deutschland halten, habe der Regierungsvertreter gesagt. Es sei „undenkbar“, dass der Staat sich wie 2009 bei der Commerzbank an der Deutschen Bank beteilige.

Die Bank und das Bundesfinanzministerium wollten das nicht kommentieren. Offiziell hat die Regierung wiederholt erklärt, Staatshilfe für die Deutsche Bank sei kein Thema. Insider berichten, hinter den Kulissen mache sie sich aber durchaus Gedanken über die Zukunft von Deutschlands größtem Geldhaus. Es gäbe eine Möglichkeit, den Staat schon vor einer drohenden Pleite ins Boot zu holen: Die Regierung kann bei einer gesunden Bank einsteigen, wenn auch private Investoren mitmachen und der Staat den Anteil zu marktüblichen Konditionen kauft. Überprüfen würde das die EU-Kommission nach den Beihilferegeln. Stünde eine Bank tatsächlich vor der Pleite, käme der „einheitliche Abwicklungsmechanismus“ in Gang. Dann müsste das Haus zunächst die Anteilseigner und Gläubiger zur Kasse bitten.

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