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Brexit, Trump und Konjunktur: Ausblick auf die Woche

Was diese Woche wichtig ist, schreibt Wirtschaftsredakteuer Thomas Baumgartner.
Die große Anzeigetafel in der Börse in Frankfurt. Bilder > Die große Anzeigetafel in der Börse in Frankfurt.

Die Weltwirtschaft unter dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump bleibt das beherrschende Thema an den Finanzmärkten. Kurz nach der Wahl schien sich ja die Einschätzung durchgesetzt zu haben, es werde schon alles nicht so schlimm kommen wie im Wahlkampf angekündigt, und notfalls lasse sich die eine Wahlperiode auch mit dem Erzählen von Melania-Witzen überbrücken. Doch angesichts der Mannschaft aus Hasspredigern, Rassisten und christlichen Fundamentalisten, die wohl in Washington das Ruder übernehmen werden, weicht die vorschnelle Entwarnung allmählich einer realistischeren Einschätzung, und auch die Hoffnung auf einen durch Steuersenkungen und Infrastruktur-Ausgaben angetriebenen Wachstumsschub verblasst. Auch in den nächsten Tagen dürften die Kurse an den Börsen daher vor allem eine Richtung kennen: abwärts.

Frankreich

Angesichts von Trump-Wahl und Brexit wird es zunehmend einsam um Bundeskanzlerin Angela Merkel – umso wichtiger ist für uns und die gesamte EU deshalb die deutsch-französische Partnerschaft geworden. Am Sonntag wird Frankreich in einer Urwahl nach US-Vorbild den konservativen Präsidentschaftskandidaten bestimmen, dessen wichtigste Aufgabe der Sieg in der voraussichtlichen Stichwahl gegen die Chefin des Front National, Marine Le Pen, sein wird. Es scheint mir eher nicht auf einen mutigen Aufbruch hinzudeuten, dass der Kandidat mit dem wirtschaftsfreundlichsten Reformprogramm, François Fillon, in Umfragen klar zurückliegt hinter Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, der einen Prozess wegen illegaler Wahlkampffinanzierung zu erwarten hat, und dem bereits wegen illegaler Parteienfinanzierung vorbestraften Bürgermeister von Bordeaux, Alain Juppé.

Deutsche Konjunktur

Doch zunächst zum Alltagsgeschäft. Am Donnerstag werden der wichtigste Frühindikator für die deutsche Konjunktur, der Ifo-Index, und das vom Nürnberger Marktforscher GfK ermittelte Konsumklima veröffentlicht. Solange noch unklar ist, ob Trump tatsächlich einen Handelskrieg anzuzetteln gedenkt, bleibt das Wachstum dank der robusten Binnennachfrage wohl vorerst stabil; vor allem für den Handel ist das wegen des anstehenden wichtigen Weihnachtsgeschäfts eine gute Nachricht. Dennoch könnte das US-Wahlergebnis den Befragten bereits auf die Stimmung schlagen. Zumindest wird es von jenseits des Atlantik kaum Nachrichten geben, die aktuell die Laune weiter eintrüben: Denn die Amerikaner haben sich am Donnerstag bereits in das lange „Thanksgiving“-Wochenende verabschiedet. Richard Fords großartiger Roman „Die Lage des Landes“ spielte ebenfalls an Thanksgiving, dem amerikanischen Familienfest. Und zwar im Jahr 2000, als das Duell zwischen George W. Bush und Al Gore zunächst keinen klaren Sieger gefunden hatte. Dem Autor gelingt ein melancholisch-komischer Ausblick auf die USA der Bush-Jahre – man darf auf Fords Resümee zu Trump schon heute gespannt sein.

ThyssenKrupp

Einige Firmenbilanzzahlen gibt es natürlich auch noch. Das kriselnde Stahlgeschäft wird erneut die Bilanz von Thyssenkrupp bestimmen. Am Donnerstag legt Vorstandschef Heinrich Hiesinger die Zahlen für das Geschäftsjahr 2015/16 (Ende September) vor. Preisdruck, Billigimporte aus China und Überkapazitäten verhagelten die Prognose. Und noch immer gibt es kein Ergebnis beim geplanten Verkauf des misslungenen Investitionsprojekts in Brasilien, das Milliardenverluste gebracht hat. Die Gespräche über einen Zusammenschluss der Stahlsparte mit dem indischen Industriekonglomerat Tata sind ebenfalls ins Stocken geraten, weil dort eine Schlammschlacht an der Führungsspitze tobt.

Schon am Mittwoch veröffentlicht der Halbleiter-Hersteller Infineon Zahlen. Die Aktie hat binnen Jahresfrist mehr als 38 Prozent gewonnen und liegt damit im Dax hinter Adidas auf Platz 2.

Ausstellung

Ihre Rolle als Notenbank hat die Bundesbank bekanntlich an die EZB abgeben müssen – nun geht sie unter die Ausstellungsmacher. Am Freitag eröffnet in der Zollamt-Dependance des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK3) eine Ausstellung von Florian Hecker – im Rahmen der Europäischen Kulturtage der EZB. Der Künstler ist weltbekannt geworden mit seinen Arbeiten an der Grenze zwischen Musik und Kunst, er hat schon im New Yorker MoMa und auf der Kasseler documenta ausgestellt. Der Hauptvorteil für Frankfurter: Sie können die Schau auch wirklich besuchen – anders als die Ausstellungen, die während der EZB-Kulturtage im Notenbank-Turm stattfinden, aber nur bei Führungen zugänglich sind, die schon vor Veröffentlichung der Termine stets ausgebucht sind.

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