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Börsenwert: Aktienrekord: Apple wird Billionär

Von Der iPhone-Hersteller gilt als einer der heißesten Anwärter auf den Billionen-Thron. Aber kann ein Unternehmen wirklich eine Billion Dollar wert sein? Und ist es tatsächlich das iPhone, das den Wert von Apple weiter in die Höhe treiben kann?
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Frankfurt. 

Eine Billion. Eine Zahl, mit der außer Physiker und Astronomen normalerweise nur große Industriestaaten hantieren. Immerhin 15 Länder dieser Welt erzeugen Güter und Dienstleistungen, die den Wert von einer Billion Dollar übersteigen: Deutschland zum Beispiel, die USA und China. Inzwischen ist jedoch auch eine kleine Gruppe von Konzernen dabei, in diese Dimensionen vorzustoßen. Es sind die vier Internet-Riesen, die wie kaum ein anderes Unternehmen vor ihnen unseren "way of life" verändert haben: Apple, Google, Amazon und Microsoft. Dabei gilt der iPhone-Hersteller als der heißeste Anwärter auf den Billionen-Thron. Aber kann ein Unternehmen wirklich eine Billion Dollar wert sein? Und ist es tatsächlich das iPhone, das den Wert von Apple weiter in die Höhe treiben kann?


Das Dilemma des Apple-Vorstandsvorsitzenden Tim Cook steht auf der Liste der Probleme, die Konzernchefs gerne hätten, sicherlich ganz oben: Wie verstetige ich das Wachstum eines der weltweit erfolgreichsten, innovativsten und profitabelsten Konsumgüter? Zehn Jahre nach der Markteinführung des ersten Modells macht das iPhone noch mehr als 60 Prozent der Apple-Einnahmen aus. Bislang kommt kein anderes Konzern-Produkt auch nur annähernd an diesen Umsatzbeitrag heran. Kein Wunder also, dass die Anleger Quartal für Quartal mit großer Nervosität auf die Verkaufszahlen des Vorzeige-Smartphone schauen. In den vergangenen Jahren haben diese Zahlen kein einheitliches Bild geboten: 2015 waren die iPhone-Einnahmen um 52 Prozent gestiegen; 2016 sanken sie um zwölf Prozent; im vergangenen Jahr erhöhte sich der Umsatz um bescheidene drei Prozent.

Schallmauer in Sichtweite

In der Geste des Heilsbringers: Für seine Investoren hat Konzernchef Tim Cook den Marktwert von Apple auf derzeit 918 Milliarden Dollar gesteigert. Bild-Zoom Foto: Monica Davey (EPA)
In der Geste des Heilsbringers: Für seine Investoren hat Konzernchef Tim Cook den Marktwert von Apple auf derzeit 918 Milliarden Dollar gesteigert.

Immerhin: Entgegen allen Befürchtungen verkauft sich das im November erschienene Premiummodell iPhoneX trotz seines hohen Preises gut. Wie die jüngsten Quartalszahlen zeigen, ist das Spitzenmodell der iPhone-Palette erstmals seit 2014 das bestverkaufte Apple-Telefon. Und dabei ist der Umsatz in der Sparte um 14 Prozent nach oben gegangen, obwohl der Absatz nur um drei Prozent gewachsen ist. Soll heißen: Apple kann wieder steigende Gerätepreise durchsetzen – im Schnitt stolze 728 Dollar, nach 655 Dollar vor einem Jahr.

Tatsächlich ist kaum ein Produkt so profitabel wie das iPhone. „Der Smartphone-Markt ist für eine Konsumgüter-Firma „der beste Markt der Weltgeschichte“, schwelgt selbst Tim Cook. So hat das iPhone den kalifornischen Konzern zum wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt gemacht. Nach den deutlichen Kursanstiegen der vergangenen Jahre bringt es der High-Tech-Gigant derzeit auf eine Marktkapitalisierung von knapp 918 Milliarden Dollar. Die Schallmauer von einer Billion ist also in Sichtweite.

Dax vergleichsweise klein

Doch wie kann ein einzelnes Unternehmen so viel kosten? Schon die jetzt erreichte Marktkapitalisierung von umgerechnet 786 Milliarden Euro ist gewaltig. Zum Vergleich: SAP kommt als wertvollstes deutsches Unternehmen im Dax gerade mal auf eine Marktkapitalisierung von 115,9 Milliarden Euro. Die Summe von 786 Milliarden Euro entspricht ungefähr dem Wert der zwölf größten deutschen Konzerne im Dax – darunter neben SAP, Siemens, Bayer, BASF und Allianz. Eine Übertreibung, gar eine Spekulationsblase? Dagegen spricht, dass hinter der mehrjährigen Kursrally enorme Werte stehen. Die Marktkapitalisierung von Apple mag gigantisch erscheinen. Gigantisch sind jedoch auch die Gewinne, die das Unternehmen aus Cupertino Jahr für Jahr einfährt. Allein im vergangenen Geschäftsjahr (Stichtag 30. September) hat Apple einen Vorsteuergewinn von rund 64 Milliarden Dollar erzielt. Das sind umgerechnet 54,82 Milliarden Euro. SAP schaffte im vergangenen Jahr circa fünf Milliarden Euro, der Technologiekonzern Siemens 8,3 Milliarden Euro.

„Die hohen Bewertungen wären nur dann ein Zeichen von ungesunder Euphorie, wenn nicht gleichzeitig Umsatz und Ertrag gestiegen wären“, sagt Lothar Koch, Leiter Portfolio-Management bei GSAM + Spee Asset Management in Düsseldorf. Das ist aber nicht der Fall: 2016/17 setzte die kalifornische Firma 229,23 Milliarden Dollar um – ein Anstieg von 46,5 Prozent in fünf Jahren.

Und während es Apple auf eine Vorsteuer-Rendite von knapp 28 Prozent bringt, sind es bei SAP 21,4 und bei Siemens zehn Prozent. Auch ein anderer Vergleich ist schlagend: Mit etwa der gleichen Zahl von Mitarbeitern weltweit schafft Apple einen zehnmal so hohen Vorsteuer-Gewinn wie der deutsche Chemieriese BASF.

Warmer Geldregen

Tatsächlich sind die Kalifornier eine solche Cash-Maschine, dass die Firma 267 Milliarden Dollar auf dem Konto hat. Allein mit diesen Barbeständen könnte Apple also SAP und Siemens schlucken. Davon profitieren auch die Investoren: Apple will über einen Aktienrückkauf weitere 100 Milliarden Dollar an seine Aktionäre ausschütten. Bisher haben sich Apples Ausschüttungen an Aktionäre über Rückkäufe und Dividenden auf rund 257 Milliarden Dollar addiert. Dieser warme Geldregen aus Cupertino hat den Aktienkurs zusätzlich beflügelt, da die Anzahl der Aktien reduziert wird und so der Gewinn je Aktie steigt.

Unkenrufe, wonach Apples Wachstumsstory angesichts der großen Abhängigkeit vom iPhone nicht mehr intakt ist, gibt es gleichwohl: „Ein Handy mit Kultstatus im Angebot zu haben, reicht nicht aus“, mahnt beispielsweise Ingo Schweitzer, Vorstand der AnCeKa Vermögensbetreuung in Kaufbeuren. Dabei hat auch er das verhältnismäßig niedrige Wachstum der verkauften iPhones im Blick. Wie Schweitzer gehen andere Beobachter davon aus, dass der Markt für hochpreisige Smartphones langsam an seine Grenzen stoßen wird. Tatsächlich gelingt es den Herstellern günstiger Geräte, einen immer größeren Teil der Nachfrage abzuschöpfen. Zudem zeigen Daten von Marktforschern, dass der weltweite Gesamtabsatz von Smartphones im Schlussquartal 2017 erstmals überhaupt gesunken ist.

Buffett ist begeistert

Trotzdem trauen zurzeit viele Analysten und Investoren dem iPhone-Hersteller einen Aktienkurs von mehr als 200 Dollar zu, der den Wert von Apple über die Billionen-Marke hieven würde. Der Star-Investor Warren Buffett zum Beispiel: „Es ist ein unglaubliches Unternehmen“, schwärmt der 87-Jährige, der es dank seines besonderen Geschicks bei Aktien und dem nötigen Quäntchen Glück regelmäßig in die Top Five der reichsten Menschen der Erde schafft. „Wenn Du Dir Apple anschaust, dann denke ich, dass es ungefähr zweimal so viel verdient wie das zweitprofitabelste Unternehmen in den Vereinigten Staaten.“ Seit Anfang Mai besitzt Buffett rund 240 Millionen Apple-Aktien – ein Anteil von 4,9 Prozent am iPhone-Konzern. Es ist der größte Posten im Portfolio seiner Beteiligungsschmiede Berkshire Hathaway.

Dienstleistungen boomen

Was auch den Multi-Milliardär für die Zukunft optimistisch stimmt, sind nicht der Mac, das iPad oder gar die Apple Watch. Es ist vielmehr die Dienstleistungssparte des Unternehmens. Die digitalen Anwendungen wie App-Store-Downloads, der Online-Speicher iCloud und die Plattform Apple Music sind die zweitgrößte Erlösquelle im Konzern – und ein Hort der Stabilität: Seit 2006 ist dieser Bereich im Schnitt um 23 Prozent im Jahr gewachsen. Einen Umsatz von 50 Milliarden Dollar werde die Sparte im Jahr 2020 liefern, verspricht Apple-Boss Cook – zuletzt waren es knapp 30 Milliarden Dollar. „Würde diese Sparte wie die Software-Unternehmen Adobe oder Dropbox bewertet, wäre sie allein 381 Milliarden Dollar wert“, meint Gene Munster von der Beteiligungsgesellschaft Loup Ventures.

1,3 Milliarden aktive iOS-Nutzer zählt Apple zurzeit: Besitzer von Smartphones, Tablets, Uhren und TV-Boxen – alle potenzielle Abnehmer der Apple-Dienstleistungen. „Diese Kundenbasis, die jetzigen Dienstleistungen und die anderen, an denen wir arbeiten, bieten uns riesige Möglichkeiten“, verspricht Cook. Und immer mehr Experten beginnen, ihm diese Wachstumsstory abzukaufen. Die US-Bank Morgan Stanley bezeichnete die Dienstleistungen kürzlich als Apples „größten Wachstumstreiber“. Sie erwarte von diesem Bereich „stabile, hochprofitable Erlöse“, schrieb deren Analystin Katy Huberty.

Die zahlungspflichtigen Abonnements für die Apple-Dienstleistungen – sowie für Angebote wie Netflix oder Spotify, an denen Apple über sein „App Store“ mitverdient – sind ein wichtiger Teil dieser Stabilität. Ihre Zahl ist im vergangenen Jahr um 100 Millionen auf 270 Millionen gestiegen. Um sie weiter nach oben zu treiben, will Apple beispielsweise zusammen mit der US-Investmentbank Goldman Sachs eine gemeinsame Kreditkarte herausbringen – es wäre die erste von Goldman Sachs. Die Karte soll unter dem Namen von Apples Bezahldienst „Apple Pay“ vermarktet werden. Wie es aus Unternehmenskreisern heißt, soll die Partnerschaft auf andere Angebote ausgeweitet werden. So wolle Goldman Sachs den Apple-Kunden künftig spezielle Kredite für die Anschaffung von Geräten wie iPhones zur Verfügung stellen.

Hospitale von Apple

Apple will aber auch eigene Krankenhäuser für seine Mitarbeiter und ihre Familien betreiben. Das Unternehmen hat dazu ein Tochterunternehmen namens AC Wellness Network gegründet. Und das soll diese Kliniken zu einer Art Testlabor für eigene Produkte und Dienstleistungen rund um Gesundheit machen. Tatsächlich sind Gesundheit und Wellness für Apple ein immer wichtigeres Geschäftsfeld. Auf der Apple Watch gehören Gesundheits- und Fitnessdienste zu den am häufigsten genutzten Anwendungen. Und mit der Plattform „Health Kit“ hilft Apple Software-Spezialisten dabei, neue Gesundheitsangebote zu entwickeln. Es gibt auch eine Plattform namens „Research Kit“ für den Einsatz in der medizinischen Forschung. Zusammen mit der Stanford-Universität führt Apple eine Studie durch, die darauf abzielt, Herzstörungen besser zu erkennen. In dieser Studie werden Daten genutzt, die von der Apple Watch kommen.

„Natürlich hängt der Unternehmenserfolg letztlich immer noch an der Zahl der verkauften Geräte, vor allem dem iPhone“, räumt Munster von Loup Ventures ein. „Wenn die Zahl der Smartphone-Nutzer sinkt, wird es schwierig, die Dienstleistungsumsätze zu steigern. Insofern werden es zunächst weiterhin die Prognosen für die iPhone-Verkäufe sein, die Apple über die Billionen-Dollar-Marke bringen. Aber es werden“, betont Munster, „die Dienstleistungen sein, die den Börsenwert von Apple langfristig über dieser Marke halten werden.“

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