Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Wachstum im Sommer europaweit bei 0,3 Prozent: BIP schüttelt Brexit-Schock ab

Die exportorientierte deutsche Wirtschaft wächst im dritten Quartal langsamer als der Euro-Raum insgesamt.
Der Nullzins treibt die deutsche Baubranche an, die im laufenden Jahr mit einem Umsatzwachstum von 5,5 Prozent rechnet. Foto: Sebastian Kahnert (dpa) Der Nullzins treibt die deutsche Baubranche an, die im laufenden Jahr mit einem Umsatzwachstum von 5,5 Prozent rechnet.
Berlin. 

Die Wirtschaft in Deutschland und der Eurozone kommt nach dem Brexit-Schock vorerst mit einem blauen Auge davon. Das Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum stieg zwischen Juli und September um 0,3 Prozent zum Vorquartal und damit genauso stark wie im Frühjahr, wie die Statistikbehörde Eurostat mitteilte. In Deutschland allerdings halbierte sich das Wachstum auf 0,2 Prozent. Ökonomen befürchten Unsicherheit, wenn Großbritannien 2017 Verhandlungen über den geplanten EU-Austritt beginnt. Zudem gilt der künftige US-Präsident Donald Trump als unberechenbar. „Die Risiken für den Konjunkturausblick haben sich deutlich erhöht“, sagte NordLB-Experte Christian Lips.

Nach dem Anti-EU-Referendum der Briten vom Juni hatten Pessimisten eine spürbare Konjunkturabkühlung vorhergesagt. Diese fiel jedoch in den meisten der 19 Euro-Staaten aus. In Frankreich – der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone – legte die Wirtschaft im Sommer um 0,2 Prozent zu. In Italien ging es um 0,3 Prozent nach oben, was die Erwartungen der Fachwelt übertraf. Portugal schaffte sogar 0,8 Prozent Wachstum. Auch in Griechenland steuert die Wirtschaft nach einem Quartalswachstum von 0,5 Prozent auf einen Anstieg des BIP im Gesamtjahr 2016 zu.

In Deutschland kamen Impulse erneut von der starken Inlandsnachfrage – also von der Kauflaune der Verbraucher, der boomenden Baubranche und den Ausgaben der öffentlichen Hand für Flüchtlinge. Wegen sinkender Exporte bremste jedoch der Außenhandel. Die Exporteure haben ihre Wachstumsprognose für 2016 bereits auf maximal zwei Prozent halbiert. Der Präsident des Branchenverbands BGA, Anton Börner, blickt skeptisch nach vorn: „Das Wachstum nimmt ab, die Unsicherheiten nehmen zu und neue Impulse bleiben aus.“ Die Nullzinsen machen hingegen die Baubranche optimistisch. Der Verband ZDB erhöhte seine Umsatzprognose 2016 und peilt die höchsten Erlöse seit gut 20 Jahren an.

Börsianer glauben an Aufschwung

Börsenprofis blicken mit überraschend großer Zuversicht auf die deutsche Wirtschaft – noch. Allerdings schürt die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten auch neue Sorgen.

clearing

Verlässlicher Wachstumstreiber bleibt der private Konsum. Das spüren auch die Einzelhändler, die auf ein Rekord-Weihnachtsgeschäft setzen. DekaBank-Experte Scheuerle geht davon aus, dass die Verbraucher die Wirtschaft weiter ankurbeln und auch die Exporte wieder zulegen dürften. „Das ist eine gute Mischung für die deutsche Konjunktur: Auf den ’Summertime Blues’ folgt ’Rocking Around the Christmas Tree!’"

Rückenwind wird fehlen

Vor zu viel Euphorie warnte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer: „Wenn der gegenwärtige konsumgetriebene Aufschwung Deutschlands in ein paar Jahren ausläuft, wird uns der Rückenwind vom Welthandel fehlen.“ Denn viele Beobachter gehen davon aus, dass Trump als Präsident die USA abschotten könnte. „Auf lange Sicht ist der Protektionismus Trumps ein Problem für das Exportland Deutschland.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel will nach Trumps Wahlsieg die Debatte über Chancen und Risiken der Globalisierung zu einem der großen Themen der deutschen G-20-Präsidentschaft machen. „Diese Auseinandersetzung über Offenheit oder Abschottung wird uns in den nächsten Jahren sehr stark beschäftigen.“ Die Globalisierung dürfe nicht durch Abschottung zurückgedreht werden. Das Handelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA liegt seit längerem auf Eis und gilt durch Trumps Wahlsieg als praktisch tot. Führt er tatsächlich Importzölle von bis zu 45 Prozent und weitere Handelshemmnisse ein, kann das die deutsche Wirtschaftsleistung um bis zu 19 Milliarden Euro oder 0,6 Prozent dämpfen, errechnete Gabriel Felbermayr vom Ifo-Institut. (rtr)

<span></span>
Kommentar Wirtschaft Alarmsignal

Die Abschwächung des deutschen Wachstums im dritten Quartal ist in Wahrheit noch deutlich alarmierender, als es auf den ersten Blick – mit einer Rate von 1,7 Prozent zum Vorjahresquartal – scheinen mag.

clearing
Zur Startseite Mehr aus Wirtschaft

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse