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Insolvenz der Fluggesellschaft: Air-Berlin-Deal ist perfekt - Teilverkauf an Lufthansa

Es lief fast wie am Schnürchen: Seit Ende vergangenen Jahres hat die Lufthansa auf diesen Tag hingearbeitet, nun ist der Air-Berlin-Kauf besiegelt.
Lufthansa übernimmt einen Teil der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin. Bilder > Foto: Soeren Stache (dpa) Lufthansa übernimmt einen Teil der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin.
Berlin. 

Die Lufthansa setzt zum Höhenflug an: Sie übernimmt mehr als die Hälfte der Flotte der insolventen Konkurrentin Air Berlin und will damit ihre Marktführerschaft in Deutschland ausbauen. Monatelang hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr hinter verschlossenen Türen verhandelt, am Donnerstag konnte er nun den Vertragsabschluss verkünden, der es ihm ermöglicht, den großen Einstieg ausländischer Billigfluggesellschaften zu verhindern. „Wir müssen dafür sorgen, dass es auch in Europa schlagkräftige, globale Spieler gibt“, erklärte Spohr in der Hauptstadt – offenbar mit Blick auf die deutsche und die Brüsseler Kartellbehörde, die den Deal noch absegnen müssen. Dass nur europäische Gesellschaften ernsthafte Übernahme-Angebote vorgelegt hatten, ignorierte Spohr offenbar.

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann betonte: „Heute sind wir einen großen Schritt vorangekommen.“ Zwar liefen die Verhandlungen mit dem britischen Billigflieger Easyjet über andere Maschinen noch, doch ein großer Teil der Beschäftigten von Air Berlin habe jetzt eine Perspektive. Mit dem Deal stärkt die Lufthansa vor allem ihre Tochter Eurowings – sofern die Kartellwächter zustimmen. Börsianer jubelten.

Aktie klettert weiter

Die Lufthansa-Aktie, die schon in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen war – kletterte auf den höchsten Stand seit fast 17 Jahren. Mit einem Plus von zeitweise drei Prozent auf 25,34 Euro war das Papier größter Dax-Gewinner. Die Investmentbanken Bernstein und HSBC halten nun sogar einen Anstieg auf bis zu 30 Euro für möglich. „Der Air-Berlin-Deal macht die Lufthansa in ihrem Heimatmarkt stärker, was in den kommenden Jahren zu steigenden Erträgen führen sollte“, schrieben die HSBC-Analysten.

Die seit Jahren dahinsiechende Air Berlin ist seit Mitte August insolvent. Spohr hatte schon länger mit Teilen der Rivalin geliebäugelt und dann als erster ein Angebot vorgelegt. Jetzt sollen insgesamt 81 Maschinen, darunter die der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki und der Regionalfluggesellschaft LGW, übernommen werden.

Gewerkschafter sauer

Spohr hatte angekündigt, mit den Air-Berlin-Maschinen bis zu 3000 neue Stellen zu schaffen. Die rund 1400 Beschäftigten von Niki und LGW haben ihre Jobs sicher, da es hier einen Betriebsübergang gibt. Alle anderen können sich auf offene Stellen bewerben und haben dies zum Teil schon getan. Insgesamt stecke die Lufthansa 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau von Eurowings, sagte Spohr.

Die Gewerkschaften pochen auf Garantien für Air Berliner, ohne Einbußen den Arbeitgeber wechseln zu können. „Es kann nicht sein, dass sich Piloten nach der Übernahme auf ihre eigenen Arbeitsplätze bewerben und dann auch noch Gehaltsabschläge von bis zu 40 Prozent hinnehmen müssen, so wie es Lufthansa im Moment von den Piloten fordert“, erklärte Markus Wahl, Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. „Die Mitarbeiter können leider alles andere als aufatmen.“

Auch Ver.di-Vorstandsmitglied und Lufthansa-Aufsichtsrätin Christine Behle warf dem Dax-Konzern vor, durch die Neueinstellungen gezielt vorzugsweise jüngere, billigere Arbeitskräfte übernehmen zu wollen. Die Lufthansa sei nur auf Profitsteigerung aus, entziehe sich aber der Verantwortung für die Mitarbeiter. Aktuell beschäftigt Air Berlin noch 6200 Vollzeitmitarbeiter. Seit der Insolvenz seien schon 600 gegangen, sagte ein Sprecher.

Auch Bedenken, die Lufthansa-Gruppe werde angesichts ihres Marktanteils von 34 Prozent an allen Buchungen in Deutschland zu stark, wurden laut. Es sei ein schlechter Tag für den Wettbewerb in der Luft, erklärte Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Auf einigen innerdeutschen Strecken wie Berlin-Frankfurt werde nun fast ein Monopol entstehen. „Das wird nicht ohne Preissteigerungen vonstattengehen“, ergänzte Duso.

Chance für Cook?

Die Verhandlungen mit EasyJet konnten, anders als geplant, noch nicht abgeschlossen werden. Die Briten waren an rund 30 Flugzeugen interessiert, zögerten zuletzt aber. Die Zeit drängt allerdings, weil Air Berlin zum Schutz der Gläubiger bis zum 28. Oktober den Flugbetrieb mit dem Teil der Flotte einstellen muss, der nicht zur Lufthansa wechselt. Zu den Gläubigern, die vorrangig bedient werden müssen, gehört die Bundesregierung mit ihrer Kreditlinie von 150 Millionen Euro. Sollte der Verkauf an Easyjet misslingen, könnten am Ende doch noch die Condor-Mutter Thomas Cook und Niki Lauda Flugzeuge übernehmen. Zusammen hatten sie die 22 Flugzeuge der österreichischen Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen wollen, um damit eine Charterfluggesellschaft aufzubauen. Damit wäre zumindest der Wettbewerb bei den Ferienfliegern aufrechterhalten worden.

(rtr,pan)
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