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Gastkolumne: Aktien: Wie Trumps Twittern die Anleger nervös macht

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Donald Trump regiert die USA wie Pippi Langstrumpf das Taka-Tuka-Land. Je nachdem, wie er gerade gelaunt ist, twittert er etwas in Richtung Putin, Kim, Assad oder aber in Richtung der Stahl- bzw. Pkw-Produzenten aus Europa und China. Mal droht er mit der Vernichtung Syriens, und ein anderes Mal möchte er die ganze böse Welt mit Strafzöllen belegen. Nebenbei feuert er per Twitter reihenweise Berater und Minister, die nicht nach seiner Nase tanzen und als Marionetten fungieren möchten.

Dies alles hält die Aktienbörsen der westlichen Welt seit Wochen in Atem. Die wirtschaftlichen Aussichten treten in solchen Phasen in den Hintergrund – fast jeder Anleger schaut zwar Tag für Tag angsterfüllt in die Medien und hofft, dass der US-Präsident nicht wieder wirre Dinge über Twitter verlautbaren lässt, die die Aktien nach unten treiben könnten.

Uwe Eilers,Geschäftsführer der Frankfurter Vermögen in Königstein. Bild-Zoom
Uwe Eilers,Geschäftsführer der Frankfurter Vermögen in Königstein.

Dabei gibt es einen sehr alten Börsenspruch: „Politik hat kurze Beine.“ Gerade dies sollten Anleger sich vor Augen führen und nicht aus dem Grund zu nervös agieren. Es ist vielmehr zu hinterfragen, welche langfristigen Auswirkungen diese Art der Politik hat. Genau hier muss man differenzieren.

Alle außenpolitischen Drohungen lassen uns aufschrecken. Doch selbst wenn es tatsächlich zu Militärinterventionen kommt, sind diese menschlich zwar häufig mit unendlichem Leid verbunden, allerdings rein wirtschaftlich gesehen für die Unternehmen nicht wirklich relevant.

Anders sieht es zunächst mit der Verhängung von Zöllen und Ankündigungen von Gegenmaßnahmen aus. Kurzfristig kann dies zu deutlichen wirtschaftlichen Verschiebungen und Einbußen für betroffene Unternehmen führen. Langfristig sind solche Maßnahmen häufig nur Eigentore der Politik. Schließlich erhöhen Zölle im Regelfall nur die Preise für die Verbraucher, für die es wie eine Sondersteuer wirkt, Kaufkraft aufsaugt und damit den Konsum im eigenen Land beeinträchtigt.

Sofern China als Gegenmaßnahme überdies beispielsweise Pkw oder Flugzeuge aus den USA mit deutlichen Zöllen belegt, werden Unternehmen aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit die Produktion auf Dauer in andere Länder verlegen, was eine erhebliche Anzahl von Arbeitsplätzen in den USA gefährdet. Für betroffene Firmen birgt dies zwar kurzfristig extra Kosten, langfristig werden die Auswirkungen für die Unternehmensgewinne dagegen oft kaum merkbar sein.

Wirklich relevant für Aktienkäufer ist eine andere Gefahr. Die riesigen US-Haushaltsdefizite, herrührend aus sehr hohen Militärausgaben bei gleichzeitig niedrigen Steuern für Reiche, und seit kurzem auch noch die Senkung der Unternehmensbesteuerung sind beängstigend. Vor dem Hintergrund der guten Wirtschaftslage reduziert die US-Notenbank FED bereits seit Monaten die Anleihebestände und fällt als Käufer aus. Japan verkauft bereits seit Monaten US-Staatsanleihen in beträchtlicher Größenordnung, und China als zweiter Hauptgläubiger wird vor dem Hintergrund der Zoll-Problematik kaum weitere Anleihen kaufen. Das bedeutet, dass nur ein weiterer deutlicher Zinsanstieg Anleger animieren wird, die Schuldtitel der USA zu kaufen.

Weiter steigende Zinsen werden allerdings vielen hoch verschuldeten US-Unternehmen die Bilanzen verhageln. Dies wiederum könnte den US-Aktienmarkt tatsächlich weiter in den Keller schicken. Leider folgen die europäischen Börsen meist Dow Jones & Co., so dass auch hier die Auswirkungen deutlich merkbar sein könnten. Ein gutes Risikomanagement verbunden mit einer breiten Diversifikation ist deshalb für jeden Anleger ratsam.

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