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Fast jede zweite Neueinstellung in Deutschland betroffen: Arbeitsmarkt: Noch mehr befristete Jobs

Ein befristeter Job ist oft besser als gar keiner – und kann auch den Weg zu einer unbefristeten Anstellung bereiten.
Vor allem 25- bis 39-Jährige werden befristet eingestellt und müssen sich immer wieder einen neuen Job suchen. Foto: Axel Heimken (dpa) Vor allem 25- bis 39-Jährige werden befristet eingestellt und müssen sich immer wieder einen neuen Job suchen.
Berlin. 

Fast jeder zweite neu eingestellte Arbeitnehmer hat im vergangenen Jahr nur eine befristete Stelle bekommen. Das betraf 45 Prozent der 3,4 Millionen Neueinstellungen 2016, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf Fragen der Grünen-Abgeordneten Beate Müller-Gemmeke hervorgeht. Auszubildende und Minijobber sind bei den Zahlen, die auf eine Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zurückgehen, nicht mitgerechnet. Der Anteil der Befristungen stieg von 41 Prozent im Jahr zuvor.

Der Anteil der Befristungen an allen Neueinstellungen nahm 2016 im Vergleich zum Vorjahr nicht nur bei Jüngeren, sondern auch bei Arbeitnehmern mittleren und höheren Alters zu. Am stärksten stieg er bei Beschäftigten zwischen 30 und 39 Jahren: Wurden 2015 noch 38 Prozent von ihnen befristet eingestellt, waren es 2016 bereits 49 Prozent. Auch bei den über 50-Jährigen erhöhte sich der Anteil der befristeten Neueinstellungen – von 39 auf 41 Prozent im vergangenen Jahr. Bei den 25- bis 29-Jährigen erhielten 2015 noch 47 Prozent einen befristeten Arbeitsvertrag, im vergangenen Jahr waren es 50 Prozent.

Übernahmequote konstant

Insgesamt stieg der Anteil befristeter Jobs an der betrieblichen Gesamtbeschäftigung damit von 7,7 Prozent im Jahr 2015 auf 7,8 Prozent im vergangenen Jahr, wie aus der Regierungsantwort auf Basis der IAB-Zahlen hervorgeht. Die Quote derer, die nach einer Befristung von ihrem Betrieb übernommen wurden, blieb demnach mit 40 Prozent unverändert.

Dass gerade 25- bis 39-Jährige oft nur befristet eingestellt werden, wertete Müller-Gemmeke als „fatal“. Das sei gerade das Alter, in dem die Familienplanung eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, sagte sie. „Arbeitsverhältnisse mit Verfallsdatum machen dies aber unmöglich.“ Die Bundesregierung müsse die sachgrundlose Befristung abschaffen. Aus der Erhebung geht nicht hervor, wie viele Befristungen auf sachliche Gründe wie etwa Besetzung einer Stelle während einer Elternzeit zurückgehen. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bekräftigte: „Die sachgrundlose Befristung gehört abgeschafft.“ Sie schaffe große Unsicherheiten.

Laut Statistischem Bundesamt stieg die Befristungsquote seit 1991 von 5,9 Prozent mit Schwankungen auf 8,5 Prozent im vergangenen Jahr an. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Quote der Befristungen allerdings unter dem EU-Durchschnitt von 11,3 Prozent.

Hoher Termindruck

Unabhängig von der Art des Beschäftigungsverhältnisses, der Stellung und Branche belasten Termindruck und eine hohe Arbeitszeitdichte nahezu die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland. Dies geht aus einem aktuellen Bericht des Statistischen Bundesamts hervor, der gestern veröffentlicht wurde. Rund 40 Prozent der Arbeitnehmer leiden demnach unter der hohen Arbeitsintensität. Männer sind mit 44 Prozent demnach häufiger betroffen als Frauen (36 Prozent).

Mehr als der Hälfte aller Führungskräfte macht besonders der hohe Termindruck zu schaffen. Das Problem ist dem Bundesamt zufolge: Angestellte in der Anlagen- und Maschinenbedienung sowie im Handwerk leiden ähnlich stark unter einer zu hohen Termindichte.

Ein weiterer Befund: Die im Schnitt geleistete Arbeitszeit der deutschen Voll- und Teilzeitbeschäftigten nimmt seit Jahren ab. Dem Bericht zufolge arbeiteten Arbeitnehmer im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 35 Wochenstunden. Das waren etwa drei Stunden weniger als noch 1991 und zwei Stunden weniger als im europäischen Durchschnitt. Vollzeitbeschäftigte arbeiteten in Deutschland mit rund 41 Stunden aber deutlich länger. Arbeitgeber erklären Letzteres vor allem mit der guten Auftragslage bei Industrie und Handwerk. Fachkräftemangel und eine starke Nachfrage führen demnach automatisch zu einer höheren Arbeitsintensität. (dpa)

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