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Wiener Feinbäckerei aus Mühlheim: Bäcker will Zins-Hunger befriedigen

Seitdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Zins quasi abgeschafft hat, sind viele Bundesbürger verzweifelt auf der Suche nach Rendite. Zuckersüß erscheint da das Versprechen der Wiener Feinbäckerei: Satte fünf Prozent Zinsen soll ihre neue Anleihe abwerfen.
Georg Heberer (links) und Alexander Heberer führen das Unternehmen in fünfter Generation. Foto: Claus Georg Heberer (links) und Alexander Heberer führen das Unternehmen in fünfter Generation.
Frankfurt. 

Zwischen Bauernkrusten, Laugenbrezeln, kalten und heißen Snacks, Zupfkuchen, Schokocroissants und Milchkaffee werden Kunden der Wiener Feinbäckerei Heberer in den kommenden Wochen ein Angebot der besonderen Art finden: In Flugblättern und sogar auf Servietten wirbt das Traditionsunternehmen dort für seine Jubiläumsanleihe, die es zu seinem 125. Geburtstag herausgibt. Die zuckersüße Botschaft: Fünf Prozent Festzins im Jahr, über fünf Jahre hinweg, bei einem Mindest-Anlagevolumen von 1000 Euro. Anleger, die vor fünf Jahren die erste Anleihe der Bäckerei gekauft hatten, sollen für eine Anschlussanleihe sogar 5,25 Prozent erhalten.

Durchaus verlockende Angebote in Zeiten des Niedrigstzinsumfeldes, in denen selbst neunjährige Bundesanleihen negativ rentieren, Tagesgeld und Festgeld so gut wie nichts mehr abwerfen und sogar schon Unternehmen von sicherheitsbedürftigen Anlegern fast umsonst Geld bekommen. So ist der Pharmakonzern Sanofi Ende März seine dreijährige Anleihe mit einer Emissionsrendite von 0,05 Prozent losgeworden. Und auch die Deutsche Telekom hat sich kürzlich sehr günstig refinanziert: Für ihren Fünf-Jahresläufer bezahlt sie immerhin nur 0,25 Prozent Zinsen.

Entsprechend attraktiv erscheinen da zunächst die fünf Prozent der Wiener-Feinbäckerei Heberer. Vor allem wenn man bedenkt, dass die EZB im Juni beginnen wird, neben Staatsanleihen und Pfandbriefen auch Unternehmensanleihen zu erwerben – zumindest solche mit Investment-Grade, also solche, die mindesten mit BBB benotet sind. Deren Renditen sind seit der Ankündigung der EZB Anfang März schon gesunken, werden dann aber wohl noch weiter nach unten gehen. Heißt: Wie bei Anleihen und Pfandbriefen werden Anleger auch in diesem Segment auf der Suche nach auskömmlicher Rendite in risikoreichere Investitionen gedrängt.

Folgerichtig gehen die geschäftsführenden Gesellschafter Georg Richard Heberer und Alexander Heberer davon aus, dass ihre Anleihen – die sie als „Investition in goldenes Handwerk“ bewerben –, weg gehen wie warme Semmeln. „Wir wollen mit den beiden Anleihen maximal 7,5 Millionen Euro einsammeln“, sagte gestern in Frankfurt Alexander Heberer. „Und da werden wir die Bücher sicherlich lange vor dem Ende der Zeichnungsfristen schließen. Die Zeichnungsfrist für die Anschlussanleihe endet schon am 15. Juli – denn am 1. August läuft die alte Anleihe aus. Die neue Jubiläumsanleihe können Interessierte theoretisch bis zum 31. März 2017 zeichnen.

Zumindest die Anschlussanleihe werden die Heberers wohl erfolgreich platzieren, wenn man den Worten der Brüder Glauben schenken darf: 1000 der rund 1200 Anleger hat das Unternehmen demnach Ende vergangenen Jahres im Rahmen einer Umfrage angeschrieben. „Fast alle der knapp 500, die geantwortet haben, wollten im August nicht ausbezahlt werden, sondern lieber eine Anschlussanleihe zeichnen“, berichtete Alexander Heberer, „sie haben in den vergangenen Jahren ja auch immer pünktlich ihre Zinsen erhalten.“ Allerdings habe sich bei der Umfrage gezeigt, dass bei einer Verzinsung von weniger als 4,5 Prozent das Interesse deutlich geringer war. Deshalb also die nun angebotenen 5,25 Prozent.

Die scheinen aber auch ebenso geboten wie die Fünf-Prozent-Verzinsung für die Jubiläumsanleihe. Zum einen sollen die Papiere nicht an der Börse gehandelt werden. Das heißt: Wer vor Ende der Laufzeit sein Geld zurückhaben möchte, muss sich mühsam nach einem Abnehmer umschauen. Zum anderen verfügt die Wiener Feinbäckerei nicht über ein Rating. Was auch nicht verwundert angesichts der über Jahre hinweg schwierigen Geschäftslage. Im vergangenen Jahr hat die Heberer-Gruppe – die größtenteils aus der Wiener Feinbäckerei besteht – bei einem Umsatz von 85,3 Millionen Euro einen Nettogewinn von 10,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Und auch 2014 hatte das Unternehmen immerhin einen Überschuss von 6,5 Millionen Euro ausgewiesen. Aber im Zuge der 2011 begonnenen Restrukturierung der Feinbäckerei hatte die Gruppe in den Jahren zuvor Verluste erlitten und einen hohen Schuldenberg angehäuft.

Nach Darstellung der Heberers gehört dies alles aber der Vergangenheit an: „Die Restrukturierung ist abgeschlossen, die Schulden sind weitestgehend abgebaut“, betonte Alexander Heberer. Nach dessen Angaben sind bei einem Eigenkapital von 13,3 Millionen Euro die Finanzschulden auf 2,8 Millionen Euro gesunken. Das haben die Heberers vor allem dem im Oktober 2015 abgeschlossenen Deal mit dem Eschborner Unternehmen SSP zu verdanken. Der übernahm 33 Filialen der Bäckerei-Kette, um diese fortan im Franchise-System zu vertreiben. Mit dem Verkaufserlös von fast zehn Millionen Euro wurde der Schuldenberg abgetragen.

 

Bäckerei setzt auf

 

„Klasse statt Masse“

 

Der Verkauf steht stellvertretend für die seit 2011 gefahrene Strategie, die sich mit den Worten „Klasse statt Masse“ zusammenfassen lässt und mit der sich die Wiener Feinbäckerei als Premium-Bäcker mit höheren Gewinnmargen positioniert hat. So ist die Zahl der Filialen von mehr als 400 auf 235 gesunken, die Bäckerei-Kette konzentriert sich vor allem auf die Regionen Rhein-Main, Berlin und Thüringen – wo auch ihre Produktionswerke ansässig sind. Aus diesen Regionen stammt den Angaben nach auch der überwiegende Teil der bisherigen Anleger. „Es sind eben vor allem unsere Kunden. die die erste Anleihe gezeichnet haben“, bestätigte Alexander Heberer. Und auf die zielt das Unternehmen auch bei seinen neuen Anleihen ab: Die Papiere werden nicht aktiv von Banken vertrieben. Heberer platziert die Anleihen weitgehend in Eigenregie. Auf den Flugblättern und Servietten finden potenzielle Investoren auch E-Mail-Adresse und Faxnummer, unter denen sie das Wertpapier-Prospekt bestellen können, in dem unter anderem auch die Risiken dargestellt sein sollten.

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