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Wie entwickeln sich Wachstum und Dollar?: An Trump scheiden sich die Geister

Von Was bedeutet die überraschende Wahl von Donald Trump für Wirtschaftswachstum und Devisenmärkte? Die Einschätzungen der deutschen Großbanken unterscheiden sich deutlich.
Foto: Jim Lo Scalzo (EPA)
Frankfurt.  Deutsche Bank und Commerzbank bewerten die konjunkturelle Lage und die Aussichten am Devisen- und Aktienmarkt äußerst unterschiedlich. Die Deutsche Bank ist skeptisch, was die Konjunktur in Deutschland angeht: Sie rechnet für nächstes Jahr nur mit einem BIP-Wachstum von 1,0 Prozent, da Exporte und Ausrüstungs-Investitionen stagnieren. Die Commerzbank dagegen ist bei den Investitionen optimistischer und geht von immerhin 1,3 Prozent Wachstum aus; die Helaba Landesbank Hessen Thüringen sagt sogar 1,5 Prozent voraus.

Ulrich Stephan Bild-Zoom
Ulrich Stephan
Noch klarer sind die Meinungsverschiedenheiten, was die USA angeht. Dort rechnet die Deutsche Bank mit einem „erheblichen fiskalischen Schub“, da der neugewählte Präsident Donald Trump durch eine Unternehmenssteuer-Senkung und ein Infrastrukturpaket die Investitionen stärken werde. Daher hat das Institut die BIP-Prognose für 2017 nach der Wahl Trumps von 1,7 auf 2,3 Prozent (und für 2018 von 1,9 auf sogar 3,5 Prozent) angehoben.

Dagegen hat die Commerzbank nach dem Wahlsieg von Donald Trump ihre Prognose (von 2,0 Prozent Wachstum im nächsten Jahr) nicht verändert. Trump werde seine geplanten Steuersenkungen nicht in vollem Umfang und ohnehin erst Ende 2017 oder Anfang 2018 umsetzen können. Auch die geplanten Infrastrukturinvestitionen würden überschätzt, doch könnten von Trump angezettelte Handelskonflikte die US-Unternehmen verunsichern und deren Investitionen dämpfen.

Diese divergierenden Einschätzungen haben erhebliche Auswirkungen auf die Prognosen für den Devisenmarkt. Die Deutsche Bank sagt dem Dollar einen Höhenflug voraus, der Euro soll bei einem Kurs von 0,95 Dollar bald weniger wert sein als die US-Währung. Gegenüber dem chinesischen Renminbi soll der Dollar bis 2018 sogar 20 Prozent gewinnen. Die Commerzbank dagegen sieht beim Dollar noch nicht einmal die Parität zum Euro in Reichweite: Sie sagt für Herbst 2017 einen Euro-Kurs von 1,04 Dollar vorher. Das liegt nicht weit vom aktuellen Kurs von 1,06 Dollar entfernt.

Jörg Krämer Bild-Zoom Foto: Alexandra Lechner
Jörg Krämer
Noch skeptischer ist die Helaba: Sie glaubt an eine wieder erstarkende europäische Gemeinschaftswährung und sagt im Herbst nächsten Jahres einen Kurs von 1,15 Euro je Dollar voraus; auch die chinesische Währung soll nach der Vorhersage sowohl der Commerzbank als auch der Helaba gegenüber dem Dollar nur leicht abwerten.

Starker Zinsanstieg?

Die Währungen sind natürlich auch ein Spiegelbild der Zinsentwicklung: Während die Deutsche Bank bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen im nächsten Jahr einen Anstieg der Renditen auf lediglich 2,3 Prozent und bei den entsprechenden Bundesanleihen auf 0,35 Prozent für plausibel hält, geht die Commerzbank von immerhin 2,8 Prozent in den USA und bis zu 0,75 Prozent in Deutschland aus. In diesem Fall teilt die Helaba mit 2,3 bzw. 0,35 Prozent (im Herbst 2017) die Einschätzung der Deutschen Bank.

Allerdings warnt auch Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank: Sollte Trump seine Wahlkampf-Ankündigungen tatsächlich wahr machen, werde das massiv Wachstum und Arbeitsplätze kosten, aber Inflation und auch Zinsen (in Richtung 3,0 Prozent) nach oben treiben. Noch sei allerdings nicht wirklich klar, in welche Richtung der neue US-Präsident Donald Trump die weltgrößte Volkswirtschaft lenken werde: „Trump war bisher eine One-Man-Show“, sagt Stephan; hinsichtlich seines Teams und konkreter Maßnahmen bestehe noch erhebliche Unsicherheit.

Komplett unterschiedlich werten Deutsche und Commerzbank auch die Aussichten für das vor dem EU-Austritt stehende Großbritannien: Deutsche-Bank-Analyst Oliver Rakau geht „am Ende eher von einem ’harten’ Brexit“ aus und von nur noch 0,9 Prozent Wachstum im nächsten Jahr. Dagegen prognostiziert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer ein BIP-Plus von 1,4 Prozent im nächsten Jahr: „Wir glauben nicht, dass es am Ende zu einem harten Brexit kommt.“

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Das Referendum in Italien am 4. Dezember und das Super-Wahljahr 2017 mit Urnengängen in den Niederlanden, Frankreich und Deutschland halte die politische Unsicherheit hoch, meint Rakau: „Reformen kommen 2017 wohl zum Erliegen.“ Auch Krämer sieht die Gefahr, durch diese Wahlen „könnten den Aktienmärkten mittelfristig Bewertungsabschläge drohen“. Er sieht beim Dax (aktueller Stand: 10 662) eine faire Spanne zwischen 10 000 und 11 500 Zählern. Aktuell gebe es „weiterhin Chancen für unser Kursziel von 11 200“, wobei jedoch 2017 die politische Unsicherheit zu einem Bewertungsabschlag führen könne. Stephan von der Deutschen Bank traut dem Dax dagegen einen Anstieg auf 11 300 Zähler bis Ende 2017 zu; vor allem die Dividenden sorgten für verlässliche Performance-Beiträge. Helaba und DZ Bank sehen den Leitindex bis Ende nächsten Jahres sogar bis auf 12 000 Punkte steigen.

Auf US-Aktien setzen

Stephan setzt vor allem auf US-Aktien, auch Russland oder Südafrika sollten Investoren im Auge behalten; bei Papieren aus Großbritannien, Italien oder der Türkei wäre er dagegen vorsichtig. Die Commerzbank gewichtet vor allem Schwellenländer unter, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen.

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