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Diesel-Affäre: Aktionäre lassen VW nicht vom Haken

Wie offen geht Volkswagen mit den Ermittlungsergebnissen zu der Diesel-Affäre um? Viele Aktionäre sind unzufrieden – sie vermissen Bereitschaft zur Aufklärung.
Hannover. 

Volkswagen wird die Schatten des Dieselskandals nicht los. Die finanziellen Lasten haben die Wolfsburger zwar weitgehend im Griff, die Gewinne sprudeln wieder. Doch Investoren, Aktionäre und Kunden sehen den Autokonzern nach wie vor in einem schlechten Licht. VW habe seinen Aktionären bereits viele schlaflose Nächte bereitet, sagte Deka-Fondsmanager Andreas Thomae am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Hannover. „Und es sieht nicht so aus, dass wir bald zur Ruhe kommen.“ Thomae verwies auf die Durchsuchungen bei der VW-Tochter Audi und die Beschlagnahme von Dokumenten der US-Anwaltskanzlei Jones Day im März. VW hatte die Kanzlei Jones Day im Herbst 2015 damit beauftragt, die Hintergründe des Dieselskandals zu ermitteln. Mehrfach wurde die Vorlage eines Berichts verschoben. Am Ende entschloss sich der Konzern, den Bericht nicht zu veröffentlichen.

Kommentar: VW - Farce statt Aufklärung

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Die Konzernspitze wies Kritik an der Aufklärung des millionenfachen Abgas-Betrugs zurück und machte erneut klar, dass die Ermittlungsergebnisse nicht veröffentlicht werden sollen. „Um es klar zu sagen: Einen schriftlichen Abschlussbericht von Jones Day gibt es nicht und es wird ihn auch nicht geben“, betonte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Der Konzern könne aus rechtlichen Gründen einen solchen Bericht nicht veröffentlichen.

Das wollen Investoren nicht gelten lassen. „Dass die Ergebnisse immer noch unter Verschluss sind, lässt vermuten, dass sie VW nicht gefallen“, meinte Thomae. Der einflussreiche Aktionärsberater Hermes EOS appellierte an die Konzernspitze, in Absprache mit der US-Justiz zumindest eine Zusammenfassung der Ermittlungsergebnisse von Jones Day zu veröffentlichen. Nur so könne verlorenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Die Anteilseigner könnten auch nur so bewerten, ob der Konzern die richtigen Konsequenzen aus der Abgas-Manipulation ziehe, die vor gut eineinhalb Jahren von den US-Umweltbehörden öffentlich gemacht worden war. Hermes-Manager Hans-Christoph Hirt machte eine „fragwürdige Unternehmenskultur“ bei VW für Dieselgate verantwortlich und verlangte eine unabhängige Prüfung. „Wir haben große Bedenken hinsichtlich der Zusammensetzung und der Effektivität des Aufsichtsrats.“

Konzernchef Matthias Müller hielt dem entgegen, die wesentlichen Erkenntnisse aus Sicht der US-Behörden lägen seit Veröffentlichung des ’Statement of Facts’ durch das amerikanische Justizministerium auf dem Tisch. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Fakten im Zusammenhang mit dem Abgasbetrug. Darin seien auch Ergebnisse der Arbeit von Jones Day enthalten, die an das US-Justizministerium berichtet habe.

Der Corporate-Governance-Experte Christian Strenger warf Volkswagen eine „Wagenburgmentalität“ vor. Eine mangelnde Unabhängigkeit des Aufsichtsrats mache eine Kontrolle von Volkswagen schwer. Strenger kritisiert schon länger die Zusammensetzung des Kontrollrats, in dem die Familien Porsche und Piech und das Land Niedersachsen den Ton angeben.

(rtr,dpa)
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