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Arbeitslosigkeit sinkt auf 24-Jahres-Tief

Der Start ins neue Jahr war vielversprechend - inzwischen glaubt auch die Bundesagentur für Arbeit an einen passablen Jobaufschwung im Jahr 2015. Sie baut dabei auf ein kräftiges Wirtschaftswachstum. Der Mindestlohn bleibt aber ein Unsicherheitsfaktor.
Die Arbeitslosenquote ging im März um 0,1 Punkte auf 6,8 Prozent zurück. Foto: Bernd Wüstneck Die Arbeitslosenquote ging im März um 0,1 Punkte auf 6,8 Prozent zurück. Foto: Bernd Wüstneck
Nürnberg. 

Nach einem überraschend guten ersten Quartal rechnet die Bundesagentur für Arbeit (BA) in diesem Jahr mit einem leichten Jobaufschwung.

Das für 2015 erwartete stärkere Wirtschaftswachstum werde die Zahl der Arbeitslosen voraussichtlich um rund 100 000 auf 2,8 Millionen drücken, sagte BA-Vorstandschefs Frank-Jürgen Weise in Nürnberg. Bisher war die Bundesagentur lediglich von einem Rückgang um rund 25 000 im Jahresschnitt ausgegangen.

Im März hatten der milde Winterausklang und die robuste Konjunktur die Arbeitslosigkeit auf den niedrigsten März-Stand seit 24 Jahren sinken lassen. Zum Frühjahrsbeginn waren in Deutschland der BA zufolge 2,932 Millionen Männer und Frauen ohne Job; das sind 85 000 weniger als im Februar und 123 000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Punkte auf 6,8 Prozent zurück.

Nach Weises Einschätzung profitiert der Arbeitsmarkt derzeit verstärkt von der konjunkturellen Aufwärtsentwicklung. Viele Firmen seien gut ausgelastet und schafften neue Stellen, wie die Beschäftigtenstatistik zeige. „Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen bleibt hoch”, unterstrich Weise. Zufrieden zeigte sich auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD): „Der Arbeitsmarkt ist in guter Verfassung und profitiert von der starken wirtschaftlichen Entwicklung.”

Noch keine größeren Auswirkungen verzeichnet die Bundesagentur infolge der Mindestlohnregelung. „Wir haben bislang noch keine harten Fakten”, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Man habe lediglich einen stärkeren Rückgang bei den Minijobs beobachtet. Nach Angaben der Minijob-Zentrale lag deren Zahl im Januar um rund 255 470 niedriger als im Dezember. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum war sie um lediglich 91 000 zurückgegangen.

Alt warnte aber vor übereilten Schlussfolgerungen: „Es kann sein, dass ein Teil der weggefallen Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen umgewandelt wurde”, sagte er. Auffällig sei jedenfalls, dass gerade im Handel zuletzt besonders viele neue Stellen geschaffen wurden. Nach Alts Angaben wurde ein großer Teil der Minijobs bislang mit weniger als 8,50 Euro entlohnt.

Zuversichtlich stimmt die Bundesagentur-Spitze das weiter wachsende Angebot an offenen Stellen: Im März waren bei den Arbeitsagenturen 542 000 Posten ausgeschrieben. Nach den jüngsten Daten vom Februar legte auch die Zahl der Erwerbstätigen saisonbereinigt um 28 000 auf 42,49 Millionen zu. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Plus von 384 000. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stieg im Januar saisonbereinigt um 76 000 auf 30,32 Millionen - ein Zuwachs von 585 000 binnen Jahresfrist.

Verbessert hat sich auch die Arbeitsmarktlage in den Euro-Ländern. Die Arbeitslosenquote ist dort zuletzt im Februar weiter leicht auf 11,3 Prozent gesunken. Dies ist die niedrigste Quote im Euroraum seit Mai 2012, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat am Dienstag mitteilte. In den 19 Staaten mit der Gemeinschaftswährung waren insgesamt 18,204 Millionen Frauen und Männer ohne Job. Im Euro-Raum werden die Arbeitslosen nach anderen Kriterien erfasst als in Deutschland.

Nach Ansicht der Grünen im Bundestag widerlegt die aktuell gute Arbeitsmarktlage die „Horrorszenarien der Mindestlohn-Zweifler”. Viele Langzeitarbeitslose würden dennoch nicht vom Beschäftigungsaufbau profitieren; die Förderzahlen und Vermittlungsquoten gingen sogar zurück. Vor „Selbstzufriedenheit” warnte am Dienstag auch die Linksfraktion im Bundestag. Denn noch immer sei die verfestigte Langzeitarbeitslosigkeit fatal.

Der DGB beklagte, dass die Zahl der Hartz-IV-Arbeitslosen im Vergleich zu Kurzzeitarbeitslosen trotz des Beschäftigungsaufschwungs im März nur leicht zurückgegangen sei. Die Mittel für Langzeitarbeitslosen-Programme müssten deshalb aufgestockt werden. Hingegen sprach sich die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände dafür aus, Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit oder befristete Arbeitsverhältnisse zu erhalten. Insbesondere Geringqualifizierte könnten davon profitieren, hieß es in einer Mitteilung.

(dpa)
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