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Lange Liste der Probleme: Banken erneut vor schwierigem Jahr

Von Die deutschen Banken und Sparkassen haben ein schwieriges Jahr hinter sich. Doch 2017 dürfte kaum einfacher werden – zu lang ist die Liste der Probleme.
Spricht für den Bankenverband: Michael Kemmer. Foto: Sven Hoppe (dpa) Spricht für den Bankenverband: Michael Kemmer.
Frankfurt. 

Für die deutschen Banken gilt das vergangene Jahr als eines der schlimmsten seit Menschengedenken. Alle Branchengrößen mussten Stellenstreichungen und/oder Filialschließungen ankündigen, in den USA wurden Milliardenstrafen fällig, der Aktienkurs des Marktführers Deutsche Bank fiel zeitweise unter 10 Euro, sogar über eine Rettung durch den Steuerzahler wurde spekuliert. Der damalige Regierungschef von Italien, das als Zentrum der Bankenkrise gilt, konnte ätzen: „Ich würde das italienische Bankensystem nicht gegen das deutsche eintauschen“, sagte Matteo Renzi. „Genauso wie das Problem der faulen Kredite in einem vernünftigen Zeitrahmen gelöst werden muss, sollte dies auch für die Probleme der Deutschen Bank gelten“, meinte Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan.

Also kann alles nur besser werden? „Ein besseres Jahr als 2016“ wünschte sich der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer. „Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch politisch ist auch 2017 einiges los.“ Mit Sorge blickten die Banken „auf ein Europa der Widersprüche“, das mit dem Brexit konfrontiert sei, die selbstgesetzten Regeln immer wieder missachte und viel zu wenig tue, um seine Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft zu stärken. Die Bundestagswahl in Deutschland oder die Präsidentschaftswahl in Frankreich könnten rechtspopulistische Überraschungen bringen, in den USA hat der künftige Präsident Donald Trump Tendenzen zu Protektionismus erkennen lassen. Und die Verhandlungen mit Großbritannien über den EU-Austritt werden beginnen. Zwar gibt es Hoffnungen, dass Frankfurt vom Brexit sogar profitieren könnte – doch Kemmer bleibt skeptisch und geht davon aus, dass durch den EU-Austritt der Briten „alle verlieren werden“.

Streit um „Basel IV“

Neue Lasten drohen an der Kapitalfront. Im Streit um die künftigen Eigenkapitalregeln („Basel IV“) setzen die Privatbanken zwar auf Härte der Europäer gegenüber der Position der USA: „Die Gefahr der Benachteiligung hat bestanden und besteht nach wie vor – insbesondere für deutsche Institute“, sagte Kemmer. Hauptstreitpunkt ist der Einsatz interner Risikomodelle, mit denen Banken berechnen, wie viel Eigenkapital sie für Kredite zur Seite legen müssen. Die USA wollen aber den Spielraum dabei stärker begrenzen, Kemmers Schmerzgrenze wäre ein Anstieg der Kapitalanforderungen um zehn Prozent. Dennoch ist er dagegen, die Gespräche platzen zu lassen: „Eine international einheitliche Regulierung ist ein hohes Gut. Das sollte man nicht einfach über den Haufen werfen.“ Er halte es für „sehr wahrscheinlich“, dass es zu einer Einigung kommt. Andere sind da deutlich skeptischer und erwarten, dass die künftige Trump-Administration eher auf Deregulierung in den USA als auf neue gemeinsame Regeln setzen wird.

Die EZB

Ein stetig wachsendes Problem für die Zinsüberschüsse der Banken bleibt das Niedrigzins -Umfeld. Kemmer fordert von der EZB eine Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik: „Ein allmählicher Ausstieg aus dem geldpolitischen Krisenmodus ist notwendig. Die Diskussion muss jetzt beginnen, nicht erst vielleicht im zweiten Halbjahr!“

Auch Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon fürchtet: „2017 gilt für die deutschen Sparkassen das gleiche Szenario wie in den Jahren zuvor – allerdings mit erneut verschärften Vorzeichen.“ Sie müssten „dem steigenden Kostendruck, der sich aus den Folgen der Negativzinspolitik, der steigenden Komplexität der Marktregulierung , den immer strengeren Vorschriften aus dem politischen Bereich und nicht zuletzt den Investments in Digitalisierungsprojekte zusammensetzt, begegnen“.

Nicht anders sieht es im Genossenschaftssektor aus. „Alle Institute müssen sich den extremen Belastungen stellen, die aus dem Zusammenspiel von Niedrigzinsen, notwendigen Investitionen in die Digitalisierung und hohen Regulierungsbelastungen resultieren“, sagt Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Doch zumindest die Hoffnung auf eine Zinswende der EZB schon in diesem Jahr könnte sich als trügerisch erweisen, hat sie doch gerade eine Verlängerung ihres Anleihe-Kaufprogramms bis Jahresende beschlossen. Dessen Gesamtvolumen schwillt dadurch um mehr als eine halbe Billion auf 2,28 Billionen Euro an – und während der Zeit dieser Käufe gilt eine Zinserhöhung als ausgeschlossen.

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