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Bender: "Darum habe ich Berlin abgesagt"

Wilhelm Bender, Ex-Chef des Frankfurter Flughafens, wurde am Wochenende schon als neuer Boss des maroden Berliner Flughafens Schönefeld ausgerufen. Jetzt macht er‘s doch nicht, und alle Welt fragt sich: Warum nicht? Wir haben nachgefragt.

Wilhelm Bender: Ja, aber das halte ich aus.

Die Gesellschafter des Flughafens Schönefeld wollten Sie als neuen Chef verpflichten, aber Sie haben nach kurzer Bedenkzeit abgesagt.

Bender: Ich habe für die operative Verantwortung abgesagt, will aber gerne bei der Lösung der Probleme helfen. Ich habe das so empfunden, dass ich mich schnell entscheiden muss. Vor allem auch, weil die Sachlage es nicht zulässt, dass die Gesellschafter unnötig lange hingehalten werden. Und weil die Situation des Flughafens ein schnelles gründliches Eingreifen erfordert.

Hat es Sie am Ende doch nicht gereizt, dieses Großprojekt zu retten?

Bender: Oh doch. Das ist ja letztlich nicht nur eine "normale" Management-Aufgabe, sondern auch eine Frage der Verantwortung. Es ist furchtbar für Deutschland, für unser Ansehen in der Welt, dass wir dieses Projekt nicht erfolgreich hinbekommen haben. Aber für meine Entscheidung haben andere Faktoren den Ausschlag gegeben.

Welche?

Bender: Es gibt ja auch eine Verpflichtung hier, in Frankfurt und in der Region. Ich habe mich ja da in vielfältiger Weise engagiert und vieles mit aufgebaut – und es gab viele Anrufer am Wochenende, die gesagt haben: Du kannst Dich doch nicht einfach davonmachen. Außerdem bin ich ja auch Privatmensch, und die neue Aufgabe hätte schon einen großen Einschnitt bedeutet, weil ich ja rund um die Uhr für den Berliner Flughafen im Einsatz gewesen wäre.

Nun haben die Berliner das Nachsehen.

Bender: Ich will ja trotzdem helfen, nur nicht in einem Fulltime-Job. Es ist ja von einer Beratungstätigkeit berichtet worden, die ich angeboten habe. Die Gesellschafter müssen sagen, ob sie dies wollen.

Was raten Sie denn den Berlinern, wie sie mit ihrer Chefsuche weiterkommen?

Bender: Wenn die Gesellschafter das wünschen, kann ich bei der Suche helfen.

Seien Sie mal ehrlich – hat nicht an irgendeiner Stelle auch der Fußball bei Ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt? Wäre es nicht eine unzumutbare Grausamkeit, die Eintracht gegen die Hertha einzutauschen?

Bender: Das kann ich mir auch nicht vorstellen. Die Eintracht hat derzeit einen so guten Lauf, dass es wirklich eine Härte bedeutet hätte, hier nicht mehr dabei zu sein.

Wilhelm Benders Aufgaben in Frankfurt und Rhein-Main:

Der Ex-Fraport-Chef ist Aufsichtsratsvorsitzender von Eintracht Frankfurt und von Bombardier Transportation, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsinitiative Frankfurt RheinMain, Vorstandsvorsitzender der Freunde und Förderer der Goethe Universität, Kuratoriumsvorsitzender des Fördervereines des Jüdischen Museums Frankfurt, Berater des Finanzinvestors Advent International, der internationalen Wirtschaftskanzlei Norton Rose und der Finanzberatung Leonardo & Co.red

(red)
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