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Streit mit dm-Drogerie macht der Bio-Kette zu schaffen: Alnatura und die Kraft von Birkenwasser

Von Mit einer Expansionsoffensive will der hessische Bio-Händler Alnatura wieder in die Spur kommen. Die Auslistung beim ehemals größten Partner, der dm-Drogerie, hat Alnatura schwer getroffen.
Blick ins Regal eines Alnatura-Marktes Bilder > Foto: Andreas Gebert (dpa) Blick ins Regal eines Alnatura-Marktes
Frankfurt. 

„Alle Kraft voraus.“ So lautet die Parole, die Alnatura-Gründer und Geschäftsführer Götz Rehn für die nahe Zukunft ausgibt. Das bei Konsumenten beliebte Bio-Label leidet schwer unter den Streitigkeiten zwischen Götz Rehn und seinem Schwager, dem dm-Drogerie-Chef Götz Werner. Bis vor zwei Jahren war die dm-Drogerie der wichtigste Partner und größte Absatzkanal für die Bio-Produkte aus dem hessischen Bickenbach. Dann kündigte dm den Aufbau einer eigenen Bio-Marke an und verbannte nach und nach Alnatura-Artikel aus seinen Filialen. Es folgten juristische Scharmützel um die Markenrechte und Mitspracherechte bei der Partnerwahl. Bis heute sind noch zwei Verfahren anhängig. Am 9. Dezember will das Darmstädter Landgericht in einem Fall entscheiden. Der Markenrechtsstreit steht erst Anfang 2017 auf der Agenda des Oberlandesgerichts – Ausgang offen.

Das Zerwürfnis der beiden ehemals engen Geschäftsfreunde hat Alnatura seinen wichtigsten Vertriebskanal gekostet. Götz Rehn musste handeln – und er tat es. Durch neue Vertriebspartner wie Edeka und die Müller Drogeriekette sowie den forcierten Ausbau der eigenen Filialkette wurden die Umsatzverluste in etwa aufgefangen. 762 Millionen Euro Erlöse verzeichnete Alnatura im Geschäftsjahr 2015/16 nach 760 Mio. Euro.

15 Neueröffnungen

Vor diesem Hintergrund gibt der Alnatura-Chef auch für das laufende Geschäftsjahr nur eine vorsichtige Prognose: Rehn rechnet erneut mit stagnierendem Umsatz. Die Gewinne benennt der Mittelständler traditionell nicht. Doch er sei zufrieden. Der Überschuss habe sich im Vergleich zum Jahr zuvor leicht verbessert, sagte er gestern in Frankfurt. Rehns Richtung ist klar: Er will auch in Zukunft weitere Partner gewinnen, die wie die Schweizer Migros oder die norddeutschen Sky-Märkte seine Bio-Produkte in den Supermarktregalen platzieren. Zudem hat er eine Expansionsoffensive angekündigt: Bis zu 15 Neueröffnungen sind demnach bis Ende 2017 geplant. Darunter befindet sich ein Markt in Offenbach. In Frankfurt kann sich Rehn noch zwei bis drei zusätzliche Standorte vorstellen, zu den sechs bereits existierenden Filialen.

Drogerie Müller neu dabei

Den jüngsten Coup landete Alnatura mit der Müller Drogerie. Seit Anfang Oktober ist das komplette Alnatura-Sortiment ohne Frischeprodukte mit 750 Artikeln in den 530 M-Drogeriemärkten vertreten. Auch bei Rossmann ist Alnatura im Regal. Allerdings nur mit einem kleinen Sortiment an Baby-Gläschen. Der wichtigste Abschluss aber war die Partnerschaft mit dem deutschen Marktführer Edeka. „Wir sind glücklich darüber, damit den Kundenwünschen nach hochwertigen Bio-Lebensmitteln nachkommen zu können“, betonte Rehn.

Damit die Marke sich beim Verbraucher weiter profilieren könne, müssten immer wieder neue Trendprodukte her, so Rehn. Der aktuelle Renner sei das „Birkenwasser“. „Im Geschmack neutral, mit der Erneuerungskraft der Birkenrinde zur Revitalisierung geeignet“, beschreibt der Bio-Manager diese Produktinnovation, und: „Leider derzeit ausverkauft.“ Weitere kreative Neuheiten sind der „Moringa-Tee“ aus einem Tropenbaum gewonnen, ein lang haltbares finnisches „Roggen-Crisp“ oder die „Rote Bete Cracker“.

Das 1984 gegründete Bio-Unternehmen bricht seine Zelte in Bickenbach an der hessischen Bergstraße ab und zieht nach Darmstadt um. Dort entsteht auf einem ehemaligen US-Army-Gelände die künftige Unternehmenszentrale. Alnatura beschäftigt derzeit 2700 Mitarbeiter, davon 530 am Unternehmenssitz. Die Mitarbeiterzahl werde im nächsten Jahr über 3000 steigen, kündigte Rehn an.

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